Ihr seid nicht das Volk

14. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Das Motto „Demokratie ist wenn ihr wählt was wir wollen“ hat sich in der deutschen Medienlandschaft eingenistet. Angesichts der personellen Resterampe in Berlin und Brüssel fokussieren sich die Gazetten derzeit lieber auf Donald Trump. Bemerkenswert ist die breite Front gegen Trump auch in heimischen Medien…

Die Mauerfrage

Selbst der Herr Papst, der die Armen und das Klima mag, mischte sich in den Wahlkampf ein. Wer Mauern baue sei kein Christ. Man brauche Brückenbauer. Rein makroreligiös ist man mit dem Fokus auf den Worten „ist kein Christ“ und unter Vermeidung der Formulierung „glaubt nicht an Gott“ immerhin dem einen oder anderen Politiker im Nahen Osten nicht auf den Schlips getreten. Manch ein Betonmischer ist dort ja durchaus zu finden.

Noch besser für die christlichen Abendländner in Brüssel und an der Costa Brava ist die feine Linie zwischen Mauer und Zaun, die dem europäischen Grenzschützer dank des Einsatzes von Maschendraht statt Beton eine Handvoll Ewigkeiten im Fegefeuer erspart. Zum Glück baut der gläubige Europäer nur Zäune. Dem Erbauer der chinesischen Mauer hilft das freilich wenig, aber gegen die Mongolen war das mit der Mauer vielleicht auch in Ordnung. Da muss man einfach mal das nächste Urteil aus dem Vatikan abwarten.

Wie albern es ist, sich am Wahlkampfthema der Sicherung der bestehenden Grenze zu Mexiko, nichts anderes ist die vielzitierte Mauer, abzuarbeiten, zeigt nicht zuletzt die hohe Zustimmung, die Trump auch unter den Latinos erhält. Wer natürlich jeden, der sich explizit gegen illegale und genauso explizit für legale Einwanderung ausspricht als Rassisten bezeichnet, der hat entweder einen Schreibauftrag vom Chefredakteur oder sich nicht eine einzige Rede von Trump angehört. Das muss auch der Grund sein, warum der Kandidat monatelang komplett unterschätzt wurde.

Wer sich eben nur bei Qualitätsquellen, wie der GMX-Startseite oder dem Spiegel informiert, bei dem bleibt leider außer den Fremdurteilen Schreihals oder gar Clown nicht viel hängen. Man mag Trump zustimmen oder nicht, ein Clown ist er mit Sicherheit nicht. Der Mangel am Willen sich mit den Kandidaten wie mit amtierenden Präsidenten zu beschäftigen ist jedoch leider ein dauerhaftes Phänomen. Mangelnder Drang zur Analyse ist kein singuläres Problem der Finanzbranche.

Aufwärtstrend der Kosten ist bei bester Gesundheit

Wie die Fans eines jämmerlich spielenden und regelmäßig absteigenden Fußballclubs liebkosen viele Autoren offenbar noch immer ihre Obama-Poster an der Bürowand. Sie wissen schon, wegen der Krankenversicherung. Abgesehen von den Aktionären der Gesundheitsversicherungskonzerne gibt es für diese Heldenverehrung eher wenig Anlass.

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Die Gesundheitskosten entwickeln sich entsprechend, irgendwo müssen die Gewinne ja herkommen.

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Für den sozialistisch angehauchten Fan ist das natürlich irrelevant, denn Geld ist ja nur das, was die anderen bezahlen. Geld verteilen hat bekanntlich unabhängig davon, dass man es vorher jemanden wegnehmen muss, den ewig guten Ruf des menschlichen. Das gute alte Leistungsprinzip setzt sich somit weiter durch. Das europäische Motto lautet: Leistung find ich super, wo kann ich die beantragen?

Auch Gabor Steingarts Handelsblatt will sich nicht lumpen lassen, und so durfte man in einer der letzten Ausgaben (die wie so viele andere Zeitungen immer häufiger gratis sind) einen Leitartikel mit der Überschrift „Der Triumph des Antiamerikaners“ lesen.

Geschrieben werden solche Artikel oft im entsetzten Tonfall eines Feuilletonisten, der es nicht verstehen will, dass das gemeine Volk den „Vergoldeten Hundehaufen eines Mischlingsrüden“ des großen Künstlers einfach nicht verstehen will.

