Hey, Super Mario, einer von uns beiden spinnt!

24. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Egon Wolfgang Kreutzer

So ungefähr unterschreibt einer der mächtigsten Männer Europas. Im Original finden Sie diese Unterschrift auf den Banknoten der Euro-Zone, gestochen scharf und sehr, sehr leserlich. Irgendwie hat Mario Draghi dafür unterschrieben, dass er Ihnen jederzeit einen Zehn-Euro-Schein geben lässt, wenn Sie mit einem Zehn-Euro-Schein zur EZB kommen und Geld dafür haben wollen.

Draghi-SignaturDas könnte ich auch unterschreiben. Und wenn Sie mit einem Fünfzig-Euro-Schein zu mir kämen, würde ich Ihnen auch einen dafür zurückgegeben. Andererseits ist diese Unterschrift natürlich ein Sicherheitsmerkmal, wenn auch nur ein ganz bescheidenes und besonders leicht fälschbares, das die Euro-Scheine fälschungssicher macht.

Dieser Mario Draghi hat die Geldschleusen weit geöffnet und lässt die EZB, der er vorsteht, Wertpapiere von den Geschäftsbanken aufkaufen. Gehen wir davon aus, dass die Vorstände der Geschäftsbanken nicht mit Blindheit geschlagen sind, dann werden sie nur solche Wertpapiere freiwillig an die EZB verkaufen, die ihnen noch wertloser erscheinen, als die Euros, die ihnen dafür gutgeschrieben werden. Es handelt sich beim QE-Programm also primär um so etwas, wie eine Altpapier-Sammlung mit einer hohen Vergütung für diejenigen, die ihr Altpapier zur Verfügung stellen.

Draghi erklärt uns jedoch, er kaufe diese Papiere auf, um den Banken Liquidität zur Verfügung zu stellen, die diese dann als Kredite an die Wirtschaft weitergeben können, wodurch die Konjunktur angeheizt werden soll, damit der Geldwert schwindet, weil in der Euro-Zone immer fast 2 Prozent Inflation jährlich gewünscht sind.

Gleichzeitig hat dieser Mario Draghi beschlossen, dass die Geschäftsbanken auf ihre Guthaben bei der Zentralbank keine Zinsen mehr bekommen, sondern, im Gegenteil, Zinsen zahlen müssen, womit der „Negativzins“ in der Euro-Zone ins Leben gerufen wurde. Die Begründung: Die Banken sollen ihr Geld nicht bei der EZB parken, sondern Kredite vergeben.

Das klingt, oberflächlich betrachtet, ganz schön und für so manche schwäbische Hausfrau sogar logisch, ist es aber ganz und gar nicht.

Im Gegenteil, ich halte die Begründung für den Negativzins für falsch und nehme an, sie ist erlogen, um den wahren Zweck dieser Aktion vor Otto Normalverbraucher zu verschleiern. Zeitweise fürchte ich allerdings, unser oberster Währungshüter glaubt selbst an das, was er da erzählt, und das wäre fast noch schlimmer als die gnädige Lüge.

Fakt ist, dass keine Geschäftsbank der Euro-Zone in der Lage ist, Geld, das die EZB geschaffen hat, an einen Kreditnehmer in einer Weise weiterzugeben, dass es infolgedessen nicht mehr als Guthaben einer Geschäftsbank in den Büchern der Zentralbank steht.

Die Banken verleihen kein Zentralbankgeld, sondern ausschließlich das von ihnen selbst in die Welt gesetzte Giralgeld. Beim Verleihvorgang selbst ist die Zentralbank in keiner Weise involviert, sie braucht dafür kein Geld zur Verfügung zu stellen. Das kann jede Geschäftsbank für sich alleine.

Erst wenn ein Kunde der Geschäftsbank von seinem Konto eine Überweisung auf das Konto eines Kunden einer anderen Geschäftsbank veranlasst, kommt die Zentralbank ins Spiel. Denn die 30.000 Euro, die Herr Huber, als Kunde der Commerzbank, für das neue Auto an den Autohändler Meier überweist, der sein Konto bei der Sparkasse München unterhält, muss ja schließlich auch aus dem Guthaben der Commerzbank entfernt werden und dem Guthaben der Sparkasse München gutgeschrieben werden, damit diese in der Lage ist, dem Autohändler Meier dieses Geld gegebenenfalls auch auszuzahlen.

