Hochmut kommt vor dem Fall

29. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Herzog Waydelich) Der Mensch an sich ist eine seltsame Spezis. Eine der tragischsten Schwächen weißt er mit seiner Überheblichkeit aus. Sie muss wohl im Erbgut tief genetisch verwurzelt sein. Er fühlt sich so überlegen gegenüber seinen Eltern, Großeltern, Vorfahren. Vor 15 Generationen haben wir noch Hexen verbrannt, vor zweien noch halbe Bevölkerungen in Kriegen und mit falschen Ideologien ausgelöscht. Und heute?

Ach, was halten wir uns heute für weise. Doch das glaubten schon die Menschen im Mittelalter, die alten Griechen, wahrscheinlich sogar der Neandertaler: Schaut her, was bin ich für ein kluges Kerlchen wird er wohl den Mammuts zugerufen haben.

Aber heute, ja heute sind wir wirklich viel weiter in der Evolution, in der Erforschung der Erde und des Weltalls. Wir können schwarze Löcher in weit entfernten Galaxien aufspüren, Öl und Gas aus dem Innersten der Erde herauspressen oder bald schon Menschen zum Mars schicken. Wir haben nichts mehr mit den plumpen Kreaturen der letzten 500 Jahre gemein. Wirklich? Sind wir so viel schlauer?

Als Christoph Kolumbus Amerika entdeckte und der Handel mit den Ureinwohnern florierte (quasi der Beginn der Globalisierung), da vielen die spanischen und portugisischen Könige wohl vor lauter Lachen vom Thron. Die primitiven ‚Indianer‘. Tauschen doch tatsächlich für lumpige Glaskugeln ihr Gold ein. Sicherlich wurde bei Hof zu modernem Minnesang sich immer und immer wieder die Geschichten erzählt. „Stellen Sie sich vor, Euer Gnädigste, die Primitivlinge tauschten diesen wunderschönen Armreif aus Gold gegen einige farbige Glassplitter. Diener, bringe er noch eine Karaffe Wein“.

Ja, gelinde gesagt so blöd ist der Mensch von heute nicht. Die Evolution hat zugeschlagen. Er ist noch viel dümmer geworden! Anstatt wenigstens noch einen reellen Gegenwert wie die Indianer in Form der Glasperlen fordert er heute nur noch virtuelle Zahlen. Mangetisierte Pulverbeschichtungen auf irgendwelchen Speichereinheiten, welche etwas aussagen sollen über mein „Vermögen“. Ich weiß nicht einmal, wo auf dieser Welt überhaupt dieser Speicher steht. Aber der Mensch fühlt sich mit dieser Form der weiterentwickelten Glasperlen pudelwohl. Da die Könige ausgestorben sind, schlagen sich jetzt die Bankmanager und Casinokapitalisten in Ihren Glaspalästen vor lauter Lachen auf die Schenkel. Evolution eben.

Wer über ein etwas ängstliches, in der geistigen Entwicklung zurückgebliebenes Gemüt verfügt, der verlangt nach Relikten unserer Großväter. Nur Bares ist Wahres. Wer sich weder die Schwarzen Löcher im Staatshaushalt noch in der Milchstraße vorstellen kann, will handfeste Banknoten in den Händen halten. Eigentlich unglaublich, denn ein 50 Euro Schein unterscheidet sich vom Muschelgeld auf Solomon Islands eigentlich nur dadurch, dass der arme Bräutigam hierfür tatsächlich arbeiten muss. Um Muschelscheiben zu gewinnen, werden Schalen von Muscheln mit Hilfe eines Eisenstößels auf einem Stein zerbrochen, die Stücke mit Hilfe von Sand grob zu Plättchen gerieben und diese schließlich durchbohrt. Da hat es die EZB schon einfacher. Papierbogen einlegen, Stromschalter umlegen, fertig ist die Million, Milliarde, was auch immer gewünscht wird. Nun, wer also den letzten Schritt der geistigen Reife noch nicht gegangen ist und die virtuellen Werte akzeptiert, der hat nur unnötig einen Baum sterben lassen für das Papier. Die aufgebrachten Sicherheitsmerkmale auf den Noten sollen dem Besitzer den Schutz geben, dass er nur von der Notenbank übervorteilt werden kann, nicht aber von jedem x-beliebigen Mitbürger. Interessant insofern, als das ja der „Wert“ sich auf ein Versprechen bemisst, dass der x-belibige Mitbürger genau gegen das Papier eine Leistung erbringen wird. Wir haben uns geistig wirklich weiterentwickelt, um so viele Ecken konnte der Neantertaler mit Sicherheit nicht denken.

