Hundstage: Sommerlethargie an der geopolitischen Front?

6. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Scheinbar ruhig ist es derzeit an den diversen geopolitischen Fronten. Die heimische Presse kennt – neben Sport und der Nachbereitung von TV-Sendungen des Vorabends für das lesekundige Publikum – nur noch ein Thema, die unkontrollierte Masseneinwanderung nach Europa und insbesondere nach Deutschland…

Dabei ist auch dieses Phänomen aus Sicht „des Westens“ im Wesentlichen hausgemacht: Zum einen sind da jene Wanderungsbewegungen die direkte Folge der Konflikte in Syrien, Libyen, etc. Der Westen behauptete zwar, den Menschen dort Demokratie und Menschenrechte bringen zu wollen, tatsächlich bewirkten seine direkten und indirekten Interventionen jedoch vor allem Gewalt, Chaos und Not.

Zum anderen sind da jene Wanderungsbewegungen, für die die Politik mit einer Ideologie der offenen Grenzen und einem aus Empfängersicht einmalig attraktiven Wohlfahrtsstaat direkt den Anreiz geschaffen hat. Wer absurde Regeln erschafft, darf sich nicht wundern, falls diese auch genutzt werden. Den Menschen, die auf diese Anreize reagieren, kann man das nicht ernsthaft vorwerfen. Neben der Fokussierung auf die Inlandsprobleme schafft es allenfalls die griechische Schuldenkrise hin und wieder auf die Titelseite. Wobei auch dieses Thema im Weltmaßstab eher vernachlässigbar ist.

Iran & Co.

Auffallend ruhig ist es dagegen um die bedrohlichen Konfliktherde geworden, etwa das Thema Ukraine/Russland. Abgesehen von regelmäßigen Tiraden gegen den russischen Präsidenten scheint dieser Konflikt in der Sommerpause auf Sparflamme gehalten zu werden. Gelöst ist er damit jedoch keineswegs und dürfte daher schon bald wieder eskaliert werden.

Eine Lösung scheint dagegen mit dem Iran in der Atomfrage gefunden worden zu sein. Wir müssen hier deshalb so vorsichtig formulieren, weil der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nicht sonderlich glücklich über den gefundenen Kompromiss ist – diplomatisch ausgedrückt. Er sieht sein Land weiter bedroht und aktiviert insbesondere in den USA den Widerstand gegen den Atom-Deal.

Ebenfalls auf Sparflamme kocht derzeit der perspektivisch wahrscheinlich bedeutendste Konflikt zwischen den USA/Japan und China. Ein weiterer Aufstieg und insbesondere eine weitere Emanzipation der BRIC-Staaten untergräbt das US-Geschäftsmodell der Dollar-Hegemonie. Ausführlich beschäftigen wir uns mit diesen Fragen im aktuellen Smart Investor 8/2015 ab S.26. Dort steht uns der bekannten Politik- und Wirtschaftswissenschaftler F. William Engdahl Rede und Antwort – und der nimmt bekanntlich kein Blatt vor den Mund.

Cash = Anti-Value

Das Streben nach perfektem Timing ist so alt wie die Börse selbst, von Erfolg geprägt ist es dagegen häufig nicht. Doch statt sich diesbezüglich auf die Suche nach dem Stein des Weisen zu begeben, versuchen Value-Anleger dieses Kunststück häufig gar nicht erst. Legendär ist und bleibt das Zitat des Altmeisters Warren Buffett, der seine favorisierte Haltedauer einer Aktie stets mit „für immer“ angab. Mit Sicherheit ein relativ extremer Ansatz, die Zeitlosigkeit ihrer Investment-Entscheidungen ist vielen Value-Fans jedoch gemein.

Dass wir neben unserem makroökonomischen „Großen Bild“ auch Kriterien dieser Denkschule berücksichtigen, können Sie unter anderem im aktuellen Heft (Ausgabe 8/2015) nachlesen, in dem wir den Value-Investments als Titelgeschichte einiges an Platz einräumen. Denn gerade in Zeiten der „monetären Beliebigkeit“ ist der Reiz des Value-Investierens offensichtlich.

Weltweit zeigen Notenbanken und Politik gerade auf, was man ganz bestimmt nicht als Value verstehen kann: Bargeld und dessen Wertaufbewahrungsfunktion. Um es als Analogie zu einem börsennotierten Unternehmen auszudrücken: In den großen Währungen der Welt (derzeit insbesondere im EUR und JPY) findet zurzeit eine kontinuierliche Verwässerung des inneren Wertes statt – insofern es diesen jemals gegeben hat! Perfekte Zeiten also für Buffett-Jünger?

