Hoch die leeren Tassen!

10. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Erfolgsmeldungen reißen nicht ab, und das pünktlich nach einem verlorenen Fußballspiel. Das allwissende Institut der Deutschen Wirtschaft hat errechnet, die Deutschen wären plötzlich doppelt so reich wie gedacht…

… wenn man die künftigen Rentenansprüche in die Kalkulation mit einrechnet. Auf die Idee hätte man aber schon früher kommen können. So steigt das Durchschnittsvermögen hierzulande plötzlich von 85.348 auf 176.789 Euro. Das „mittlere Vermögen“, wer weiß, was das bedeutet, versechsfachte sich durch die Kraft der Taschenrechner gleich mal von 18.000 auf 107.392 Euro. So einfach ist das.

Leider ist die Hälfte des „Vermögens“ eine Wette auf die Zukunft, ohne zu wissen, wie diese aussieht. Vor drei Jahren noch errechnete die EZB übrigens, dass die Deutschen über das geringste Vermögen in der Eurozone verfügen. Was haben wir gestaunt. Und wie staunen wir jetzt wieder, wie die Zahlen des DIW einen süßen Nebel aus Scheinsicherheit und noch mehr Glück versprühen.

Leider wissen wir aber nicht, was künftig 176.789 Euro wert sein werden, man sich davon kaufen kann und wer die Hälfte davon noch erarbeitet muß. Rentenansprüche sind für sich genommen eine Fata Morgana bzw. Scheinvermögen. Andere Studie belegen ja die chronischen Rentenlöcher in den Pensionskassen der DAX-Unternehmen und Schwierigkeiten in der Rentenversicherung. Zudem werden künftig die eingezahlten Rentenbeträge unter immer mehr Rentnern verteilt. Man sollte auf das vertrauen, was man heute hat und nicht auf das, was man für später versprochen bekommt, vor allem vor Wahlen und nach verlorenen Fußballspielen.

Ich habe übrigens an jede Zahl auf meiner Kalkulation eine Null angehängt. Eine Null macht ja bekanntlich nichts. Da waren wir plötzlich zehnmal reicher. Woher das kommen soll, weiß ich so wenig wie das DIW. Warum aber das DIW nicht auf meine Idee gekommen ist, bleibt mir schleierhaft. Ich gehe mir erst einmal den Sand aus den Augen putzen.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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