House of (S)Pain

7. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Die mediterrane Lebensart hat es so manchem angetan. Alles ein bisschen entspannter, besseres Wetter und überhaupt. Ganz relaxed geht man daher auch mit den Lasten um, die die vergleichsweise dürren Beine der iberischen Ökonomie durch die Gegend schleppen müssen.

Nach Irland, Griechenland und Portugal heißt es nun – auch aus vielen Finanzinstituten – Spanien werde es schon schaffen. Die Begründung ist leider häufig eine gestammelte Mischung aus irgendwie wird es schon gehen, billiges Geld oder, ganz schlimm, der scheinbar nicht auszurottende Gedanke an ein Schnäppchen. Beim Anblick des Vergleiches mit der Wirtschaftskrise in den 90ern sollte dem ein oder anderen Sparfuchs der Begriff Vorsicht in den Sinn kommen. Wie heißt es so schön: Schnipp, schnapp, Finger ab!

Eines wird bei Immobilieninvestments gern verdrängt: Sie sind und bleiben extrem zinssensitiv, deutlich steigende Zinsen sind Gift für diesen Markt. Allein auf die letzten Dekaden, und damit auf den Zeitraum eines sehr ausdauernden Bullenmarktes der Anleihen und somit sinkender Renditen zu schauen, führt in die Irre. Die Sondersituation des Eurobeitritts verschaffte zudem Spanien wie jedem anderen Beitrittsland ein blaues Eurokäppchen mit güldenen Sternchen drauf. Mit dem Mützchen ging der Ritterschlag einher, mit dem auch in der Historie bekannte Serienpleitiers am billigen Zinstopf Honig saugen durften. Vielen Dank dafür auch auf diesem Wege noch einmal an die vollkommen ahnungs- oder skrupellosen Konstrukteure dieses Unfugs.

Mit billigen Krediten ist gut bauen, und so baute man auf Teufel komm raus. Rein kommen wollte nun offenbar nicht einmal letzterer, so dass schlussendlich niemand mehr da war, der sich für die Wohnungen, Häuser oder Hotels interessierte. Das ist – abgesehen von einigen fleißigen Schnäppchenjägern – immer noch der Fall.

Der gesamte Komplex des Immobiliensektors, von den Baufirmen, Investoren, Kreditgebern bis hin zu den Besitzern unverkäuflicher „Sachwerte“ liegt danieder. Angesichts der gern geäußerten Kritik an Edelmetallen, die ja in der Tat keine Zinsen zahlen, fragen wir uns immer wieder, wie denn ein Haus einzuschätzen ist, dass unvermietet ist, Instandhaltungskosten verschlingt und zu allem Übel auch noch zum Großteil einer Bank gehört, die als Sahnehäubchen dann noch Zinsen einfordert. Nach einem sonderlich schlauen Trade hört sich diese Konstellation für uns nicht an.

Der oben grafisch dargestellte Vergleich der Banco de Espana ist mit dem Begriff „Vergleich“ gut bedient. Die beiden Kurven der Immobilienpreisverläufe sprechen für sich – wir haben es mit einer gänzlich anderen Situation als in der Zeit der auch nicht lustigen Krise in den 90ern zu tun. Die Nachfrage nach Neubauten ist der Marktlogik folgend gefallen wie ein Stein. Im Hinblick auf die aufgetürmten Vorräte der Jahre 1998 bis 2007 fällt es schwer, bereits an ein Ende des zugegebenermaßen beeindruckenden Einbruchs zu glauben. Allein mit der Inlandsnachfrage wird es schwer, diese Leerstände auf sinnvolle Weise loszuschlagen. Bei der aktuellen Situation geht der Trend sicher nicht zum Zweithaus. So steigen trotz dramatisch zurückgefahrener Bautätigkeit die Bestände unverkaufter Häuser starrköpfig weiter an und liegen – so die Schätzungen der Zentralbank – mittlerweile im Bereich von einer Million Einheiten.

