Hossiana! Der DAX steigt doch!

29. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Ach, ist das nicht herrlich? Der DAX steigt wieder. Er präsentiert sich in Top-Form, hieß es. Gold und Öl sind auch dabei. Die Märkte liegen auf der Lauer und halten Ausschau nach der Bazooka. Das ist so etwas wie eine Kampfwaffe, die feuert und dann großen Schaden anrichtet… das Richtige für die EZB…

…für die Märkte ist eine Bazooka der Quell der Sehnsucht. Selbst ein leises Knacken wird als Nesteln am Abzug dieser Waffe verstanden. Bazooka? Was ist das eigentlich?

Zuerst dachte ich an einen russischen Tanz, ein kirgisisches Suppengericht oder etwas anderweitig Interessantes. Wikipedia beschreibt das Ding als eine raketenangetriebene Panzerabwehrwaffe der US-amerikanischen Streitkräfte. Ach, daher weht der Wind! Mit Blick auf die US-Ratingagenturen hätte ich da von selbst darauf kommen können. Mit so etwas soll die EZB jetzt herum ballern? Nur zu! Wenn die Börse feiert, soll es doch allen recht sein. Ach, die meisten haben gar keine Aktien? (Chart: stooq.pl)

Um Aktien geht es ja auch gar nicht. Man hat immer den Eindruck, wenn es dem DAX gut geht, geht es dem Rest der Republik ebenso prächtig. Das Bazooka-Ding schießt zwar, doch eigentlich ist es aber ein großer Rüssel eines übergroßen Tornados, der alles in sich aufsaugt, besonders gerne schlechte Papiere. Wenn er dann weg ist, wobei er ewig bleiben wird, bleiben viele bunte Zettel liegen. Vorsicht! Frisch gedruckt!

Bazookas, so Wikipedia weiter, werden gegen gepanzerte Fahrzeuge und Bunker eingesetzt, erstmals 1942 im Zweiten Weltkrieg. Experten sprechen bei dieser Waffe von einem Gerät mit Hohlladung. Natürlich! Dass es eine hohle Angelegenheit ist, mit diesem Ding herum zu ballern, steht schon in den Zeitungen. Frau Merkel mag sie auch nicht. Von daher passt es schon. Hinter den Kulissen wird gekungelt. Es geht ja um Krieg. Die ganze Finanzwelt ist Krieg, ein Hütchenspiel um nicht vorhandene Wertgegenstände, wenn man von Anleihen redet. Und bald retten die Euroretter den Rettungsfonds? (Seite 2)


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20 Kommentare auf "Hossiana! Der DAX steigt doch!"

  1. FDominicus sagt:

    „Der DAX steigt doch!“
    So in etwa wie der Wahnsinn. Aber auch es gilt ja:
    http://www.rottmeyer.de/irrsinn-ist-vollig-normal/
    😉

  2. wolfswurt sagt:

    Papier läßt DAX steigen.
    Papier läßt Rohstoffe steigen.
    Papier läßt Hauspreise steigen.

    Oder anders ausgedrückt: Luft läßt den Ballon größer werden.

    Sagte eine Dame zur anderen: ….er erzählte mir von seinem Schloss und besaß aber nur ein Vorhängschloss an seiner Kellertür.

  3. gilga sagt:

    Aber ich dachte es wäre Rezession? Haben die Jungs vom SmartInvestor doch recht? Oder ist es nur der Irsinn wie der Gehrt in letzter Zeit so gern schreibt?

    Ich denke die ganze Sache ist ein PUT auf das EU-QE+QE3, die wohl ab Frühjahr 2012 alternativlos werden… wobei… dann hätten auch Öl, Kupfer, Gold und Silber stark zulegen müssen. Vielleicht jubelt man aber auch über die Idee einer Kerneurozone (Elite-Bonds und so), die de-fakto dem Stinkefinger von Dtl.+einiger weiterer gen Süden bedeutet? Plant und betreibt Merkel schon (seit langem) den alternativlosen Ausstieg Deutschlands aus dem Euro (die Franzosen+x sind Schuld, die wollen ja den Kern/Nord-Euro)? Genug Leute für die Posten bei der dann neu geschaffenen NordEuro-EZB (oder einfach „gepeggte“ Nationalwährungen) sind ja inzwischen aus der EZB raus und stehen dem Markt dann vielleicht auch zur Verfügung?!

    Fakt ist Italien+Spanien machen es nicht mehr lange bei den Zinsätzen… und Frankreich muss schauen das es im Moment das Kippens noch bei den „Guten“ steht. Es kann also nur noch einige Monate dauern… die klassischen Euro-Bonds wären jedenfalls inzwischen wohl auch ein Totgeburt, wenn man auf die Entwicklung der Papiere des ESFS schaut.

