Ich sehe eine Platze blasen…

18. Januar 2014 | Kategorie: Gäste

von Andreas Hoose

Ja, Sie haben schon richtig gelesen, die Platze ist nämlich schon riesengroß und wird uns bald um die Ohren blasen. Oder so ähnlich…

Also, irgendwie weiß man doch gar nicht mehr, was man noch glauben soll. Die einen sind superoptimistisch und finden gerade den neuen Bullenmarkt, obwohl dieser schon seit ungefähr fünf Jahren durch die Börsensäle tobt.

Andere wiederum erwarten den völligen Zusammenbruch. Marc Faber ist so ein Schlawiner. Unverblümt spricht der Investmentaltmeister von immensen Risiken, die sich an den Finanzmärkten aufgetürmt hätten.

Nicht einmal der Aktie von Facebook kann der Schweizer noch etwas abgewinnen. Man hört ja, dass sich sogar die jungen Leute dort gar nicht mehr gerne blicken lassen, weil sie permanent ihren Eltern über den Weg laufen. Zu dumm, aber auch…

Bei der Société Générale findet sich ein nettes Foto, das die allgemeine Konfusion sehr hübsch auf den Punkt bringt: Bulle und Bär sitzen im Gebirge und blicken im schönsten Januar-Schneetreiben gemeinsam ziemlich belämmert in die Kamera. So nämlich:

Dass die Menschen überhaupt nicht mehr wissen, wem sie noch glauben sollen, das macht sich allmählich auch in der Börsenpraxis bemerkbar. Ein Bekannter berichtete in dieser Woche ziemlich zerknirscht, seine Gold-Puts hätten sich nun beinahe in Luft aufgelöst.

Seit ungefähr einem halben Jahr wartet der arme Tropf auf die „wasserfallähnlichen Verluste“, die nach der Talfahrt vom Sommer 2013 von ganz vielen Experten angekündigt worden waren. 1.000 US-Dollar je Unze schienen diesen Fachleuten vor einigen Monaten noch völlig sicher. Sogar 800 und 500 US-Dollar wurden ernsthaft in Erwägung gezogen. Jetzt rudern einige zurück und erklären das Gold nur noch zum Seitwärtsmarkt, der über viele Jahre (kein Scherz!) andauern werde.

Au weia. Wohl dem, der sich da von Produkten ferngehalten hat, deren Wert im Zeitablauf langsam aber unerbittlich gegen Null tendiert – wenn sich sonst schon nichts tut. Für meinen Bekannten kommt diese Erkenntnis leider etwas spät. Aber das macht ja nichts. Lehrgeld ist an der Börse sowieso viel wertvoller als alles andere…

Wenn der Crash beim Gold schon nicht kommt, vielleicht sollte mein Bekannter dann doch lieber Aktien kaufen. Schön gehebelt und mit weit aus dem Geld liegenden Call-Optionsscheinen. Er könnte die Verluste damit womöglich sehr hurtig wieder reinholen.

Ich werde ihm diesen Rat natürlich nicht geben, aber wie ich ihn kenne, wird er von ganz alleine auf diese glorreiche Idee kommen. Man kann schließlich nie genug haben von diesem Lehrgeld…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

 

5 Kommentare auf "Ich sehe eine Platze blasen…"

  1. bluestar sagt:

    „Dass die Menschen überhaupt nicht mehr wissen, wem sie noch glauben sollen, das macht sich allmählich auch in der Börsenpraxis bemerkbar.“
    Am besten immer den selbsternannten Experten in Wirtschaft oder Politik vertrauen, die die angenehmsten Versprechungen machen. Das hat immer funktioniert und wird auch weiterhin so sein. Bloß nicht selber denken lernen und dem eigenen Verstand trauen !!! Genau solche Idioten braucht das Land und die Globalisierung.

  2. FDominicus sagt:

    „Dass die Menschen überhaupt nicht mehr wissen, wem sie noch glauben sollen, das macht sich allmählich auch in der Börsenpraxis bemerkbar.“

    Wieso muß man jemandem glauben?

  3. Michael sagt:

    Wenn man nicht weiß, wem man glauben schenken soll, liegt es am Glauben und nicht am Schenken. Glauben und klauben hängen zusammen. Ihr Freund sollte beruhigt in gehebeltes Papier investieren, liegt er schon am Boden lassen sich die künftigen Verluste viel leichter einsammeln. Am Ende verbrennt alles Papier im Höllenschlund der sich just in dem Moment auftut zu dem die Wahrheit ans Tageslicht tritt, an dem Punkt an dem Wert und Papier ihr wahres Gesicht zeigen und der Aufprall eines Staubkorns Metal auf der Waage der Gerechtigkeit und sich Tonnen von Papiergeld vom Dach der Wall Street über die Boulevards der zerbrochen Träume verteilt. Broker und Spekulanten werden wieder versuchen mit Greenbacks auf ihre tiefen offenen Wunden zu drücken in der Hoffnung, dass der Rettungshubschrauber just sie rausfliegt.

    Derweil am Hudson River…. sagt die die Mutter vom Hässlichen Entlein, ‚Was hast denn jetzt wieder angestellt Blacky, wasch dir die schwarze Farbe runter, wie du ausschaust. Verschreckst uns noch die Leut …‘.

  4. samy sagt:

    “ … Also, irgendwie weiß man doch gar nicht mehr, was man noch glauben soll…“

    Hoose stellt da schon eine Kardinalfrage.

    Wirtschaften ist gelebtes Glauben.

    Kein Glaube – kein Kredit.

    Aus der Wiki zum Thema Kredit:
    „Ein Kredit (abgeleitet vom lateinischen credere „glauben“ und creditum „das auf Treu und Glauben Anvertraute“) ist die Gebrauchsüberlassung von Geld (Banknoten, Münzen, Giralgeld) oder vertretbaren Sachen (Warenkredit) auf Zeit …“

    Keine Gläubiger (Kreditoren), keine Schuldner (Debitoren), keine Märkte.

    Keine Kapitalmärkte-kein Leben, jedenfalls nicht wie bisher.

    Die Wiki über „Kapital“:
    „…Etymologisch leitet sich das Wort von lat. „capitalis“ („den Kopf“ oder „das Leben betreffend“) ab, … “

    Und ist die rotierende Heidelberger Druckmaschine selbst erst einmal Grund des Unglaubens – dann ist zuviel falscher Glauben in der Welt, also zuviele faule Kredite. Dann ist es passiert, eben weil sie sich dann noch schneller drehen wird… den auf dem Weg zum Unglauben, steigt der Zins und sinkt das Zahlungsziel.

    Aber das dauert noch … glaube ich jedenfalls 😉

  5. Lickneeson sagt:

    Schönes Bild. Fehlt nur noch Frau Yellen als Jesuskind, bisschen Stroh im Kopf und drumherum, ein paar Gewürze, Onkel Toms Hütte und fertig ist das Weihnachtsszenario.

    Glauben? Nee,den Markt betrachten und dann das Gegenteil von dem tun, was einem einfällt.

    C.M.B. 2014

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