Leider nein, denn die Liquiditätsschwemme hat die Märkte weltweit teuer gemacht. Mehrere von Value-Anlegern gerne benutzte Indikatoren (Schiller KGV, Buffett-Indikator) zeigen zuletzt eine relative Überbewertung der Börsen an, in solchen Märkten Schnäppchen zu finden ist daher alles andere als einfach. Im aktuellen Smart Investor lesen Sie unter anderem ein Interview mit dem Investor John Mihaljevic über seine grundsätzliche Value-Philosophie, daneben ein Gespräch mit Lauren Templeton, der Großnichte des legendären Fonds-Managers Sir John Templeton, über Märkte, an denen derzeit statt Optimismus maximaler Pessimismus herrscht.

Mit dem Fondsberater Frank Lübberstedt sprechen wir über seinen Investment-Ansatz und interessante deutsche Einzeltitel. Daneben berichten wir von zwei der bedeutendsten Value-Konferenzen in Deutschland und besprechen die Investment-Ideen einiger der Redner auf der Münchener Value Intelligence Advisors-Konferenz. Statt auf kurzfristige Gewinne, schielen Anleger damit eher auf überlegene Geschäftsmodelle, die sich auch in (möglichen) Krisenszenarien als resistent erweisen dürften. Doch auch wenn es nicht gleich „für immer“ sein muss – Geduld sollten Anleger für diese Investments auf jeden Fall mitbringen.



Zu den Märkten

Seit dem erfolgreichen Test der 200-Tage-Linie (vgl. Abb., grüne Markierung) entwickelt sich der DAX per Saldo wie erwartet – nämlich aufwärts. Allerdings zeigt die Abbildung auch, dass Interaktionen des Kurses mit der 200-Tage-Linie erstens gar nicht so selten sind und es zweitens in der Folge nicht immer lehrbuchmäßig – nach dem Abprallen Trendumkehr, nach dem Durchschneiden Trendfortsetzung – weiter gehen (vgl. Abb., gelbe Markierungen).

2015-08-05_DAX

Das letzte Abprallen an diesem weithin beachteten Trendindikator ist dennoch eine willkommene Argumentationshilfe für weiter steigende Kurse und wirkt damit wiederum auf das Verhalten der Marktteilnehmer zurück. Eher untypisch und daher positiv zu bewerten ist auch die saisonale Stärke des DAX.

Der Börsenmonat August wird ansonsten nicht gerade mit großen Aktienhaussen in Verbindung gebracht. So gesehen haben wir es im Moment also mit einem optimistischen Grundton am deutschen Aktienmarkt zu tun. Von diesem sollte man sich allerdings auch nicht einlullen lassen. Die großen Richtungsentscheidungen stehen uns nämlich erst noch bevor und da sehen wir im Hinblick auf den Herbst erhebliches Gefahrenpotenzial. Im aktuellen Smart Investor 8/2015 nennen wir die wesentlichen Argumente und in der kommenden Ausgabe 9/2015 (erscheint am letzten August-Wochenende.) gehen wir dann richtig „ans Eingemachte“.

Fazit

Ruhe kommt meist vor dem Sturm – auch an der Börse! Vom aktuellen ruhigen Umfeld an den Märkten sollten sich Anleger daher keinesfalls blenden lassen. Noch rechtzeitig vor möglichen Herbststürmen werden wir uns im nächsten Smart Investor intensiv mit den bestehenden Gefahren beschäftigen.

 

Ein Kommentar auf "Hundstage: Sommerlethargie an der geopolitischen Front?"

  1. bluestar sagt:

    Bringen die Massenflüchtlinge nicht die dringend benötigten qualifizierten Arbeitsplätze für die Industrie ? Nur so kann der Exportweltmeister siegen.
    Wir sollten den USA dankbar sein, schließlich haben deren militärische Demokratieexporte
    endlich die größte Völkerwanderung der Neuzeit ausgelöst.
    Also ich bin mal gespannt, was aus den ganzen Zeltlagern im Herbst wird.
    Sollte es zu Zwangszuweisungen in Wohnungen von Deutschen mit zu viel privat genutztem Wohnraum geben, werde die Umfragewerte für die GROKO weiter steigen…

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