Historischer Rückblick auf Regierungen

15. Juni 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Bei Stammesgruppen oder auch Familiengruppen zu Zeiten der Vor- und Frühgeschichte war es wahrscheinlich von Vorteil, einen Anführer zu haben. So waren z.B. Jagden oft Gruppenunternehmungen.

Es mussten auch andere Entscheidungen für die Gruppe getroffen werden … wie Nahrung gelagert oder verteilt wird, zum Beispiel. Das würde das Überleben der gesamten Gruppe betreffen. Und wenn ein Angriff einer anderen Gruppe erfolgte, dann würde ein starker, fähiger Anführer den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen.

Ich denke, dass die Menschen in ihre jeweiligen Rollen als Führer oder „Indianer“ treten, weil sie dazu von der Evolution programmiert worden sind.

Diejenigen, die das nicht können oder wollen … sind vielleicht vor einigen Jahrtausenden ausgestorben. Wir müssen nicht in die letzte Eiszeit zurückschauen, um zu sehen, was in kleinen politischen Einheiten geschieht. Das kann man heute sehen. Überall gibt es gesellschaftliche Einheiten.

Jede Kirche hat einen Rat, der sich um die Verwaltung kümmert. Jede Gemeinde hat ihre Form von Regierung. Jedes Unternehmen … jede Gruppe … jeder Klub … jeder Platz, wo Menschen zusammenkommen, scheint politische/soziale Ordnungen zu entwickeln.

Es entwickeln sich Regeln. Es entwickeln sich Anführer. Informelle Gruppen beachten die Ansichten starker Personen. Andere wollen kontrollieren. Es gibt dann noch Familienbande und Dinner Partys.

Aber das ist die Art und Weise, wie es eben ist. Einige Leute wollen dominieren. Andere mögen es, dominiert zu werden. Das Problem ist: Normalerweise gibt es mehr als eine Person oder Gruppe, die dominieren wollen. Und das führt zu Konflikten.

Verrat. Mord. Rivalitäten. Und Wahlen. Aber ich will der Zeit nicht vorausgreifen. Ich will über die Geschichte von Regierungen schreiben, und versuchen einzuschätzen, wie die waren. Im kleinen Maßstab waren „Regierungen“ jeder Art extrem variabel in der Form…und extrem begrenzt in ihrer Zuständigkeit.

Wie viel Regierung kann man haben, in einer kleinen Gruppe? Nicht viel. Man kann die Leute herum kommandieren, aber sie werden nicht zu viel herumkommandieren akzeptieren. Und da gibt es immer jemanden, der in Rivalität steht – und den die Leute stattdessen unterstützen könnten.

Auf Stammesebene stelle ich mir vor, dass der stärkste und mutigste Kämpfer es zum Anführer schaffte, und damit in die „Regierung“. Aber ihm konnte im Schlaf ein Messer in den Rücken gestoßen werden … oder er konnte mit einem Bogen erschossen werden, als Jagdunfall deklariert. Selbst in den besten Umständen würde seine Regierungszeit wohl nur so lange andauern, wie seine körperliche Stärke.

In einer kleinen Stadt funktionieren Regierungen in der Regel recht gut. Denn es besteht kein großer Abstand zwischen den Regierenden und den Regierten. Die Letzteren wohnen, wo die Regierenden wohnen … und sie leben ähnlich… Der Abstand zwischen ihnen ist gering.

Wenn die Regierungen falsch handeln, dann ist es wahrscheinlich, dass sie bei der nächsten Wahl abgewählt werden…und auf der Straße zusammengeschlagen werden.

Aber je größer der Maßstab … desto größer wird der Abstand zwischen den Regierenden und den Regierten. Die Institutionen werden größer und älter…die Regierungen werden formeller. Mächtiger. Das kann effizienteres Regieren ermöglichen.

Die ersten größeren staatlichen Regierungen gab es in Ägypten. Nach der Vereinigung diverser Königreiche ungefähr 3.150 v. Chr. begann eine dynastische Periode. Die dauerte Jahrtausende, und endete erst, als die Römer im Jahr 30 n. Chr. Ägypten eroberten.

Ich weiß nicht genau, wie die Regierungen damals arbeiteten, aber ich kenne eine Theorie darüber. Damals war es wohl keine Theorie, sondern ein Fakt. Der Staatenlenker war göttlich. Ein Gott.

Als Theorie ist das gut. Das beantwortet die Frage: Warum sollte man Befehle von einem anderen Menschen annehmen? Im alten Ägypten kam diese Frage nicht auf. Denn der Pharao war kein anderer Menscher. Er war etwas anderes. Was genau er war … oder was die Leute dachten, was er sei … ist nicht klar.

Aber archäologische Untersuchungen zeugen, dass er behandelt wurde, als ob er zumindest einen oder zwei Stufen höher stehen würde auf der Leute als der Rest der Menschen. Wenn er kein richtiger Gott war, dann war er zumindest ein Halb-Gott … der „missing link“ zwischen den Menschen und dem Himmel.

Wenn das so war…und wer bin ich, zu zweifeln?…dann war diese Theorie sehr konsistent. Die göttliche Autorität kommt vom Himmel zur Menschheit, via dem Intermediär…dem Pharao.