    Schaut man sich die Bonds und die nationalen Aktienindizes an dann geht der Markt eben genau in die Richtung Kern/Nordeuro (bzw. auch gepeggte Nationalwährungen). Geht’s in der Nord/Kernzone dann wirklich bergauf? Wer weiß… aber vielleicht weniger Bergab (weniger brennende Gebäude/weniger instabile politische/wirtschaftliche Verhältnisse/… als anderswo? Und wohin mit der Knete wenn nicht in Bonds (und bei manchen sicher auch nicht „Commodities“)?

  4. Avantgarde sagt:

    Dax steigt – und alles wird Gut….

    Tja – so ist es halt.
    Man wiederholt die Versuche mehrfach bekommt immer das gleiche Ergebnis – und erwartet „dieses Mal“ ein anderes Ergebnis 🙂

    Die ZBs von USA,GB und Japan kaufen im großen Stil Staatsanleihen.
    Und? Gibt es in diesen Ländern nun einen Wirtschaftsboom? Inflation oder gar Hyperinflation?
    Nada – nix.

    Klar muß eine Zentralbank handeln bevor der ganze Laden auseinander fliegt – ja was sollte sie auch sonst tun?

    Bazooka?
    Kurzfristig hätte die EZB sogar das Potential einer Kernwaffe.
    Nur ist „the day after“ dann nicht mehr so komisch.

  5. saxo sagt:

    Das Problem an der ganzen Sache sind m. E. aber nicht die Abschläge, sondern die Einschläge der Bazookas(Übrigens im WW II in Deutschland als „Panzerfaust“ bzw. „Ofenrohr“ entwickelt…).
    Es hat sich nämlich mittlerweile herausgestellt, daß „die Anderen“ auch über die Dinger verfügen. Nur, wie es aussieht, können die schneller nachladen… Daher kommen die Einschläge wahrscheinlich immer näher.
    Alte artilleristische Faustregel: 1. Schuß: Zu weit! 2. Schuß: Zu kurz! 3. Schuß: Volltreffer! Ich fürchte den 1. und 2. Schuß haben wir schon (üb)erlebt!

    Gruß aus Sachsen

    saxo(nian)

  6. freiheit50 sagt:

    Hallo an alle,

    die EZB wird die Bazooka einsetzen. Das ist der letzte Ausweg (auf Merkelianisch: alternativlos), um einen deflationären Totalzusammenbruch abzuwenden. Ja, und dann zitiere ich Beckenbauer:
    „Schau‘ ma mal, dann seh‘ ma schon“. Für die Finanzenwissenschaft und die Geschichtsschreiber wird es mit Sicherheit ein spannendes Experiment. Umd der Bürge(r) ist live dabei. Der Eintritt zum Schauspiel wird über das Finanzsystem bezahlt.

    MfG Christian

    • Frank Meyer sagt:

      Ich würde auch fast darauf eine Wette eingehen. Aber es kann dennoch schief gehen. Mal sehen, wie man das verkauft. Die EZB kann sagen, wir sind zuständig und wir kümmern uns nach eigenem Ermessen- so wie jetzt, bloß mehr und heftiger

      • gilga sagt:

        Das wird neben dem Zusammenbruch der Eurozone so wie sie heute existiert die einzige „Alternative“ bleiben. Und die Entscheidung in der Richtung fällt sicher in den nächsten paar Monaten (siehe Zinsen Italien+Spanien). Verkaufen wird man das wohl entweder damit das die Zinsen nicht haltbar sind, Europa bzw. die Eurozone aber alternativlos zusammen gehört oder über einen kleinen oder auch größeren deflationären Schock.

        Mal angenommen die Sache geht dann „gut“ und wir bekommen nur 5-10% Inflation. Wie lange bis das Sozialsystem (Harz4, Renten) in Dtl. für die dort „gestrandeten“ zum Problem wird? Wie lange bis dann bei den nächsten Wahlen ein Problem für die etablierten Parteien entsteht? Wie soll dass durch Lohnsteigerungen/Produktivität abgefangen werden bei der Alterspyramide? Das muss doch jemand sehen, der hier in Zukunft Politik machen will?

        Und da Dtl., China und ein paar andere den Rest auch weiterhin wirtschaftlich an die Wand drücken werden (ich sehe einfach die Investitionen die nötig wären in Südeuropa nicht). Wie lange bis in Griechenland, Spanien und evtl. einigen anderen Ländern die Menschen ihr Leben (das Notwendigste!) nicht mehr finanzieren können? Was dort dann losgeht möchte ich mir eigentlich nicht ausmalen. Und dann wird erst Recht keiner mehr in diese Länder investieren wollen und auch wir hier+China etc. kriegen Probleme, da keiner mehr unsere Produkte kaufen kann/will.