Das Problem ist klar, für jedes zum Verkauf stehende braucht vereinfacht gesagt keines gebaut werden. Nimmt man die Spitzenzeiten des Booms einmal zur Seite und schaut sich das langjährige Mittel fertiggestellter Behausungen an, so beläuft sich der Vorrat auf satte fünf gesamte Jahresproduktionen des Bausektors. Da natürlich der Bau seine Arbeit nicht völlig einstellt ist mit einer wesentlich längerfristigen Beeinträchtigung dieses Teils der Volkswirtschaft zu rechnen. Das wird ein richtig zäher Prozess, der zu allem Ungemach auch fast jegliche Preismacht aus den Händen der Unternehmen raubt…

 

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5 Kommentare auf "House of (S)Pain"

  1. e-t sagt:

    Wenn man ein Annuitätendarlehen mit ausreichender Zinsbindung für den Hauskauf/-bau gewählt hat, sollte man gegen steigende Kosten gefeit sein – oder?
    Zumindest ist in D das Annuitätendarlehen weiter verbreitet als Darlehen mit variablen Zinssatz – ist in Spanien anders?

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo zusammen,

      @e-t

      Ja, in Spanien ist das ganz anders, hier ist der weitaus größte Teil der Immobilienkredite variabel verzinst. Bei einigen Instituten liegt dieser Anteil bei deutlich über 90%.

      Ansonsten ist der Schuldner über eine feste Zinsbindung abgesichert, allerdings werden neue, per Kredit finanzierte Käufe im Sinne einer Investition, uninteressanter, was Druck auf die Preise ausübt.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  2. wolfswurt sagt:

    Ein schönes Erlebnis mit einer Immobilie die von einer Bank angeboten wurde auf der Insel Usedom: die ortsansäßige Bank bot eine Ferienimmobilie mit 5 WE an und entsendete einen hauseigenen Berater zur Besichtigung vor Ort. Nachdem wir unser Interesse bekundeten, der Preis war äußerst attraktiv, stellte ich dem Herrn von der Bank die Frage ob sein Haus ein Interesse an der weiteren Finanzierung hätte bei Einbringung eines Eigenkapitals von 40%. Die Antwort war: Leider nein, denn eine Immobilie die wir einmal in unserem Bestand hatten finanzieren wir nicht noch einmal.

    Wir ließen natürlich ab von unsere Absicht dieses Objekt erwerben zu wollen.

    Wenn Immobilien eine renditeträchtige Anlage wären wie von den Banken selbst stündlich verkündet, stellt sich doch die Frage weshalb die Banken diese „attraktiven“ Immobilien in ihrem Bestand nicht selbst melken?

    Auf dem Land plegt man in solchen Situationen zu sagen: Ich kauf doch keinen Trecker von einem der mit dem Pferd pflügt!

  3. Gerd Vogelsang sagt:

    Liebe potentielle Darlehensnehmer,

    egal ob Annuität, feste- oder nichtfeste Zinsen, es bleibt doch immer KREDIT. Dieser muß getilgt werden.
    Angenommen,–nur für Spass–, die Weltkreditblase platzt,– was natütlich nie nicht passieren wird–, wäre es dann nicht sinnvoll gewesen mal die AGBs zu lesen und zu begreifen?
    Dann verehrte Kreditnehmergemeinde werden die Kreditgeber ( auch Banken genannt ) die Zinsen steigen lassen. Frage: wie hoch? Antwort: wie hoch steigt ein Ballon?
    Informationen bitte an der Kasse. Diese war schon zB in Schweden, Argentinien uvm. Wenn dann diese Kasse in ‚Deutsche Land‘ steht, wird viel Wehgeschrei im Volke sein.
    Also werte Deutsche, Volksgenossen und Bürger, — jetzt nicht mal mit der Fingerspitze nach Kredit greifen! Außer, man möchte seine Finger verlieren, bis zur Schulter………………

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