Der Inhalt des Artikels besteht größtenteils aus den bekannten Vorhaltungen gegen Trump. Zwei Schmankerl möchten wir Ihnen allerdings nicht vorenthalten. So schreibt der Autor von Trumps angeblicher „Begeisterung für Kriegsverbrechen wie Folter“. Woher auch immer der Autor diese Vermutung nimmt bleibt ein Rätsel. Bemerkenswerterweise war Trump der einzige, der sich offen traute, das auszusprechen, was wohl viele denken. Wer anderen den Kopf abschneidet ist geisteskrank. Begeisterung sieht anders aus. Aber der Autor lässt durchblicken, wer ihn inspiriert hat. Und das ist wirklich aufschlussreich.

So heißt am Schluss des Artikels:

(Quelle SZ) Angesichts der Gefahr, die von Trump ausgeht, müssen die demokratischen Kräfte Amerikas zusammenrücken. Auch moderate Republikaner müssen sich dem Aufstand der Anständigen anschließen – trotz ihrer Vorbehalte gegen Clinton.

Der neokonservative Intellektuelle Robert Kagan, einer der Architekten des Irak-Kriegs, zeichnet den Weg vor: „Eine Stimme für Clinton ist die einzig richtige Wahl. Die Partei ist nicht zu retten, das Land schon.“

Das ist kein Witz, das steht wirklich so da. Der Irak-Krieg ist mittlerweile offenbar wieder in Ordnung und von derart ästhetischem Reiz, dass es einen Architekten dazu brauchte, ihn so in Szene zu setzen. Der Bau des Architekten ist zwar eingestürzt und Dach und Keller sind auch Jahre nach dem fragwürdigen Einmarsch nicht wasserdicht zu bekommen, aber alles in allem war das schon eine tolle Sache.

Mission accomplished hieß es ja schon vor Jahren. Als Bush Präsident war, sah man das zwar anders, aber wenn die anständigen Kräfte zusammenrücken, dann müssen die lästigen Fakten auch mal den Schnabel halten. Trump war übrigens seinerzeit gegen den Irak-Krieg. Das steht nicht im Artikel. Aber was ist schon ein Projektentwickler gegen einen Architekten.

Generell fragt sich der Betrachter, wer denn die nicht näher bezeichneten demokratischen Kräfte Amerikas sein sollen. Meint der Autor etwa die Familien Bush und Clinton? Zur neuen europäischen Auffassung von Demokratie gehört es aber leider mittlerweile, alles was nicht Teil des bestehenden Systems ist zu diskreditieren und sogar zu diffamieren. So predigt man einerseits Toleranz bis zur Selbstverleugnung beschimpft aber im gleichen Atemzug große Teile der Einwohner der ostdeutschen Bundesländer zu Nazis. Ob das noch Verklärtheit oder schon Schizophrenie ist muss ein Psychologe klären.

Auch schön, im selben Artikel vom 3.3.2016:

Der führende Präsidentschaftskandidat der Republikaner ist vor allem eines: ein Antiamerikaner.

Das kann das Handelsblatt sicher am besten beurteilen. Aber sollten wir das nicht doch einfach die Amerikaner entscheiden lassen?

Wenn Trump erst einmal Präsident ist, werden sich die Dinge ohnehin so entwickeln ,wie sie das in solchen Fällen immer tun.

Schon im Vorfeld, wenn Hillary Clinton mal wieder über ein paar E-Mails oder zu intime Kontakte zu Goldman und Co stolpert, wird sich der Tonfall entschärfen. Wie ein zum Tode Verurteilter werden Horden von Lohnschreibern umschwenken und sich schon einmal auf die neue Situation einstellen. 

Auch die Worte American Dream und das vielzitierte Land der unbegrenzten Möglichkeiten werden wieder Erwähnung finden. Das Thema Mauer wird man bis dahin auch in Europa möglicherweise mit anderen Augen sehen. Selbst das inkarnierte Peter Prinzip aus Goslar, sollte es dann noch politisch aktiv sein, wird dann zu Pragmatismus aufrufen und sich bei der Audienz mit dem Präsidenten brav mit staatstragender Miene einreihen. Eine Mauer ist doch irgendwie auch nur ein Zaun, rostet nur nicht.

Ein Satz für die globale Medienlandschaft könnte vielleicht hängenbleiben: Let’s make Journalism great again. Good luck!

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