Hoppla, ein Risiko!

13. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Tumulte im Energiesektor halten weiter an. Die Ölpreiserholung verschafft einigen Unternehmen ein wenig Erleichterung, aber die Verluste kleiner und mittlerer Unternehmen sind gewaltig. Auch am Anleihemarkt hinterlässt eine Welle an Kreditausfällen erste Spuren…

Die schweren Verwerfungen im Sektor sorgen für arg wacklige Prognosen. Die folgende Grafik zeigt die Ausfallprognosen für den gesamten High Yield Markt. Wie üblich gibt es bei den prognostizierten Kreditausfällen ein optimistisches, ein pessimistisches und ein Basisszenario. In der Regel, man muss ja optimistisch bleiben, liegt das Basisszenario in der Nähe des optimistischen Ausblicks. Beachtlich in der abgebildeten Prognose von Wells Fargo ist aber die Abweichung des pessimistischen Szenarios.

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Viel Honig saugen lässt sich für Anleger aus diesem Bild nicht, gibt sie doch nur das normale Verhältnis von Chance und Risiko am Bondmarkt bei niedrigen Risikoprämien wieder. Man wandelt auf dünnem Eis und denkt, viel schlimmer als gut wird es schon nicht kommen.

Dummerweise ist das Potential am Anleihemarkt begrenzt, so dass der Aufbau eines Verlustpuffers nur möglich ist, wenn ein Investor auch zu günstigen Zeitpunkten bereits Positionen aufgebaut hat.

Sorgen bereiten in diesem Segment vor allem viele eher unbedarfte Anleger, die oft zwar schlau daher reden können, gleichzeitig aber denken, man könne High Yield Bonds mittels einiger statistischer Basismethoden über einen Kamm scheren. Man mag auch diesen Investoren viel Erfolg wünschen, es wird jedoch nichts bringen.

Erfahrung ist eben wertvoll und daher selten billig. Sollten Sie in solche Produkte investiert haben, fragen Sie Ihren Manager wie die einzelnen Kreditrisiken untersucht werden. Wer Ihnen erzählt man könne am High Yield Markt mit einer handvoll Kennzahlen die Spreu vom Weizen trennen ist in der Regel ein Scharlatan oder ein Dummkopf, eine Unterscheidung die für die Anleger finanziell keinen Unterschied macht und daher eher für juristisch Interessierte von Bedeutung sein sollte.

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Wie unterschiedlich die Risikowahrnehmungen verschiedener Investorengruppen sein können, zeigen der amerikanische und der europäische Anleihemarkt. Das war sehr deutlich bei den besseren Qualitäten (Investment Grade) zu sehen, wo sich bis vor kurzem recht merkwürdige Unterschiede der Risikoprämien bei USD- und EURO-Anleihen des gleichen Emittenten zeigten, inklusive der Kosten für die Währungsabsicherung wohlgemerkt. Für den High Yield Markt gilt dies ebenfalls.



Die unterschiedlichen Stufen der Risikogläubigkeit lassen sich nicht nur an den Risikoprämien ablesen. Vor allem die Mittelbewegungen, also die Zu- und Abflüsse in Fonds zeigen einen stärkeren Drang zu mehr Risiko bei Euroinvestoren. Da zwar Europäer viel im Dollarraum, US-Amerikaner aber kaum im Euroraum investieren, darf man eine Menge heimischen Bedarfs annehmen.

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Der Unterschied der Risikoprämien in den USA und Europa war inklusive der Kosten für die Währungsabsicherung zweifellos groß. Das ist nicht allen verborgen geblieben. Viele US-Firmen, die überhaupt keine Euros benötigten, weder Übernahmen planten oder einen Geschäftsbereich in Europa gründen wollten, nutzten diese Situation und verkauften munter Bonds an europäische Käufer.

Die vereinnahmten Euros aus dem Anleiheverkauf wurden dann fristenkongruent währungsgesichtert. Die meisten institutionellen europäischen Investoren haben solche Anleihen trotz der offensichtlich zu niedrigen Prämien gekauft. Die Neuemissionen gingen weg wie in den besten Zeiten. Als Ausrede musste mal wieder die ohnehin über jedes Maß strapazierte Diversifikation herhalten. „Diese Anleihe ist interessant, weil es von ihm bisher keine Europapiere gibt“ war ein Standardargument. Wer ehrlich ist, würde wohl eher zugeben, einfach jede Neuemission mitgemacht zu haben, wie einst die Kleinanleger.

Immerhin ist man mit solch schlichtem Verhalten auf dem besten Weg zur immer gern gesehenen sozialen Wärme gemeinsam erlittener Verluste. Und wenn man erst einmal wieder in der Mehrheit jammern kann, dann ist mit Sicherheit wieder jemand anderes schuld. Bei so viel debiler Regulierung, wie sie bereits jetzt herrscht, kann nach dem nächsten Problem eigentlich nur noch die Entmündigung des Anlegers folgen. Dann schon mal viel Vergnügen.



 

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2 Kommentare auf "Hoppla, ein Risiko!"

  1. Hamburger sagt:

    nur mal eine Warnung an alle, wie man mit Zertifikaten verar…t und abgezockt wird:
    hatte ein Endlos-Zertifikat auf Brent-Öl im Depot das vor kurzem seitens der Deutschen Bank einfach gekuendigt wurde, und das wo die Kurse gerade auf Tiefststand sind. Habe durch die willkuerliche Kuendigung nun 50% Verlust zu verschmerzen. Kann nur jedem raten sich nicht auf diesen Zertifikatemist einzulassen. siehe auch http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1206935-1-10/db3dna-endloszertifikat-gekuendigt

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