High Noon in Berlin: Große Koalition, große Aufgaben, große Worte

27. November 2013 | Kategorie: Gäste

vom Smart Investor

Gestern, kurz nach 12:00 Uhr war es soweit: Die Vorsitzenden der künftigen Koalitionsparteien traten vor die Mikrofone und vermeldeten ihre Einigung. Lediglich die Mitglieder-Befragung der SPD steht noch aus. Die aber dürfte positiv ausfallen…

Zum einen haben die Genossen nach überwiegender Einschätzung bei den Verhandlungen viel für sich herausgeholt, zum anderen machen die aktuellen Umfragewerte wohl wenig Lust darauf, das bereits Erreichte wieder zu verspielen.

Noch vor Weihnachten soll dann die Kanzlerin vereidigt werden, bevor es dann mit voller Kraft ans Werk geht – ein Werk, das es in sich hat. Schon jetzt haben eifrige Kommentatoren aufaddiert, dass die große Koalitionssause Mehrausgaben von 23 Mrd. Euro bedeutet.

Die Erfahrungen mit staatlicher Planung und mehr noch mit deren Umsetzung deuten darauf hin, dass es dabei nicht bleiben wird. Es war schon immer ein großer Unterschied, ob man mit Selbstverdientem wirtschaftet, oder mit dem Geld anderer Leute – übrigens eines der Argumente dafür, möglichst viel Geld bei denen zu lassen, die es auch erwirtschaften. Davon aber sind wir weit entfernt.

Auch Rekordsteuereinnahmen führen nicht zu nachhaltigen und/oder nennenswerten Haushaltsüberschüssen. Dazu entdeckt die Politik einfach viel zu viele kostspielige Betätigungsfelder, die nur sie für ihre einst souveränen, heutigen Mündel – die Bürger – bearbeiten zu können glaubt.

Nun gut, diesmal ist natürlich alles anders, denn die Kanzlerin hat sich ein hohes Ziel für die laufende Legislaturperiode gesetzt:

„Wir haben gute Chancen, 2017 sagen zu können, dass es den Menschen besser geht als heute.“

– sofern man in dieser verschnörkelten und letztlich inhaltslosen Bemerkung überhaupt ein konkretes Ziel zu erkennen vermag.

Juristische Ansprüche lassen sich daraus jedenfalls nicht gegen die neue Regierung oder die Kanzlerin ableiten. Apropos Beliebigkeit: Einig waren sich die Parteispitzen von CDU/CSU und SPD lediglich darin, dass diese Große Koalition eine der großen Aufgaben sei. Bei Merkel zerfielen diese „Großen Aufgaben“ in drei Felder: Solide Finanzen, Sicherung des Wohlstands und soziale Sicherheit. Gabriel setzte konkret andere Akzente und nannte die Stabilisierung des Euro und die Energiewende, weil die Welt auf Deutschland schaue. An Selbstbewusstsein fehlt es den Frischvermählten jedenfalls nicht.

Finanzielle Repression

Während die Regierung also für Wohlstand, soziale Sicherheit und solide Finanzen sorgen will – sind die Sparer mit ganz anderen Problemen beschäftigt. Der künstliche „Minizins“, so entdeckte man diese Woche bei n-tv.de, er löse eine „Regelrechte Flucht in Sachwerte“ aus.

Überraschen kann dies niemanden, vor allem Smart Investor Leser nicht, denn das Thema begleitet uns bereits seit geraumer Zeit. Das Stichwort „Financial Repression“ fiel bei uns schon vor zwei Jahren, in Ausgabe 11/2011. Sachwertanlagen favorisieren wir aber sogar praktisch seit dem Erscheinen des ersten Heftes im Mai 2003. Wie die Diskussionen der letzten Tage zeigen, ist beim Minizins auch noch lange nicht Schluss. Negativzinsen sind im Gespräch… (Seite 2)

 

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7 Kommentare auf "High Noon in Berlin: Große Koalition, große Aufgaben, große Worte"

  1. JayJay sagt:

    Den Sozialismus in seinem Lauf, halten weder Ochs, noch Esel auf.
    Frei nach Honecker (großer, früherer Vorsitzender des Polibüros der vereinigten Blockparteien)

    Er hätte seine Freude an dem gehabt, was jetzt in Berlin passiert.
    Der Sozialismus siegt, Freundschaft.

    😉

  2. bluestar sagt:

    Keinerlei Überraschungen. Es ist alles gekommen wie erwartet.
    Das Programm ist ein Mix aus platter Polemik und ökonomischem Schwachsinn.
    Vielen Dank an die 67,2 Prozent der Wähler, die diese Flachzangen gewählt haben.
    Die Regierenden und deren Programm passen genau zum Niveau von Zweidrittel unserer Bürger in Deutschland.

  3. MARKT sagt:

    „Vielen Dank an die 67,2 Prozent der Wähler, die diese Flachzangen gewählt haben“,
    dies sind aber nicht einmal 50% der Wahlberechtigten.

    • bluestar sagt:

      Ihre Berechnung ist mathematisch exakt. Politisch gesehen ist Nichtwahl aber eine Zustimmung/Genehmigung des Wahlvotums. Wer nicht wählt ist entweder politisch unmündig oder stimmt den Verhältnissen schweigend zu. Nichts tun ist immer die schlechteste aller Alternativen im Leben. Oder wurde schon jemals irgend etwas im Leben mit Verweigerung und ohne Tat verändert ?

  4. stephan sagt:

    Oh Gott! Erneut eine große Koalition der dummschwatzenden Nichtsnutze. Schlimmer konnte es nicht kommen, denn niemand (erst recht nicht die winzige Opposition) kann dieser geballten Ladung von Schädlingen Einhalt gebieten. Schon gar nicht, soweit sie sich in ihrem sozialistischen Umverteilungswahn einig sind. Der noch verbleibende, ohnehin kaum noch zu erkennende Rest der freien Marktwirtschaft, wird in den kommenden Jahren auch noch platt gemacht. Da bleibt einem wirklich nur noch Heinrich Heines Worte zu bemühen: Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht!

  5. Lickneeson sagt:

    Danke „bluestar“, schöner und treffender kann man es nicht formulieren.

    Wie hier seit Wochen heisse Luft breitgetreten wird und Belanglosigkeiten in unendlicher Breite auf allen Kanälen wiederholt werden zehrt am Nervenkostüm der (denkenden) Bürger. PKW-Maut für Autofahrer mit migrativem Herkunftsort sowie der unbeschreiblich wichtigen Double Unentschlossenheits Staatsbürgerschaft nebst einem elenden Gejammer der Wirtschaft, ein Mindestlohn (der nach 45 Jahren Beschäftigung dennoch den Gang zum Sozialamt erfordert!) würde dem Standort BRD schaden, waren also die Knackpunkte….unfassbar.

    Man muss als politiker schon Lichtjahre vom Bürger enfernt und/oder blind sein, um die Kernprobleme der Gegenwart und Zukunft nicht sehen zu wollen.

    Mit der Agenda 2010 haben wir den Grundstein für ein Alterarmut in der breiten Bevölkerung gelegt. Ein Erfolg war sie nur für die Konzerne und ihre Aktienkurse.
    Der Geldbedarf für die zukünftigen „Sozialrentner“ wird ähnlich steigen wie die Bilanz der FED. Aber was interessiert das heute die blasierten Politpuppen in Berlin?

    MfG

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