Hopp oder Top?

25. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

In einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät, werden die Alternativen immer extremer…

Für Freunde einer guten Polit-Show bieten die Amerikaner derzeit einiges auf, denn es geht mit großen Schritten auf den sogenannten Super Tuesday zu. Hopp oder Top für Trump, das ist die Frage. Der Höhepunkt des US-Vorwahlkampfes gilt traditionell als richtungsweisend, immerhin wird am 1.3. in zwölf Bundesstaaten gleichzeitig über die Kandidatenwahl abgestimmt.

Und noch immer reiben sich die Beobachter – vor allem in Europa – verwundert die Augen, denn Donald Trump steht kurz vor dem größten Triumph seiner noch jungen politischen Karriere. Mit einem Sieg im Glücksspielstaat Nevada im Rücken geht er gestärkt ins Rennen. Seine Konkurrenten Ted Cruz und Marco Rubio sind einmal mehr „Looser“, um im Duktus von Trump zu sprechen. Und vor seiner Verachtung für Verlierertypen hatte Trump bisher kaum einen Hehl gemacht.

Eine Signalwirkung hat Nevada vor allem auch deshalb, weil mit Jeb Bush ein prominenter Vertreter des republikanischen Partei-Establishments zum ersten Mal nicht mehr dabei war. Trumps bisheriger „Lieblings-Gegner“ hatte zuvor im Wahlkampf mehr als 130 Mio. USD ausgegeben – ohne über einstellige Prozentsätze hinaus zu kommen. Alleine in New Hampshire verbrannte Bush angeblich mehr als 44 Mio. USD, nur um von Trump, der lediglich 3 Mio. USD in die Hand nahm, vorgeführt zu werden. Doch nicht nur die ausgegebenen Summen sind interessant, sondern auch deren Herkunft.

Der Milliardär mit der schmalen Kasse

Während Donald Trump bis heute Spenden in Höhe von 27 Mio. USD einwerben konnte, hatte Jeb Bush zum Schluss rund 157 Mio. USD in seiner Wahlkampfkasse. Darunter 124 Mio. USD in sogenannten Super-Pacs, die primär durch Großspenden aus Industrie und Finanzwelt finanziert werden.

Trump dagegen kommt lediglich auf knapp 2 Mio. USD aus Super-Pacs. Ein Fakt, den Trump für sich zu nutzen weiß: Hier das große Geld der Lobbyisten, dort das schmale Budget eines „Winners“, der auch mit kleinen Summen große Erfolge feiern kann. Noch dazu, wo es sich zum größten Teil um sein eigenes Geld handelt – unbestechlicher geht es kaum.

Auch mit vielen Dollars lässt sich also offensichtlich die Stimmung in der Bevölkerung nicht mehr drehen, und die ist klar gegen einen Washingtoner Polit-Profi oder einen weiteren Spross der Polit-Dynastie der Bushs. Trump dagegen – so seltsam es klingt – ist auch als mehrfacher Multimilliardär nicht nur in seiner eigenen Wahrnehmung der Outsider. Er ist der Gegenentwurf zu seinen bis in den Scheitel politisch korrekten Konkurrenten.

Noch einmal spannend dürfte es daher werden, wenn Trump tatsächlich zum Kandidaten ausgerufen wird. Denn dann erscheint ein unabhängiger Kandidat mit dem Namen Bloomberg mehr als realistisch. Insbesondere dann, wenn bei den Demokraten mit Bernie Sanders ebenfalls ein Mann außerhalb des Establishments das Rennen macht. Hierzulande dürfte interessant werden, wenn Trump tatsächlich zum 45. Präsidenten der USA gewählt würde. Denn wie würde sich die deutsche Politik zu einem Land verhalten, das von einem „rechtspopulistischen Hetzer“ regiert wird, gleichzeitig aber unsere Schutz- und Führungsmacht ist?

Dividenden und andere Kriterien

Traditionell träumen Aktionäre von den großen Kursgewinnen. Dividendenzahlungen sind dagegen eher etwas, was man eben gerne nebenbei mitnimmt. Minuszinsen und Anleihekurse auf Allzeithoch haben diese Sichtweise jedoch dramatisch verändert, denn Dividenden gelten vielen Anlegern heute als die neuen Zinsen. Angesichts von mehr als 3% durchschnittlicher Dividendenrendite im DAX mehr als verständlich. Dividendentitel daher als die neuen Anleihen zu betrachten ist jedoch ein Ansatz, der durchaus Tücken beinhaltet.

Langfristig betrachtet ist eine dedizierte Dividendenstrategie durchaus erfolgsversprechend, wie diverse Studien belegen. Was im Umkehrschluss jedoch noch nicht bedeutet, dass Dividendentitel stets stabiler sind. Anleger kaufen sich also auch mit Dividendentitel prinzipiell Aktienrisiken ein, und sollten damit umgehen können.

