High Yield. Nachdenken nicht vergessen.

22. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott Das vergangene Jahr war eines der besten Jahre aller Zeiten für die Besitzer von High-Yield-Bonds. Selbst die breiten Benchmark-Indizes legten um mehr als 20% zu. Die starken Kursanstiege und das generell tiefe Renditeniveau verleiten weiterhin viele Investoren zum Kauf von Junk-Papieren. Angesichts der positiven Entwicklungen der letzten Jahre verlieren viele zusehends das Risiko aus den Augen…

Je schlechter die Qualität, desto besser Ertrag war das Motto des vergangenen Jahres. Die Eingriffe der Zentralbanken und das „jeder wird gerettet“-Prinzip locken auch ehemals eher risikoaverse Investoren wie Pensionskassen zum Kauf riskanterer Papiere.

Während die Bestände in Fonds und den Portfolios einiger Versicherungen munter anwachsen, schmelzen die Handelsbücher der Investmentbanken weiter ab. Damit sinken die Bereitschaft (Limite) und die Fähigkeit (mageres Eigenkapital) der Broker, Papiere schlechter Qualität zu halten. Von einer Pufferfunktion der Handelsbücher sollte man im Falle aufkommenden Verkaufsdrucks nicht ausgehen. Schon bei qualitativ besseren Anleihen ging in den vergangenen Jahren bei Anzeichen von Stress fast nichts mehr.

So lange der Markt steigt und nur wenige Anleger aus ihren Positionen heraus wollen, macht sich dies kaum bemerkbar. Im Gegenteil befeuert der dünne Markt sogar das Abschmelzen der Risikoprämien.

Die starken Anstiege der Indizes nach dem Einbruch in 2008 sollte man nicht als neue Normalität einstufen. Die Ausfallraten fielen von den extremen Niveaus der Jahre 2008 und 2009 rasant. Die rückläufigen Risikoprämien sorgten begleitet von drastisch sinkenden Zinsen für massive Kursanstiege bei fast allen Anleihen. Von den Werten vor der Krise sind jedoch selbst die Ausfallraten der letzten Jahre weit entfernt. Die sehr schwache wirtschaftliche Entwicklung fordert ihren Tribut. Die staatlichen Rettungsorgien und die Mikrozinsen wirken zwar stützend, aber Insolvenzen gibt es weiterhin.

Im vergangenen Jahr stiegen die Ausfallraten wenig überraschend wieder an. Mag der entsprechende Wert ausgefallener High-Yield-Anleihen und Kredite von umgerechnet 50 Milliarden Dollar im Vergleich zu den Krisenjahren 2008 und 2009 auch niedrig wirken, so gab es seit den siebziger Jahren, in denen Junk Bonds als „Produktidee“ neu vermarktet wurden, bezogen auf das ausgefallene Volumen nur fünf schlechtere Jahre.

Wie bei anderen Assetklassen profitieren vor allem diejenigen Investoren, die in harten Zeiten zugreifen. Nur dann sind die eingekauften Renditen in Bezug auf das eingegangene Risiko zumindest angemessen.

Davon sollte man derzeit nicht ausgehen. Viele bilanziell schwache Firmen halten sich allein wegen der niedrigen Zinsen über Wasser. Die Nachfrage von Investoren, die von dieser Assetklasse besser die Finger lassen sollten, drückt den Markt in neue Höhen Mit einer Verbesserung der Kreditqualität hat dies nichts zu tun. Leider sind es oft genau diese Anleger, die in einer schwierigen Phase den Finger wiederum nicht mehr vom Verkaufsknopf bekommen. Dummerweise ist dann wohl wieder einmal zu spät. Aber immerhin freuen sich dann wieder geduldigere Menschen über attraktive Renditen… (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "High Yield. Nachdenken nicht vergessen."

  1. FDominicus sagt:

    Ich bin der Meinung manche Papiere sollte man einfach meiden. Für mich zählen dazu alle Anleihen von-welchem-Staat auch immer. Wer Staatsaanleihen kauft stützt genau die Ausbeuter die uns quälen. Warum man das haben „wollte“ leuchtet mir nicht ein.

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