        Das wird für alle Beteiligten keine Lösung…

        Wo ist bei dieser Lösung für alle eine Perspektive?

        • saxo sagt:

          Nee, there´s no perspektive!
          There´s only the total break-down!
          Und ich fürchte, das wird mit 20 Jahren nicht erledigt sein! Wir werden wohl – so wir das überleben – runde 50 Jahre brauchen(oder zwei Generationen), bis wir uns von dem erholt haben, was da auf uns zukommt!

          Gruß

          saxo(nian)

  7. Dagobert sagt:

    …Bazooka – genau sowas kann eben auch passieren, wenn man von gewissen Dingen keine Ahnung hat…

    http://www.youtube.com/watch?v=hBssszRwwsE

    „Go ahead! – Print money – make my day“

    • Dagobert sagt:

      …apropos Ahnungen:
      Vor 20 Jahren habe als Rucksacktourist die Hyperinflation in Südamerika erlebt – das ist weissgott kein Kindergeburtstag auf nem Ponyhof! – „Bankenfeiertage“ in Argentinien – (Cruzeiro)-Millionär in Brasilien – (Intis)-Milliardär(!) in Bolivien nach dem Wechsel von USD 588…Totale Enteignung der breiten Masse! Genau das möchte ich nicht nochmal erleben – bin jetzt zu alt!

  8. Jochen sagt:

    Ich weiss gar nicht, warum Menschen noch in Buchläden strömen und Krimis kaufen. Mehr an Spannung geht doch eigentlich gar nicht.
    Die breite Masse nimmt es aber so gar nicht wahr, winkt ab und denkt,es geht schon irgendwie weiter.

  9. gilga sagt:

    OffTopic aber meiner Ansicht nach sehr sehenswert (Chris Martenson’s presentation at the Gold & Silver Meeting in Madrid): http://www.youtube.com/watch?v=8WBiTnBwSWc

    Und hier der ZeroHedge-Artikel dazu, falls man erstmal etwas lesen möchte (Chris Martenson Lecture On Why The Next 20 Years Will Be Marked By The Collapse Of The Exponential Function):
    http://www.zerohedge.com/news/chris-martenson-lecture-why-next-20-years-will-be-marked-collapse-exponential-function

    • Avantgarde sagt:

      Also ich will ja nicht meckern – aber die Überlegungen zur Exponentialfunktion hat Chris Martenson wohl von
      Prof Bartlett
      abgekupfert – ist freilich trotzdem richtig, daß in dieser Weise nicht weitergehen wird.

      „Article about Al Bartlett

      by Todd Neff, Daily Camera, January 25, 2005

      Albert Bartlett has given the same presentation 1,540 times.

      That’s the equivalent of once a day, every day, for more than four years. But the 81-year-old physics professor emeritus at the University of Colorado has spread things out a bit. He has been teaching his lesson on the power — and danger — of exponential growth since 1969.

      This week, he’s presenting „Arithmetic, Population and Energy: Sustainability 101“ four times — twice at CU in Boulder, once at CU-Denver, and, on Friday, at California State University, Fresno. He expects to present it between 30 and 40 times this year, mostly at CU-Boulder.

      He has been busier. In 1979, he gave the speech 132 times.

      „That was too much,“ Bartlett said last week from his Boulder home.

      In 1987, he gave it seven times in a single day, to high school students in Brush. At that pace, he could have knocked out all 1,540 in about seven months, including weekends. …“

      Hier die 8 Filmteile – wen es interessiert
      http://www.albartlett.org/presentations/arithmetic_population_energy_video1.html

      Und dann schließt sich natürlich sofort die Frage nach Olduvai an
      http://www.oilcrisis.com/duncan/olduvai.htm

      Aber ich will ja niemand beunruhigen…

      • gilga sagt:

        Vielen Dank für die Links… Al Bartlett kannte ich noch nicht. Wobei das Thema ja nun wirklich nicht neu ist.

        Am Bekanntesten in dieser Richtung ist wohl die Studie „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums

        Was mir an Martenson gefällt ist seine nicht komplett schwarzmalerische Art (insb. im Vergleich zu Olduvai). Ich denke es werden sich für die Menschheit zumindest auf absehbare Zeit immer Wege finden lassen sich anzupassen. Die Frage ist nur wie schmerzhaft dieser Prozess wird.

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