Hol-Land unter

2. Dezember 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Während man in den ökonomischen Trümmern Italiens und Spaniens weiterhin nach einem Funken Hoffnung sucht, rutschen die so genannten Kernländer tiefer in die Krise. Dennoch erfreut sich der wirtschaftliche Schwelbrand in den Niederlanden weiterhin medialer Missachtung…

Wie man darauf kommen kann, in den Niederlanden wäre alles in Butter, steht in den Sternen. Anhand der Daten kann jedenfalls niemand zu diesem Schluss gekommen sein. Möglicherweise, in der medialen Welt des finanziellen Entertainments nicht unwahrscheinlich, behandeln viele die Einschätzung der wirtschaftliche Entwicklung eines Landes ungefähr so wie die Ertragsprognosen von Aktien.

Jedes Jahr veröffentlicht man eine hübsche Schätzung für das kommende Jahr. Wenn das Jahr dann herum ist, und die Prognose nicht zutrifft, stört das nicht. Man hat bereits die Prognose für das kommende Jahr in der Tasche und wen interessiert es schon, was in der Vergangenheit war. Mit einem vermeintlich schlauen Spruch wie „an der Börse wird die Zukunft gehandelt“ übertüncht der Augure rasch die Leiden der Gegenwart und blickt mit zugekniffenen Augen in Richtung Horizont, hinter dem man wie immer Großes erwarten darf.

In Zeiten, in denen eher Unterhalter als Fachleute zu Finanzthemen befragt werden, fällt all dies nicht weiter auf. Wer Leiden sehen will, für den gibt es genügend TV-Serien, die in Krankenhäusern spielen. Was auf der realwirtschaftlichen Intensivstation vor sich geht, hängt man ungern an die große Glocke. Wenig bis gar nichts brachte dem niederländischen Immobilienmarkt bisher die Einflößung von Stimulantien der EZB. Die Preise folgen den Zugvögeln auf deren Weg nach Süden.

Den stärksten Rückgang erlebten die Hausbesitzer in Den Haag und Amsterdam. Ein Plätzchen in einer Metropole sichert nicht vor Preisrückgängen, auch wenn dieser Mythos in Deutschland immer mehr Anhänger findet. So mancher hoch gehebelte private Hauskäufer wird dies in den kommenden Jahren noch zu spüren bekommen. Interessanterweise hängt die starke Preisbewegung nicht mit starken Umsätzen zusammen.

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Auch die Umsätze am Immobilienmarkt gingen in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres weiter zurück. Landesweit schrumpften sie um 9,1%, bedingt durch die Mischung aus wenig Nachfrage und der nicht vorhandenen Bereitschaft potenzieller Verkäufer zur Preisreduktion. Wenn statt der Bereitschaft die Notwendigkeit zum Verkauf in den Fokus rückt, wird wieder mehr Bewegung in den Markt kommen.

Vor allem die jungen Niederländer stecken wirtschaftlich in der Klemme. Wachsende Verpflichtungen, die aus der politischen Umverteilungsmaschine zum Zwecke des Machterhalts resultieren, schränken das Potenzial der jüngeren Menschen immer stärker ein. Die Auswirkungen sind wenig überraschend. Wer weniger verdient aber gleichzeitig mehr abgeben soll, kann selber weniger ausgeben und sparen. Dies zeigt sich zuerst bei den teuren Konsumgütern. So ist der Anteil der Autobesitzer unter bis zu 25-jährigen im laufenden Jahr um 4,5% geschrumpft. Das Jahr wird mit dem zweiten jährlichen Rückgang in Folge enden… (Seite 2)

 

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