Klingt kompliziert, ist aber im Grunde ganz einfach:

Die Commerzbank überweist von ihrem Konto bei der Zentralbank den Betrag von 30.000 Euro auf das Konto der Sparkasse München, und teilt dieser dabei mit, dass es sich dabei um das Guthaben des Autohauses Meier handelt.

Die Sparkase München besitzt also jetzt ein Guthaben bei der Zentralbank und Herr Meier hat das Recht, von der Sparkasse die Herausgabe dieses Guthabens zu verlangen, sobald er darüber verfügt.

Wir stehen vor zwei Kontenkreisen, die sich berühren, aber nicht durchdringen. Geld, das sich auf Zentralbankkonten befindet, wird, so lange es existiert, auf Zentralbankkonten zu finden sein. Es kommt da nicht raus!

Das ist bei der normalen Kontenführung der Geschäftsbanken nicht anders. Solange Geld zwischen den Konto-Inhabern hin und her überwiesen wird, hat zwar immer wieder ein anderer Anspruch darauf, aber es verlässt die Konten der Banken nicht.

Auch wenn der reiche Onkel seinem Neffen einen Kredit über 20.000 Euro gewährt und ihm diese 20.000 Euro überweist, bleibt das Geld auf einem Bankkonto. Überweist der Neffe die 20.000 weiter, ist es immer noch auf einem Bankkonto zu finden. Auch hier gibt es keinen Ausgang durch Kreditgewährung.

Gleichgültig, wie viele Kredite die Geschäftsbanken der Euro-Zone auch vergeben, das Zentralbankgeld, das ihnen die EZB beim Kauf von Anleihen gutgeschrieben hat, wird sich dadurch nicht auflösen, sondern weiterhin auf irgeneinem Zentralbankkonto einer Bank zu finden sein!

Also bezieht sich der Negativzins nicht etwa nur auf Geld, das von den Banken nicht genutzt wird, um Kredite zu vergeben, sondern auf die gesamte Menge des Zentralbankgeldes, denn dieses Geld kann nur von den Konten der Geschäftsbanken verschwinden, wenn die Banken selbst Kredite tilgen, die sie bei der Zentralbank aufgenomen haben, oder wenn sie Wertpapiere von der EZB kaufen, oder wenn sie Devisen erwerben.

Wozu führt also der Negativzins:

Der Außenwert der Währung wird gedrückt, weil Anlagen in Euro gegenüber anderen Währungen durch den Negativzins weniger attraktiv werden.

Ein sinkender Außenwert der Währung hilft der Exportindustrie, ihre Waren gegenüber der Konkurrenz um den Währungsvorteil günstiger anzubieten, stützt also den Export.

Ein sinkender Außenwert der Währung hilft jedoch auch ausländischen Anlegern, sich günstig mit Sachwerten aus dem Euro-Land einzudecken! Der Ausverkauf der öffentlichen Infrastruktur, gerne als „Privatisierung“ gepriesen, wird also durch die Geldpolitik der EZB beschleunigt – und die Nutznießer sind vor allem ausländische Anleger!

Weil aber der Euro nicht nur die Währung klassischer Weichwährungsländer ist, sondern auch die Währung Deutschlands, werden auch unsere Sachwerte auf den Weltmärkten viel zu billig angeboten und verscherbelt, während wir, die wir nur in Euro rechnen und bezahlen können, bei dieser Umverteilung von Sachwerten kaum mitbieten können!

Die EZB verscherbelt Europa – und tut alles, um diesen Prozess zu beschleunigen.

Dass dabei bei der EZB Devisenreserven anfallen, durch welche unter anderem auch die umlaufende Dollar-Menge reduziert wird, was den Kurs des Dollars, ganz unabhängig von der Schwächung des Euros, stützt, wirkt in die gleiche Richtung.

Nimmt man jetzt noch die Erkenntnis hinzu, dass ein Großteil der in Europa, vor allem aber in Deutschland produzierenden Exportunternehmen zu einem großen Teil längst im Besitz ausländischer Anleger sind, wird die Perfidie der EZB-Strategie erst richtig deutlich!

Die Leistung der deutschen Arbeitnehmer wird – einerseits durch die rigorose Arbeits- marktpolitik, andererseits durch die rigorose Sparpolitik – bereits billigst eingekauft, und kann nun auch noch, gestützt durch diese Währungspolitik, unter Generierung hoher Gewinne zu höchst konkurrenzfähigen Preisen auf den Weltmärkten verkauft werden, wobei nach den Waren eben auch ein großer Teil der Gewinne aus deutscher Produktion ins Ausland abfließt, womit die Anleger – dem billigen Euro sei Dank! – gleich wieder auf Einkaufstour gehen können.

