Hurra, wir machen noch mehr Schulden!

18. Oktober 2013 | Kategorie: Gäste

von Claus Vogt

Wer die Berichterstattung über das Polittheater um den US-Staatshaushalt verfolgt hat, muss den Eindruck gewonnen haben, das Wohl der Welt hänge davon ab, dass die US-Regierung den gewaltigen US-Staatsschuldenberg auch weiterhin erhöhen darf…

Dabei zeichnet die Finanzgeschichte ein ganz anderes Bild. Sie zeigt, dass alle großen Inflationen sowie der Niedergang ganzer Nationen mit einer ausufernden Staatsverschuldung Hand in Hand gingen.

Historische Lektionen werden ignoriert

Diese historischen Lektionen halten die zeitgenössischen Börsianer aber nicht davon ab, den S&P 500 Index und den DAX auf neue Allzeithochs zu treiben. Was soll’s, werden diese sich wohl sagen, solange alle fest daran glauben, dass etwas gut ist, dann muss es auch gut sein, oder? In unserer schönen neuen Welt entsteht Wohlstand eben durch Konsum auf Pump und durch den hemmungslosen Einsatz der Gelddruckmaschine. Und warum nicht? Einmal muss immer das erste Mal sein. Und das ist eben hier und heute.

Mir fällt es nach wie vor sehr schwer, zu dieser neuen makroökonomischen Glaubensrichtung zu konvertieren. Denn das angeblich Neue an ihr ist ja uralt. Bernanke, Draghi und Co. sind ja wahrlich nicht die Ersten, die Staatsfinanzierung mit der Notenpresse berteiben. Auf diese „geniale“ Idee kamen schon ganz andere, sogar die ansonsten wenig gewitzten Nationalsozialisten. Die Bernankes dieser Welt sind auch nicht die Ersten, bei denen diese Vorgehensweise zunächst erfolgreich zu verlaufen schien. Aber sie wären die Ersten, bei denen dieser Weg nicht ins Verderben führt.

Wirtschaftswachstum halbiert – Börsianer jubeln

Aber vielleicht galt der Jubel deutscher Börsianer ja gar nicht der frohen Staatsschuldenbotschaft aus Amerika, sondern Neuigkeiten aus der Heimat. Hier sahen sich die „führenden Forschungsinstitute“ anlässlich der Erstellung ihres von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen und wohl auch bezahlten Herbstgutachtens dazu gezwungen, ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr auf 0,4% zu halbieren.

Im Großen und Ganzen bleiben die Ökonomen aber – wie immer – optimistisch. Für das kommende Jahr reduzieren sie ihre Wachstumsprognose nur marginal, von 1,9% auf 1,8%. Aber ein Jahr ist bekanntlich lang und Revisionen gang und gäbe. Im Moment glauben sie jedenfalls – oder schreiben es zumindest -, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2013 vor dem Beginn eines Aufschwungs stehe.

Nach dem Aufschwung ist natürlich immer auch vor dem Aufschwung. Und Bundesregierungen schätzen es nicht, wenn fast leere Gläser als fast leer bezeichnet werden. Warum also nicht von demnächst schon wieder randvollen Gläsern schreiben? Wer zahlt bestimmt. Und wer weiß, wie meine Analysen ausfallen würden, wenn ich sie einer Regierung in Rechnung stellen dürfte? Und Gold?… (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.