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16. Oktober 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Das Thema von größtem Interesse bei der Investment Conference in London letzte Woche waren Kryptowährungen. Wenn einzelne Investoren – auch unsere eigenen geschätzten Leser – an hochriskanten Spekulationen interessiert sind, ist es in der Regel Zeit abzuhauen…

Investoren scheinen großes Vertrauen in eine rosige Zukunft der Kryptowährungen und anderer fortschrittlicher Technologien zu haben. Sie erwarten zukünftige Durchbrüche. Und sie sind bereit, heute dafür zu zahlen…

Licht am Ende des Tunnels

Tesla, Snap, Uber – zusammen mit Dutzenden mehr – verlieren Jahr für Jahr Milliarden von Dollar. Aber Investoren sehen Licht am Ende des Tunnels… und sie sind sicher, dass die Technikfreaks es erreichen werden.Netflix etwa hat im April angekündigt, dass es hofft, in diesem Jahr „nur“ etwa 2 Milliarden Dollar zu verlieren.

Die Investoren zeigten sich zufrieden. Sie kauften das ganze Jahr über – das Unternehmen ist nun bis zu 80 Milliarden Dollar wert, doppelt so viel wie im Jahr zuvor.

Einige dieser „neuen“ Technologieunternehmen sind langsam in die Jahre gekommen. Amazon.com zum Beispiel gibt es schon seit mehr als 20 Jahren. Endlich verdient man Geld. Aber die Investoren von Amazon zahlen das 251-Fache des Gewinns für die Aktien des Unternehmens. Das normale Preis-Gewinn-Verhältnis für einen Einzelhändler liegt bei 12. Die Investoren müssen sonst was erwarten. Vielleicht einen Akt Gottes, der die Aktien so sehr im Wert steigert.

Tech-Flop

Unser Sohn Henry – der jetzt einen Newsletter für unsere französischen Leser schreibt – berichtet, dass die Tech-Investoren in Frankreich auch verrückt geworden zu sein scheinen: Die französischen Start-ups Criteo (Online-Werbung), SQL (Mitfahrgelegenheiten-App) und Vente-privee.com (Online-Verkauf) sind mehr als 1,2 Milliarden Dollar wert. Wenn die Technik die Dinge immer besser macht, wieso scheint dann alles schlimmer zu werden?

Aber diese Mode könnte nun zu einem Ende kommen. Kein Nachruf ist abschließender, kein Totenschein finaler… und kein Investitionstrend sicherer an seinem Ende, als wenn die Regierung einsteigen will. Henry: Der französischer Präsident Emmanuel Macron kündigte ein 10 Milliarden Euro-Programm für „Les Start-ups“ an.

Ja, die Franzosen wollen Steuergelder in politisch korrekte Start-ups investieren, die bestehende Arbeitsplätze oder Unternehmen nicht bedrohen werden. Wir hören die Geld-Götter kichern und die Glocken läuten.

Kein Ausweg aus diesem Schwarzen Loch der Schulden

von Bill Bonner

Warum kann der Kongress nicht einfach eine ernsthafte Steuerreform verabschieden? Weil die Regierung Geld braucht. Sie kann nur Geld von den Leuten bekommen, die es haben – die Reichen. Aber die Reichen kontrollieren die Regierung und ihre Steuer-Ausschüsse. Also steckt die Regierung fest. Und damit die gesamte Wirtschaft.

Wie das Ancien Régime in Frankreich, bevor man damit anfing, Köpfe abzuhacken, kann der „Deep State“ sich nicht selbst reformieren. Und der Mob muss weiterhin beschwichtigt werden… mit Renten, Pillen und Sozialhilfe – was Geld kostet.

Dieser Widerspruch kann nur mit Krediten in Einklang gebracht werden – vorübergehend.

Darum hat auch jede große Wirtschaft hohe Schulden… und darum gibt es auch ein Schwarzes Loch der Schulden, das alle wichtigen Volkswirtschaften der Erde in sich hinein saugt… immer näher und näher an eine Schulden-Katastrophe.

Zwei Wirtschaften

Es gibt eine Wirtschaft auf der “Main Street” und eine Finanz-Wirtschaft. Es gibt Verbraucherpreise und Kapital-Preise (Aktien, Anleihen, Immobilien, etc.). Die Verbraucherpreise sind aus zwei Gründen nicht angestiegen:

Haushalte hatten kein Geld zur Verfügung, das sie hätten ausgeben können; Einkommen sind nicht angestiegen. Wenn sie Geld ausgegeben haben, dann für Zeug aus China. Die US-Geldmenge wuchs, aber vieles davon ging ins Ausland, wo es einen Boom in Produktion, Infrastruktur und Immobilien auslöste.

Der Tsunami an Neukrediten löste auch einen Boom an der Wall Street aus – dem Home Office der Finanzwirtschaft – wo Börsenkurse seit 1980 22-fach anstiegen. Das ist ein Gewinn von 2.200 %. Ein Dollar Aktien von 1980 jetzt kostet 22 Dollar.

Wenn Immobilienpreise so angestiegen wären, würde ein durchschnittliches Haus in Amerika heute 1.320.000 Dollar kosten. Stattdessen sind es etwa 300.000 Dollar. Und wenn die Autopreise in Detroit ebenso wie die Wall Street-Aktien gestiegen wären, würden Sie über 120.000 Dollar für Ihren nächsten fahrbaren Untersatz zahlen. Aber ein neues Auto kostet heutzutage nur ca. 30.000 Dollar. Und ein Haus in Detroit bekommen Sie schon für 40.000 Dollar, das ist weniger als der bundesweite Durchschnitt von 1980.

Janet Yellens „Mysterium“

Die Präsidentin der US-Notenbank, Janet Yellen, ist verwirrt… Es ist ein „Mysterium“, sagt sie. Durch die Vollbeschäftigung in den USA… und den niedrigen Leitzins (noch unter dem Gefrierpunkt) sollten die Verbraucherpreise eigentlich ansteigen. Aber die jüngsten Verbraucherpreis-Inflationszahlen zeigen, dass die Preise mit einer jährlichen Rate von nur 1,5 % steigen… nicht mit den von Frau Yellen gewünschten 2 %.

Warum? Weil das System mit Fake-Money aufgebaut wurde… und nun davon abhängig ist. Die Kredite gehen an die Wall Street und nach China. Sie haben kaum Einfluss auf die Verbraucherpreise. Sie helfen nicht den Eigenheimbesitzern in Detroit oder den Stahlarbeitern von Donora. Also gibt es keine stärkere Inflation oder höhere Erträge. Die Notenbank korrigiert nie ihren Fehler, weil sie die Botschaft nie bekommt.

Zumindest… fürs Erste. Aber das soll sich im großen Stil ändern.

Die US-Notenbank hat versprochen, die Zinsen anzuheben. “Hartes Geld” sei nun an der Reihe. Ab diesem Monat, heißt es, werde man allmählich den Anleihe-Haufen reduzieren, der sich aufgebaut hat, seit Herr Greenspan 1987 begann, die Kapitalmärkte abzusichern… Und wenn neue Kredite knapp werden, und Investoren merken, dass die alten Zeiten vorbei sind… prallen Welten aufeinander.

Die Finanzwirtschaft wird direkt in die echte Wirtschaft der Main Street hineinrennen. Beide werden zerschlagen. Und dann wird die US-Notenbank die Botschaft verstehen… Und noch einmal… natürlich unangemessen reagieren. Fortsetzung folgt…

Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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