Hühnerdreck statt Staatsanleihen. Warum eigentlich nicht?

15. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Claus Vogt 

Wenn man der großen Mehrheit der Analysten und Ökonomen Glauben schenkt, dann sind die Preismanipulationen der Zentralbankbürokraten und die Unsummen neu gedruckten Geldes, mit denen sie Staatsanleihen kaufen, also Staatsfinanzierung betreiben, der Weisheit letzter Schluss…

Nach dieser Denkart sind Preise, die aufgrund marktwirtschaftlicher Prinzipien zustande kommen, schlecht für Wirtschaft und Gesellschaft. Aber Preise, die von einem kleinen Zirkel elitärer Bürokraten festgesetzt werden, sollen genau das sein, was wir jetzt brauchen.

Bilanzsumme der US-Zentralbank in Mrd. $, 1984 bis 2013

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Das größte geldpolitische Experiment nimmt unbeirrt seinen in die Katastrophe führenden Lauf. Quelle: St. Louis Fed

Wenn Zentralbankbürokraten gottgleich wären oder wenigstens allwissend, dann könnte ich dieser Argumentation problemlos folgen. Nun sind sie beides aber nicht, sondern meist nur dröge Ökonomie-Professoren und als solche natürlich fehlbar und mit ähnlich großen Wissenslücken ausgestattet wie ich und andere ehemalige Studenten.

Wie um alles in der Welt kann unter diesen Umständen irgendjemand auch nur auf die Idee kommen, diese Leute wüssten, wie hoch der Preis von Geld und Kapital, der Zins, sein sollte, welcher Finanzdienstleiter Pleite gehen soll oder welche Geldmenge eine Volkswirtschaft benötigt?

Eigentlich bin ich der Meinung, dass nur strohdumme Menschen auf diese offensichtlich absurde Idee kommen können. Da sich unter den Verfechtern dieser Gedanken aber sogar Nobelpreisträger befinden, kann meine Schlussfolgerung wohl nicht ganz stimmen. Oder können Menschen gleichzeitig genial und strohdumm sein?

Quantitative Easing: Hühnerdreck statt Staatsanleihen

Der neuste Schrei unter Zentralbankbürokraten heißt Quantitative Easing. Mit diesem Wortungetüm verschleiern die Bürokraten einen sehr einfachen Vorgang: Sie kaufen Wertpapiere – zumeist Staatsanleihen – und bezahlen diese Käufe mit Geld, das sie extra für diesen Zweck neu erschaffen, gewissermaßen aus dem Nichts.Stellen Sie sich vor, die Zentralbankbürokraten würden mit dem von ihnen neu gedruckten Geld nicht etwa Staatsanleihen kaufen, sondern Hühnerdreck. Für die gegenwärtigen Besitzer von Hühnerdreck wäre das natürlich ein gewaltiger Glücksfall, eine echte Bonanza. Was würde passieren?

Die Hühnerdreck-Besitzer würden plötzlich reich werden – obwohl sie keinen produktiven volkswirtschaftlichen Beitrag geleistet und somit auch keinen Wohlstand geschaffen haben. Vermutlich würden diese Neureichen jetzt sehr viel mehr Geld ausgeben als zuvor. Auf diese Weise würden sie auf Ressourcen zugreifen und deren Preise in die Höhe treiben, die andernfalls natürlich anderen Verwendungen zugeführt worden wären. Die nicht sichtbaren Verlierer dieses Prozesses sind diejenigen, die jetzt keinen Zugriff mehr auf diese Ressourcen haben.

Rund um die nun reich gewordene Hühnerdreck-Industrie würde sich ein Wirtschaftsboom entwickeln. Es würde also eine Wirtschaftsstruktur entstehen, die nur so lange funktionieren kann, wie Zentralbankbürokraten Hühnerdreck kaufen. In dem Moment, in dem sie ihre Käufe einstellen würden, käme es zu einem schlagartigen Ende dieses Booms, die Blase würde platzen.
Warum die Zentralbanker keinen Hühnerdreck kaufen, sondern Staatsanleihen? Vielleicht, weil es mehr Staatsanleihen gibt als Hühnerdreck. Oder weil die Hühnerdreck-Lobby einfach zu schwach ist, um diese aus ihrer Sicht geradezu geniale Idee politisch durchzusetzen… (Seite 2)

 

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