Man könnte denken, das sei das Ende dieser Geschichte. War es aber nicht. Es gab asiatische Siedler im Nildelta – die Hyskos -, welche offensichtlich eine andere Idee hatten. Und die Thebaner. Und die Nubier. Und die Assyrer. Und die Hettiter. Und Hunderte Jahre Bürgerkrieg gegen verschiedene Gruppen…ganz zu schweigen von den Kämpfen innerhalb der göttlichen Familien.

Wenn Gott wirklich seinen Mann auf dem Thron hatte, dann könnte man doch denken, dass er ihm etwas mehr geholfen hätte. Oder zumindest sollte man denken, dass es etwas eindeutiger gewesen wäre, wer denn nun Gottes Mann war. Warum ließ Gott die Menschen raten, was wirklich Gottes Wahl war? Aber wer kennt schon die Gedanken von Gott? Vielleicht war die ganze Idee mit der göttlichen Natur des Staatsoberhauptes nur eine Lüge.

Pharaonen mögen wie Lords gelebt haben. Sie mögen wie Götter regiert haben. Aber sie starben so, wie alle anderen auch. Und nach 30 Dynastien war das ganze System kaputt.

Cleopatra erschien zusammengerollt in einem Teppich vor Julius Caesar, so dass sie sich vor seinen Füßen daraus herausrollen konnte. Sie hatte ein Kind von ihm … stellte sich aber auf die Seite von Marc Anton. Das war ein Fehler. Caesars Neffe, Octavian, war besser organisiert – und die Armee von Marc Anton wurde bei Actium besiegt.

Aber die Idee eines göttlichen Führers überlebte. Antonius hatte bereits begonnen, das Blut der Göttlichkeit in seinen Adern zu spüren. Und dann – kaum dass die Halbgott-Pharaos in Ägypten alle in ihren Gräbern waren – begannen in Rom, die halbverrückten Caesaren ihre Flügel auszustrecken…

Ich begann vor einiger Zeit mit der Ansicht, dass die meisten „Theorien zu Regierungen“ wertlos sind. Das sind noch nicht einmal Theorien. Sie erklären nichts. Stattdessen sind sie nur Wunschdenken … und Entschuldigungen für die Elite, die die Regierung für ihre eigenen Vorteile nutzen…

Der „soziale Vertrag“ zum Beispiel ist ein Betrug. Man kann keinen Vertrag haben, wenn man nicht zwei bereitwillige und dazu fähige Parteien hat. Die müssen sich zusammensetzen und dann ein reales Abkommen darüber treffen, was sie zusammen tun wollen.

Aber was ist der „soziale Vertrag“ mit der Regierung? Es gab niemals ein solches Treffen. Dieser Vertrag wurde den Bürgern aufgezwungen. Und jetzt, stellen Sie sich vor, Sie wollen als Bürger da raus. Können Sie den Vertrag einfach „brechen“? Kann man sich weigern, seine Steuern zu zahlen, und von den Beamten herumgeschubst zu werden? Wie lange würde es dauern, bis man im Gefängnis landen würde?

Was für ein Vertrag ist das, dem man nicht zugestimmt hat und aus dem man nicht zurücktreten kann? Der ist nicht das Papier wert, auf dem er geschrieben ist.

Und welche Art von Vertrag erlaubt es einer Seite, die Bedingungen des Vertrags einseitig zu ändern? Der Kongress verabschiedet fast jeden Tag neue Gesetze. Die Bürokratie gibt neue Edikte heraus. Das Steuersystem wird geändert. Das Pfund Fleisch, welches sie erhalten haben, reicht ihnen nicht – sie wollen noch ein halbes Pfund mehr!

Jede Theorie zu Regierungen, die ich gefunden habe, hat mich nicht überzeugt. Deshalb habe ich eine bessere Theorie: Eine Regierung ist nur ein Weg für Insider, Vorteile aus den Outsidern zu ziehen.

Bis zur Industriellen Revolution beriefen sich die Regierenden auf Gott, um die Regierung zu rechtfertigen. Wenn ein Mann einen anderen herumkommandierte, dann war das der Wille Gottes, sagten sie. Der Allmächtige sei verantwortlich. Das war eine klare Sache, wenn man die größeren und kleineren Annahmen, die damit zusammen hingen, akzeptierte.

Aber dieses System hielt sich nicht, aus zwei Gründen.

Zunächst einmal führte das dazu, dass Gott wie ein Idiot aussah. Die Monarchen regierten auf eine Art und Weise, welche inakzeptabel war, wenn sie wirklich von Gott ausgewählt worden waren. Die Könige waren oft inkompetent, mörderisch und käuflich. Schließlich wurde die Theorie aufgestellt, dass die Monarchen einen profanen und einen erhabenen Körper hätten, zur selben Zeit.

Zweitens: Der steigende Reichtum und die Macht der produktiven Klassen benötigten eine neue Idee. 

Insider nutzen immer die Regierung, um Macht und Geld von den Outsidern zu sich selbst zu transferieren. Wenn Reichtum leicht zu identifizieren ist und leicht zu kontrollieren, dann können bereits wenige Insider relativ leicht Vorteile für sich aus der Regierung ziehen.
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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