Und so kommen wir zu einem Punkt des kollektiven Gedächnisses. Nie wieder darf von deutschem Boden ein Krieg ausgehen. Und wehret den Anfängen. Ein 1933 darf sich nie wiederholen.

Enkel: „Opa, wieso haben die eigentlich den Hitler gewählt?“

Opa: „Der wurde nicht gewählt, der ist durch die Machtergreifung ans Ruder gekommen. Wir wollten das ja alles nicht.“

Enkel: „Aber es stand doch alles in seinem Buch, das mit Lebensraumerweiterung im Osten, der Überlegenheit unserer Rasse gegenüber anderen und den anderen Dingen. Warum also?“

Opa: „Ja das stand da drin, aber erstens hat das kaum einer gelesen und wenn dann haben wir ja nicht gedacht, dass sich die Macht so entwickelt. Zunächst war ja alles positiv. Die Arbeitslosigkeit wurde weniger, es wurden Infrastrukturmaßnahmen wie Autobahnen durchgeführt. Sogar der Volkswagen wurde mit Mitteln des Parteiapparates entwickelt. Banken und Industrie war mit dem System eng verquickt. Mefo-Wechsel als Schattenbankensystem sicherten deren Finanzierung. Das sich die Politik dann mit den Jahren ganz anders entwickelt wollten wir nicht, aber wir konnten ihn auch nicht mehr stoppen.

Enkel: „Aber Opa, war es nicht vorhersehbar, dass, wenn man eine Gruppe so mächtig macht, die auch die Macht an sich reißt?

Opa: „Man konnte sie nicht mehr stoppen. Schau, den Staatsfinanzen ging es nicht gut. Die Wirtschaft lag vieler Orts am Boden. Hier musste man erst einmal einen Vertrauensvorschuss geben, sonst wäre die Ordnung komplett zusammengebrochen. Und das Geldsystem.“

Enkel: „Und das man sie gesetzlich ermächtigt hat, dass die tun und lassen können was sie wollen, keine Kontrolle, wo das Geld eigentlich mit diesem Schattenbanksystem hinfließt, wer sich die Taschen füllt, keine Rechenschaft, keine juristischen Folgen und bei Bedarf muss einfach das Volk zusätzlich zahlen? Das stand da drin, Opa!“

Opa: „Aber die Menschen hatten andere Sorgen. Die wollten einfach in Ruhe damit gelassen werden. Ich sagte doch, es hat keiner gelesen. Und wenn konnte sich das keiner vorstellen, man glaubt ja an das Gute im Menschen.“

Enkel: „Ja aber warum haben die Politiker nichts dagegen gemacht? Es gab doch noch Parteien damals, oder?“

Opa: „Natürlich. Die Kommunisten, aber die waren nicht ernst zu nehmen. Dann die Sozies. Die gab es ja schon seit achtzehnhundertirgendwas. Dann noch ein paar Splittergruppen.“

Enkel: „Und alle waren für dieses Gesetz?“

Opa: „Einige haben schon kommen sehen, was das bedeuten wird, wurden aber nicht gehört. Als Schwarzmaler bezeichnet, unter Druck gesetzt. Offen oder verdeckt, indem man drohte, sie von den Listenplätzen zu nehmen. Damit wären sie bei der nächsten Wahl weg. Außerhalb des Parlamentes gab es auch Mahner. Die wurden vielfach mundtot gemacht, als Nostalgiker beschimpft oder das sie halt nicht das große Ganze sehen können. Waren keine Patrioten. Man sollte seine Zweifel für den großen Gedanken, das große Reich unterordnen.“

Enkel:“Und wie lange hat es dann noch gedauert, bis die deutsche Bevölkerung verloren war?“

Opa: Etwa zwei Jahre. Ja, 2014 war es.“

Enkel:“ Bei Uropa hat es auch mit dem Ermächtigungsgesetz angefangen, bei uns mit dem ESM. Die Menschen werden wohl nie gescheit.“

Opa: „Ja, aber zumindest haben wir keinen Krieg angefangen oder Menschen umgebracht. So, ich muss jetzt aber los zur Spätschicht“.

Enkel: „Schade, ich hätte gerne mit die Mensch-ärger-dich-nicht gespielt. Aber zu deinem 85. darfst Du doch dann endlich in Rente, oder?“

©Herzog Waydelich, veröffentlicht im Gelben Forum, mit ausdrücklicher Genehmigung vom Herzog zur Veröffentlichung auf Rott&Meyer. Vielen Dank!


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9 Kommentare auf "Hochmut kommt vor dem Fall"

    • Frank Meyer sagt:

      Wer sehen will kann sehen. Wer will das aber?