Schröder, Clement, Müntefering und Consorten haben die Umwandlung Deutschlands in eine auszubeutende Kolonie auf den Weg gebracht, Draghis Währungspolitik vollendet diese Unterwerfung der Deutschen unter die Interessen ausländischer Kapitalisten!

Und er ist sich nicht zu schade, uns das Märchen zu erzählen, mit dem Negativzins auf Guthaben auf Zentralbankkonten wolle er die Banken zwingen, der Wirtschaft und den Konsumenten Kredite zu gewähren.

Noch einmal: Die Banken können Kredite vergeben, so viel sie wollen, die Belastung des Bankensystems durch Negativzinsen wird dadurch nicht verändert!

Ein zweiter Aspekt der Währungspolitik der EZB besteht zudem darin, die Last der Staatsverschuldung zu senken, weil die Zinsen für Staatsanleihen natürlich vom Leitzins der EZB mit in den Keller gezogen werden. Das entlastet die Haushalte, lässt in Deutschland sogar die Schwarze Null aufleuchten, was die Notwendigkeit von Steuererhöhungen reduziert, doch das schafft noch keine Entlastung der Bürger.

Wo Erspartes nicht die gewohnten Zinsen bringt, wo Lebensversicherungen und auch die Pensionsfonds großer Unternehmen verzweifelt nach Luft schnappen, weil man ihnen das Wasser abgegraben hat, ist die Ansage, die Steuern würden nicht erhöht, kaum ein Trost. Steuersenkung (!) im Umfang der Zinsausfälle, das wäre eine Kompensation, doch die wird wohl eher nicht zu erwarten sein.

Was also bringen QE + Negativzins für Europa?

Es gab eine Zeit, da waren sich Regierung und führende Ökonomen in Deutschland darüber einig, dass die Starke Mark wesentlich zu Prosperität und Wohlstand beigetragen und weder den Export behindert noch die Gewinne und Renditen geschmälert hat.

Es kann auch kaum ein Zweifel daran bestehen, dass diese Auffassung nicht nur in den Köpfen herumspukte, sondern dass ihre Richtigkeit von den Entwicklungen der Realität bestätigt wurde.

Wenn nun also das Heil in einer möglichst schwachen Währung gesucht wird, wage ich zu prognostizieren, dass es da auch mit noch so viel QE und Negativzinsen nicht zu finden sein wird! Der Ansatz ist falsch – und er wird durch die Verstärkung der Intensität nicht richtiger!

Wie selbstverständlich berichten die Wirtschaftsmagazine davon, dass die „Märkte“ von weiteren Geldspritzen abhängig seien. Wie selbstverständlich berichten die gleichen Magazine davon, dass infolge neuer QE-Ankündigungen die Aktienkurse in die Höhe schießen. Doch gleichzeitig stimmen die gleichen Magazine in das Wolfsgeheul mit ein, die Inflation sei zu niedrig und müsse mit noch mehr Geld endlich in die Höhe getrieben werden.

Doch auch hier findet sich ein weiterer, unter der Decke gehaltener Beweggrund für die Politik des billigen Geldes.

Die Realwirtschaft erlebt tatsächlich eher eine Deflation als eine Inflation. Das viele Geld kommt dort nicht an, soll dort nicht ankommen und kann dort nicht ankommen. Die Preise für Güter und Waren bewegen sich also nicht nach oben. Die Löhne stagnieren und die Ersparnisse werden nicht mehr verzinst.

Die großen Spieler in den Kasinos der Finanzwirtschaft gehen jedoch heute mit 10 Millionen rein ins Kasino und können sicher sein, wenn Mario wieder, wie jeden Monat, 60 Milliarden in den Jackpot wirft, morgen mit einer halben Million mehr wieder rauszugehen.

Die Inflation in der virtuellen Welt der Finanzssphäre stärkt also die Kaufkraft der Anleger gegenüber den realen Werten der Realwirtschaft.

Geld machen, im Kasino, wo es von der EZB praktisch umsonst in den Pott geworfen wird, und dann Sachwerte erwerben, um den Wert zu bewahren, das ist auch eine Strategie im Kampf, Arm gegen Reich, der 99 Prozent der Bevölkerung wehrlos ausgeliefert sind, während sich ein Prozent beinahe risikolos bereichern kann.

Jetzt kommt das Eigentumsrecht ins Spiel und das geschützte Vermögen der von jeder Haftung und Verantwortung entbundenen Aktionäre.

