Hollande in Not. Und nicht nur dort…

5. April 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Volker Schnabel

Die Zwangsabwicklung eines aus EU-Sicht „falschen zypriotischen Geschäftsmodells“ und dessen Pleitebanken bestimmte seit Mitte März die Schlagzeilen. Obwohl es im Fall des system(un)relevanten Zyperns im Vergleich zu den bereits auf dem europäischen Rettungsroulette-Tisch liegenden Billionensummen „nur“ um „Peanuts“ – ein paar Milliarden Euro – ging, endete das zypriotische Drama mit einem wegweisenden Tabubruch in der Euro-Zone…

Erstmals wurde in Europa das gesamte Bankensystem eines Landes geschlossen („Bankeinlagen sind eine sensible Sache, da muss man schnell handeln, daher macht man es am Wochenende.“, W. Schäuble) und Kapitalverkehrskontrollen etabliert.

Großbanken werden zwangsabgewickelt, wobei auf Druck der Troika (EZB, EU-Kommission und IWF) Kontoguthaben, die über einen „großzügig“ gewährten „Eigentums-Freibetrag“ von 100.000 Euro hinausgingen, ohne jegliche demokratische Abstimmung – im Stile einer afrikanischen Bananenrepublik – zu einem großen Teil konfisziert wurden!

Während die Euro-Retter eilig versicherten, dass es sich bei Zypern um einen Einzelfall handeln würde, und natürlich niemand die Absicht habe das Enteignungsmodell auf die anderen europäischen Pleitebanken zu übertragen, befand Eurogruppen-Chef Dijsselbloem, dass der Fall Zypern durchaus als Blaupause für andere Staaten (besser Banken) in der Not dienen könne!

Da der gesamte europäische Bankensektor mit einer Bilanzsumme von 32,9 Billionen Euro (ca. 300% vom EU27-BIP) noch immer als völlig überdimensioniert und hoffnungslos überschuldet angesehen werden muss, ist spätestens jetzt klar geworden, dass die Sicherheit der Bankeinlagen der Bürger in Europa eine nicht mehr länger aufrechtzuerhaltende Illusion ist.

Mit dem Tabubruch der EU-Rettungsdilettanten in Zypern hat sich aber auch obendrein die Gefahr von pleite beschleunigenden Bank-Runs in Europa, insbesondere in der Peripherie dramatisch erhöht. Denn welchen rationalen Grund gibt es für die Kontoinhaber Europas jetzt noch mit ihren auf 4,3 Billionen Euro bezifferten Sichteinlagen auch nur einen Tag länger im zinslosen Risiko bei einer „Brüsseler Hausbank“ zu verharren, statt sich den „gedruckten Eigentumsschutz“ in Form von Bargeld sofort ausliefern zu lassen.

Obwohl die Umstellung der Wirtschaft Zyperns auf das richtige – kein! – Geschäftsmodell die Marktteilnehmer zu Recht beschäftigte, wurden die wesentlich größeren Probleme an den Märkten unverändert komplett ausgeblendet. So herrscht im mit nunmehr 2,02 Billionen Euro rekordverschuldeten europäischen Schulden-Schwergewicht Italien und einer seit 6 Quartalen in Folge im Fall befindlichen Wirtschaft auch fünf Wochen nach der Wahl noch immer politischer Stillstand.

Da, so der an der Regierungsbildung gescheiterte Wahlsieger Bersani, „derzeit nur ein Verrückter dieses Land regieren würde wollen“, könnten Neuwahlen nötig werden. Davon würden aber wahrscheinlich die „Falschen“, Grillos 5 Sterne-Partei und der sich in einem Umfragehoch befindliche Berlusconi, am meisten profitieren, so dass sich hier für Europa und den Euro ein Erdbeben andeuten könnte…(Seite 2)

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4 Kommentare auf "Hollande in Not. Und nicht nur dort…"

  1. cubus53 sagt:

    Zu dem Artikel passt eine Meldung von gestern : Frankreich hat Deutschland aufgefordert, die Sparpolitik aufzugeben und den Abbau von Schulden in die Zukunft zu verschieben. Wen wundert es ?

    Deutschland wird sowieso nie einen Cent seiner Schulden zurückzahlen, und Herr Schäuble meint mit „Sparen“ weniger Schulden zu machen. Eine dreiste Sinnverfälschung.

    Ich habe mich damit angefunden, dass der Staat Schulden macht – bis es halt nicht mehr geht. In diesem Sinne würde ich mir mehr Ehrlichkeit von der Politik wünschen.

    „Die Renten sind sicher.“
    „Die Spareinlagen sind sicher.“

    Das alles gilt, bis sie halt nicht mehr sicher sind …

    Wen interessiert es ? Merkel wird wohl wieder gewählt, d.h. der EU-Wahnsinn wird vier Jahre weiter betrieben.

  2. FDominicus sagt:

    „Merkel wird wohl wieder gewählt“

    Und ich dachte schon jemand wettet dagegen. Es wird wahrscheinlich noch übler eine neue große Koalition mit Steinbrück als „Super“minister (nämlich Wirtschafts-/Finanz- und Entwicklungsminister)….

    • Lickneeson sagt:

      Das Schlimmste, das passieren könnte wäre eine „sozialistische“, sprich SPD-Regierung.Die Sozn machen schon länger keinen Hehl daraus, wie wichtig es ist in Europa gemeinsam deutsche Sparguthaben auszugeben.Also Eurobonds, Sonderzahlungen oder anderer Käse.

      Wie sozial und vertrauenswürdig Sozis mit Geld um gehen haben wir gestern wieder in Frankreich gesehen.Schwarzgeldkonten im Ausland…und dann die Internationale singen.Lachhaft.

      Die Schuldenkrise ist mit Finanztricks und Gelddruckerei NICHT zu lösen.

      Auch die gestern veröffentlichen „Steuertricks“ der Reichen legt die Vermutung nahe, das wir eine Speckstreifengesellschaft haben.1 % mageres Fleisch und 99 % Schrott.

      MfG

  3. mfabian sagt:

    (/Ironie on)
    Ich wehre mich in aller Form gegen die Äusserung, die EU sein eine Bananenrepublik!

    Die EU produziert gar keine Bananen!
    (/Ironie off)
    😀

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