Hilflos Inc.

5. Januar 2011 | Kategorie: RottMeyer, Zeitlos

Seine Ziele hat der Cheftheoretiker des Federal Reserve Boards unlängst klar formuliert. Wer noch dachte, es ginge um eine wie auch immer strukturierte Wiederaufbauhilfe für die US-Konjunktur, der sah sich angesichts der Formulierung des großen Vorsitzenden getäuscht. Mal wieder viel zu kompliziert gedacht, alles ist viel einfacher!


Die Zentralbank will steigende Aktienkurse und so über den Vermögenseffekt die Wirtschaft ankurbeln. Interessant, interessant. Für so eine einfache Idee hat man sich aber eine Menge verschiedener Projekte einfallen lassen, aber selbst geschaffene Intransparenzen sind ja seit jeher ein beliebtes politisches Stilmittel.

Ob sich das Zentrale Planungsorgan vorher einmal die Besitzverteilung angeschaut hat? Weiten Teilen der Bevölkerung wird es nicht viel helfen, wenn der S&P 500 auf eine Million Punkte steigt weil sie schlicht gar nicht die Mittel haben, sich mit ernstzunehmenden Summen am großen Spiel zu beteiligen. Wie heißt es doch so schön im Beraterslang:“ Das Geld sollten sie natürlich langfristig nicht benötigen!“ Na dann vielen Dank für den guten Rat. Der Blick auf den Median der Ansparsumme bei den amerikanischen 401er Altersvorsorgekonten, der bei lediglich $2000 liegt, klärt die Verhältnisse recht eindeutig.

Die Frage, wem die massiven Mittel der Fed und des Schatzamtes eigentlich helfen sollen, stellt sich dennoch immer wieder. Die Banken sind als direkte und indirekte Empfänger offensichtlich, dazu gesellen sich Versicherungen, Asset Manager und einige Konzerne (Größe war wie immer von Vorteil). Dem Arbeitsmarkt und der zwar gern zitierten aber in Auflösung befindlichen ehemaligen Mittelschicht haben alle aus dem Zylinder der Fed geschlüpften Kaninchen nichts gebracht. Wie sollten sie auch?

Ein strukturelles Problem mit der immer gleichen Politik des Gelddruckens und der bekannten Eingriffe am Zinsmarkt zu beheben ist nicht möglich. Auch die Steuergeschenke und sonstige Obamanomics haben nur zu einer Ausweitung der Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben geführt. Mittlerweile stehen die USA finanziell schlechter dar als Argentinien vor dem Staatsbankrott – zugegebenermaßen mit wesentlich mehr Einfluss und einer immer noch treuen Gefolgschaft. Frei nach dem Motto: Scheitert die Fed, scheitert die Welt. Gähn. Auf dem Datenblatt jedenfalls stellen sich Einnahmen und Ausgaben wie zerstrittene Verwandte dar.

So sehen Sieger aus. Falls Ihnen, liebe Leserschaft, einmal das Geld ausgeht, so machen Sie es doch einfach genauso. Einfach ein paar Tausender leihen, das Geld ausgeben und schon fühlt man sich frisch wie nach der ökonomischen Reinkarnation. Liebe Erwachsene, liebe Kinder: Bitte nicht nachmachen!

Wo auch immer das hinführen sollte, zu mehr Arbeitsplätzen wies der Weg nicht. Allein der wachsenden Zahl der Menschen, die es gänzlich aufgegeben haben, eine Stelle zu suchen, ist es zu verdanken, dass die umfassende Arbeitslosenquote noch nicht weit über die 17% gestiegen ist. Diese Menschen fallen aus der total labor force heraus, auf die sich die Quote bezieht.

Gerade im Vergleich mit den Rezessionen der Vergangenheit ist die Entwicklung der letzten Jahre selbst bei aller Zurückhaltung nur als katastrophal zu beschreiben. Sehr schön auch der kleine Buckel, der den Einfluss der Volkszählung darstellt. Viel Lärm um nichts. Nicht zu vergessen ist ja selbst bei der schaurigen Kurve der immer noch beschönigende Einfluss des statistischen Allerleis des Bureau of Labor Statistics. Es sei an dieser Stelle etwa an das Birth-Death Model erinnert, das munter eine leicht positive Zahl an Arbeitsplätzen herbeizaubert.

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , ,

Ein Kommentar auf "Hilflos Inc."

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.