Es ist klar, dass die Inflation an den Finanzmärkten eines Tages, wie jede große Blase, in sich zusammenbrechen muss. Dies wird zwangläufig erneut dazu führen, dass die großen Banken in massive Schieflage geraten, wenn die Luft aus ihren Bilanzen entweicht. Da aber die Gewinne aus den guten Jahren längst an die Aktionäre ausgeschüttet sind, denen sie niemand wieder nehmen kann, haben diese bei ihrem Ritt in der heißen Luft Jahr für Jahr ihr Vermögen vergrößern können, während die bereits ausgeplünderte Allgemeinheit erneut alternativlos zur Rettung der Banken herangezogen werden wird.

QE und Negativzins sind Teil des Krieges, Arm gegen Reich. Und da dieser Krieg rücksichtslos auch gegen die wehrlose Zivilbevölkerung geführt wird, gehören die Strategen und Generäle, die diesen Krieg anzetteln und führen, vor ein Kriegsverbrechertribunal, das allerdings für Wirtschaftskriege und Wirtschaftskriegsverbrechen bisher nicht vorgesehen ist.

Finale Einsicht

Bedauerlicherweise handelt es sich bei alledem nur um eine vollkommen absurde Einzelmeinung, vor deren Übernahme und Weiterverbreitung nur gewarnt werden kann.

Und damit wissen Sie nun auch, wer hier spinnt. Mario Draghi ist es nicht, kann es nicht sein, denn der kämpft mit vollem Einsatz gegen die Deflation und zaubert dafür mehr Euros aus dem Hut als alle Falschmünzer aller Nationen seit Einführung der Banknote als Zahlungsmittel gemeinsam. Nur Spinner können ihn dafür kritisieren. Sorry, Jens Weidmann, Sie sind damit natürlich nicht gemeint.

Egon Wolfgang Kreutzer – Homepage

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7 Kommentare auf "Hey, Super Mario, einer von uns beiden spinnt!"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Ich habe mich 2009 (zugegeben in Panik) dazu entschlossen, keine Währung der Welt (bzw. deren Versprechen darauf) für meine private Altersversorgung zu benutzen.
    Nicht weil ich den Durchblick dazu hatte, dass alles den Bach abgeht, sondern aus dem Grunde, dass ich geldpolitisch nichts mehr verstanden habe.
    Und wenn ich den Beitrag von Herrn Kreutzer lese, dann habe ich zumindest begriffen, dass ich wirklich nichts verstanden habe.
    Wenn ich mit den Euronen, die ich für meine Minirente ausgezahlt bekomme, nicht auskomme, gehe ich zum Händler um die nächste Ecke und tausche eine Unze in Baumwolllappen um.
    Dann erhalte ich für eine Euro, den ich 2009 in Unkaputtbares umgetauscht haben,
    etwa 1,46 Euro.
    Wo hätte ich mehr Zinsen bekommen?
    Gut- von Aktien habe ich keine Ahnung, aber viele Bekannte, die ein Vermögen mit Aktien und an Beteiligungen verloren haben.
    Da ich aber keine Ahnung von der Börse habe /hatte, blieb mir nur Gold und ich hoffe, was tausende Jahre seine Kaufkraft behalten hat, wird auch noch den Rest meines Rentnerlebens seine Kaufkraft behalten.
    Was interessieren mich da Draghi und seine Machenschaften?
    Ich kann nicht das Finanzsystem und auch die Menschheit nicht retten, aber die Finanzen von meiner lieben Frau und von mir, und alles was über bleibt, bekommen unsere beiden Kinder.
    Und ich kann gut schlafen.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  2. cubus53 sagt:

    Nach dem Lesen dieses Artikels stellt sich mir die Frage. Wie kann man es besser machen ? Mein Antwort : das ist nicht möglich.

    Lassen wir das Geld ausser Acht und nehmen an, wir würden mit unseren Handelspartnern nur Waren tauschen. Germany baut z.B. Autos für China und China liefert uns dafür Computer. Wie soll festgelegt werden, wie viele Computer ein Auto wert sind ? Das ist völlig unmöglich. Auch ohne Geld wären Handelsbeziehungen ungerecht.

    Es ist richtig, dass eine Schwächung des Euro zu weniger Kaufkraft führt (aber nur für ausländische Produkte) und unsere eigenen Produkte dann billiger exportiert werden. Um beim obigen Beispiel zu bleiben, bekommen wir dann für ein Auto weniger Computer geliefert.