Laut dem Fondsberater Friedrich Bensmann von der Heemann Vermögensverwaltung GmbH gibt es dagegen weitaus bessere Kriterien, nach denen sich Aktien selektieren lassen. Dazu zählt er unter anderem einen hohen laufenden Cashflow. Was sich jedoch wunderbar mit der Forderung nach einer hohen laufenden Ausschüttung kombinieren lässt. Wir haben im neuen Smart Investor, der am Samstag erscheint, diesen Versuch gewagt, und stellen Ihnen einige spannende Dividendenaktien und einige Sonderfälle mit stabilen und sichern Ausschüttungen vor.

Alternativgelder im Check

Die Frage „Hopp oder Top?“ stellt sich irgendwann auch bei unserem Geldsystem. Eigentlich hätte sie sich bereits in der Folge der Finanzkrise der Jahre 2008ff mit aller Deutlichkeit gestellt. Aber noch bevor die Menschen auf die richtige Fährte kamen, deutete das Establishment in Richtung Markt(-wirtschaft): „Haltet den Dieb!“ Wenn die „wilde Bestie“ Markt nur besser reguliert werde, so die massiv gestreuten Nebelkerzen, dann werde schon alles gut – irgendwie.

Trotz der massiven Anti-Markt-Kampagne, dämmerte immerhin einigen, dass unsere ungedeckten Geldsysteme das Problem sein könnten, dass die Privilegierung privater Banken ebenso wenig ein Marktkonzept ist, wie deren „Rettung“ oder das „Too Big to Fail“-Mantra, demzufolge ab einer gewissen Unternehmensgröße die steuerfinanzierte Ewigkeitsgarantie winkt. Dass ausgerechnet jene Banken, die nur einen geringen Nutzen gestiftet hatten, als „systemrelevant“ eingestuft wurden, wirft vor allem ein schlechtes Licht auf dieses System. Geld aus dem Nichts zu schöpfen und es dann gegen Zins und Zinseszins zu verleihen, gleicht ohnehin eher einem Taschenspielertrick als einer nachhaltigen Geldordnung.

Dennoch war es bislang nur eine kleine Gruppe von Menschen, die den richtigen Schluss zog, dass unser Geldsystem weder gottgegeben noch alternativlos ist. Nun ist Kritik an der Geldordnung das eine, das Erfinden eines neuen, langfristig tragfähigen Systems etwas vollkommen anderes .Das Spektrum der angebotenen Ideen ist groß: Von kleineren Anpassungen der aktuellen Geldordnung bis zum visionären „Großen Wurf“ ist fast alles vertreten. Mangelnde Kreativität kann man der Alternativgeldszene also nicht vorwerfen.

Im neuen, zum Wochenende erscheinenden Smart Investor diskutieren wir wesentliche Aspekte einer Geldordnung, stellen einige aktuell propagierte Systeme vor und skizzieren wie ein Geldsystem aus dem Blickwinkel der Austrians aussehen sollte. Einen brandaktuellen Nachtrag gibt es übrigens zur Schweizer Vollgeldinitiative: Diese wurde heute vom dortigen Bundesrat abgelehnt: „Ausschlaggebend für die Ablehnung sind die unabsehbaren Gefahren für den Finanzsektor und damit für die gesamte Volkswirtschaft …“ Bemerkenswert ist hier nicht nur die Reihenfolge – erst der Finanzsektor, dann die Volkswirtschaft –, sondern auch die implizierte Vorstellung, dass das aktuelle Geldsystem keine unabsehbaren Gefahren enthielte.

Zu den Märkten

„Hopp oder Top?“ auch den Märkten. Der DAX befindet sich aktuell auf Messers Schneide zwischen zwei entgegengesetzten Szenarien (vgl. Abb.).

2016_02_24-DAX

Sind wir nach dem Allzeithoch bei 12.390 Punkten am 10. April 2015 in eine ausgedehnte Flaggenformation (grüne Linien) übergegangen, oder wurde an diesem Datum der Scheitelpunkt einer Schulter-Kopf-Schulter-Umkehrformation markiert?

Im ersten Fall ist nach dem Ende der Konsolidierungsflagge eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends zu erwarten – also Top (Grüner Pfeil).

Im zweiten Fall stünden wir nach dem aktuellen Pullback an die Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter-Formation vor weiteren Kursverlusten, dementsprechend Hopp (roter Pfeil) bzw. Flop!

Auch wenn es selten so eklatant ist, Chartbilder lassen in aller Regel unterschiedliche Interpretation zu. Durch die Kursbewegungen wird jener Ausgleich der Meinungen herbeigeführt, der die vermeintlich „sichere Sache“ so teuer macht, dass sie doch wieder riskant ist. Ausgemachte Zyniker halten Börsencharts ohnehin für Rohrschach-Bilder in denen jeder genau das sieht, was er sehen will. Die nächsten Handelstage werden vermutlich Klarheit bringen, in welche Richtung sich die aktuelle Situation beim DAX auflösen wird.

Fazit

Nicht nur in der US-Politik, sondern auch an den Märkten stehen wir an entscheidenden Weggabelungen. Zwischen Hopp oder Top scheint es dabei keine goldene Mitte mehr zu geben, wir dürfen uns also auf Extreme einstellen.
© Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

 

Kommentare sind geschlossen