Hoch die Hände! Keine Wende!

20. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Kürzlich noch drohte die US-Notenbank mit höheren Leid-Zinsen. Und ich drohte, einen Besen zu fressen, quer – und aus Lübecker Marzipan, wenn sie es tun würde. Schade! Es sieht nicht danach aus…

Statt vier Zinserhöhungen soll es 2016 nur noch zwei geben. Wenn überhaupt.

FED-Chefin Janet Yellen zeigte Haltung. Dabei wirkte sie wie eine Opern-Diva ohne Notenkenntnisse. Experten mit Watte in den Ohren fällt so etwas nicht auf, wenn sie sich vor ihr in Demut im Staub wälzen und in ihre Arien etwas hinein interpretieren, was sie gar nicht kann: Singen und Zinsen anheben. In ihrem Kostüm beherrscht sie das Schauspiel – zurückrudern, ohne Arme zu bewegen.

Bei ihrer Aufführung am Mittwoch trällerte sie etwas von drei Prozent Leitzins im übernächsten Jahr. Vor Lachen fiel mir das Monokel zu Boden. Wer schrieb eigentlich die Partitur? Der Zufall. Es hieß, die FED fährt auf Sicht. Aber wohin nur inmitten des selbst erzeugten Bühnennebels? Wir wissen es nicht, genießen aber diese Geld-Opern mit viel Spaß bei wenig Inhalt. Moll ist Dur, hoch ist runter, besser ist schlechter – und umgekehrt. Es ist das Konzept des Zins-Orchesters, den „Markt“ zu irritieren bzw. zu lenken. Dabei ist nachgewiesen, 70 Prozent des Zinsgesangs sind Unsinn, gehören aber zum Bühnenzauber. Jeder Zwischenton wird ausführlich analysiert.

Der Euro erblühte in dieser Woche kurzzeitig, weil der US-Dollar etwas sank. Ein Hin und ein Her. Am Ende verdorren alle. Da lobe ich mir doch den EZB-Chef. Er macht Nägel mit Zöpfen. Oder so ähnlich. Bislang war er sehr erfolgreich, die Kaufkraft des Euro zu mindern. Das hat sich auch Frau Yellen auf die Fahnen für den US-Dollar geschrieben. Vielleicht ist es auch ein Duett der Absprachen, wer wann und wie schneller abwerten darf.

Experten meinen, der Zinspfad werde flacher. Herrlich, so ausgelatscht wie der schon ist. Die Zinsen werden nie wieder steigen, außer es passiert ein Unfall im Krieg gegen die Sparer. Frau Yellen hat den US-Dollar geschwächt. Japaner wollen einen schwachen Yen und die EZB einen schwachen Euro – wie alle anderen Finanzopern-Dirigenten weiches Geld lieben, so weich wie Opernsessel. Wenn aber der Vorhang fällt, ist die Geldbörse leer und statt Bravo! wird man Buh! rufen und Tomaten werfen.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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Ein Kommentar auf "Hoch die Hände! Keine Wende!"

  1. FDominicus sagt:

    Machen Sie sich doch mal da „Vergnügen“ und berechnen Sie die Zinsen für die Schulden bei 1%,2% – 5%. Frage ist natürlich, wer wird wissen was die Haushalte der diversen Länder „hergeben“….

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