High Yield – Die Leiden fangen erst an

6. September 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Monate März bis Juni waren für Besitzer von Hochzinsanleihen schlecht für die Pumpe. Die kommenden Ausfallraten werden der Gesundheit der Anleger ebenfalls nicht zuträglich sein …

Der Anstieg der langfristigen Zinssätze hilft dem einen und schadet dem anderen. Für Pensionskassen und Instituitionen mit langfristigen Verbindlichkeiten sinkt der Druck. Für Unternehmen die finanzieren müssen, sieht die Lage anders aus.

Die niedrigen Zinssätze der letzten Jahre machten auch vor Kreditnehmern mit schlechter Bonität nicht halt. Die Jagd nach Rendite ließ manchen Investor vergessen, dass der Zins kein freiwilliger Obolus ist sondern eine Risikoprämie. Die Zinseinnahmen puffern die Verluste aus Zahlungsausfällen. Wer ein hohes Risiko für zu geringe Prämien eingegangen ist, dem werde noch einige finanzielle Schmerzen bevorstehen.

Wie in den Emerging Markets so tummelten sich auch im Hochzinssegment in der letzten Zeit viele Investoren, die sich Jahre zuvor bestenfalls zur Investition in Pfandbriefe hinreißen ließen, wenn eine Anleihe der Bundesländer nicht mehr genug abwarf. Nun ist dieses Vorgehen aus mindestens zwei Gründen gefährlich.

Zum einen liegen die wenigsten sofort falsch. Den Investoren bleibt si genügend Zeit und Muße, um auch in vergleichsweise illiquiden Märkten große Positionen aufzutürmen. Zudem kommt man mit dem Erfahrungsschatz aus der Pfandbriefanlage im High Yield Segment nicht furchtbar weit und unterschätzt möglicherweise die Geschwindigkeit und das Ausmaß, mit der die Zahl der Ausfälle in diesem Segment zunehmen kann. Steigende Zinsen sollten daher nicht als Lockruf verstanden werden, bestehende Positionen auszubauen, auch wenn dem einen oder anderen das gestiegene Renditeniveau bei den riskanterern Anleihen bereits attraktiv erscheinen.

Einer der wichtigsten Faktoren im High Yield Markt ist die Liquidität, die Handelbarkeit der Papiere. Diese ist manchmal vorhanden, manchmal nicht. Man kann rasch in einer Position feststecken, die dann munter 25% fällt, bevor sich überhaupt jemand dazu bequemt einen Geldkurs zu stellen. Das ist nicht verrückt, das ist normal. Verrückt ist es, in diesem Markt zu investieren und das nicht zu wissen. Es ist vergleichbar mit den gescheiterten „offenen“ Immobilienfonds, deren Verkäufer den Anlegern vorgaukelten, man könne aus illiquiden Anlagen hochliquide basteln. Das kann zeitweise gut gehen, kann aber auch böse ins Auge gehen. In der Regel geht es in die Hose.

Diese Liquidität ist so wichtig, weil sie zwischen dem Buchgewinn, an den einige immer noch glauben, und dem möglichen realisierten Gewinn stehen. Je illiquider ein Markt ist, desto weniger Anleger können sich zu einem bestimmten Zeitpunkt aus selbigem verabschieden. Und mit diesem Gedanken trägt sich offensichtlich nicht nur eine wachsende Zahl von Investoren, die noch vor einigen Monaten Fans der indischen Rupie, des Rand oder des Real waren.

Auch im High Yield Segment beginnt die Vertrauensschmelze. Dies zeigen die Schrumpfungen der größten High Yield ETFs… (Seite 2)

 

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