      • samy sagt:

        Moin,

        ich habe gestern einigen Freunden den Dirk-Müller-Aufruf gemailt und werde den am Montag auch Arbeitskollegen ans Herz legen.

        Meiner Erfahrung nach, interessiert es die Leute schon, wenn ihnen jemand die Quellen zeigt. Was wundern muß, und das ist es vielleicht was du meinst, ist es das in unserer verbohlten Gesellschaft die Menschen nicht selbst nach Infos suchen. Und wie kann das sein, dass so eine wichtige Parlamentsdebatte nicht live in ARD oder ZDF übertragen wird? Sport in beiden GEZ Sendern.

        Meine Lieblingsrede von gestern, soweit ich die Debatte verfolgen konnte, ist ausgerechnet die von Gauweiller. Was habe ich den Kerl in meiner Jugend noch gehasst.
        http://www.youtube.com/watch?v=Ux86iqbDMVM

        VG

        PS: Auch eine meiner Erfahrungen aus den letzten 2-3 Monaten ist es, dass nun (!) meine Bekannten die Thesen, die man so seit 2008 unters Volk bringt, nicht mehr verlachen.

  1. samy sagt:

    @frank
    Die Hoffnung stirbt zuletzt und ein Spiel dauert 90 Minuten.

  2. MARKT sagt:

    Es ist nur noch beschämend.
    Totenstille wenn einer (Frank Schäffler) sich erlaubt diesen Wahnsinn zu kritisieren.
    Dagegen erhalten die Verräter Applaus aufgrund des Fraktionszwang.

    Ist es verwerflich, wenn mann zu Gewalt neigen würde wenn man im Moment zu Gewalt gegen einen Herrn Ralph Brinkhaus neigen würde, wenn die Möglichkeit bestünde?

    • Avantgarde sagt:

      Der Witz ist doch, daß sich die Kritiker durch alle Denkrichtungen ziehen.
      Das reicht von Gysi bis Schäffler.
      Das war es dann aber auch schon mit dem Positiven.

      Die werden das Ding durchwinken und den Banken den direkten Zugang zum Steuerzahler ermöglichen.
      Als kleines Schmankerl den ESM dann vielleicht noch mit Banklizenz – dann kannst Du die Einkommensteuer gleich bei der DeutschenBank, Barclays, Santander…..oder wahlweise an die 10% Superreichen in Europa abführen.
      Die wenigsten scheinen begriffen zu haben, daß der bereits an sich schon schlimme ESM noch deutlich verstärkt wurde.

      Da kann man wirklich nur noch auf das Verfassungsgericht hoffen.

  3. Johnn sagt:

    Dieser Artikel passt auf die heutige Gruselvortellung im Bundestag wie die Faust auf´s Auge. Heute ist auch der letzte vorhandene Rest an Demokratie in Deutschland den Bach runtergegangen. Die Europäische Banken und Finanzlobby hat gewonnen und die Bürger dürfen jetzt für vergangene und zukünftige Fehlspekulationen der Banken in voller Höhe aufkommen. Mir ist schlecht, und wenn ich einen Blick in die Zukunft wage wird mir noch viel mehr schlecht. Ich werde abreiten dürfen bis ich am lebendigen Laib verfaule und wahrscheinlich noch viel üblere Dinge mitmachen müssen wie Enteignung, Leiharbeit, Mindestlöhne (am besten gleich Sklavenstatus für die oberen 10%), Wahlverbot für Bürger etc. etc.

    • FDominicus sagt:

      Nun der ESM wird an der Wirklichkeit zerschellen. Es ist jetzt schon absehbar, daß der Kreditvorrat nur ca 6 -12 Monate reicht und was ist der ESM anderes als eine neuer Kredittopf? Und nichts und niemand kann das Platzen einer Kreditexpansion aufhalten. Man kann es nur früher (das wäre ohne ESM) gewesen später mit (ESM) oder man wird aufgehalten. Der ESM dürfte wohl das Umkippen in das aufgehalten werden. markieren.

      Man kann den ESM und das Parlament mit dem Ermächtigungsgesetz vergleichen. Auch damals waren nur die Kommunisten und wenige Liberale „dagegen“ und so war es dieses mal wieder. Wir haben absolut nichts gelernt.

      Nur wir wissen auch alle Vorhersagen der Österreicher treffen 100 % zu. Wir „wissen“ wie es enden wird, und das sollten wir ausnutzen um uns für die Zeit danach zu rüsten….

  4. […] viaHochmut kommt vor dem Fall | Rott & Meyer. Share| Juni 30, 2012 at 2:29 pm by admin Category: Allgemein, GAME OVER […]

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