    Aber auch dieser Deal hat zwei Seiten. Dieser Deal führt auf der Seite der Computer-Hersteller zu erhöhter Arbeitslosigkeit mit der Folge, dass sich immer weniger ausländische Waren kaufen können.

    Fazit : es ist egal, an welchen Schrauben die EZB oder die FED herumdrehen. Das Hemd ist entweder oben oder unten zu kurz, und ohne Geld gäbe es auch keine gerechte Welt.

  3. Sandra sagt:

    Etwas Gesundes und daher Starkes für etwas Krankes zu opfern, damit das Kranke etwas länger überleben kann – widerspricht allen Regeln der Vernunft. Dies steht weder mit natürlichen noch mit wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten für eine positive Entwicklung in Verbindung. Wofür und wieso sollte ich solche Maßnahmen respektieren? Anordnungen von Deppen nehme ich absofort nicht mehr entgegen. Viele machen das so, daher hat es die Politik ja so schwer damit, noch irgendwas durchgesetzt zu bekommen. Nein, auch durch Machtdemonstrationen und Zwang wird dies nicht besser. Winke, winke!

  4. Leviathan sagt:

    Eine Frage:

    Verstehe ich es richtig, dass jede Euro-Geschäftsbank quasi ein Zwangskonto bei der EZB hat? …Das am Ende eines jeden Tages die Bank einen Saldo aus Forderungen und Vbk. bildet, und dieser dann automatisch bei der EZB entweder anzulegen ist (Überschussliquidität) – aktuell zu Negativzinsen -, oder aber zu refinanzieren ist (á Spitzenref-satz)?

    Bildlich gesprochen das Geschäftsbanken also sozusagen Individuuen in einer Welt ohne „Bargeld“ sind und ihr Konto bei der EZB haben.

  5. astroman sagt:

    Ach Herr Kreutzer, da bin ich 100% bei Ihnen. Wenn man 1 und 1 zusammenzählen kann, ist es schnell offensichtlich, dass ne Menge ausländischer Fonds und Investoren ohne ultrabilliges Geld auf Pump und bei einem realistischen Wechselkurs deutsche Unternehmen nicht kaufen könnten.

    Das ganze ist halt auch nicht als langfristig nachhaltig gedacht. Ich hab mich immer gefragt, wie man z.B. einen kleinen Dienstleister für ein paar Mio. kaufen kann, wo doch in den Sternen steht, ob der 30 Jahre lang hält, bis man den Kredit getilgt hat.

    Aber das ist halt die naiv-dumm-redliche Art zu investieren. Nämlich mit „echtem“ Geld und Rückzahlungsabsicht. Der Trick ist vermutlich wirklich, dass man nach der Übernahme sich selbst dicke Boni zahlt bzw. die Dividende einstreicht und schaut, dass man den privaten Schaden begrenzt, wenn die gekaufte Firma pleite geht. Vielleicht geht das im Ausland auch leichter; hier in Deutschland ist zumindest meine (begrenzte) Erfahrung, dass die Bank eh eine private Haftung der Kreditnehmer haben will. Da überlegt man sich jede Investition eh dreimal und lässt es dann sowieso bleiben, wenn man in einer gesätigten Branche unterwegs ist, wo die Kunden zudem stagnierende oder sinkende Budgets haben.

    Aber ist alles ahnungslose Spekulation. Die echten Raubtiere wissen, wie man das macht und die schreiben halt nicht im Internet, wie’s geht und dass sie es machen.

    Revolution von unten in diesem Punkt wird nicht passieren; alles viel zu abstrakt und im Zweifel ist die Unwägbarkeit der Zukunft nach der Revolution das größere Übel. Von oben wird auch nix passieren, dafür sind unsere Politiker weder weise noch mächtig genug. (Es gibt schon welche, die das sehen und auch was tun. Aber die kämpfen halt gegen Windmühlen. Hab da mal auf arte ne Doku gesehen über eine Abgeordnete die in Frankreich was nach der Bankenkrise bewegen wollte. Die ging am Ende auf dem Zahnfleisch und die – Verzeihung, aber so war es visuell wirklich – alten dicken Männer haben’s einfach ausgessen und sie ausgelacht.)

    Wer mal richtig schlecht drauf kommen will, dem sei Profit Over People von Noam Chomsky angeraten. Das hab ich so um 2003 rum gelesen. Also noch lange vor den heutigen Zuständen. Das Prinzip ist verumtlich so alt wie die Menschheit: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Das war mir damals ein ganz neues Konstrukt. Als dann die Banken umgekippt sind und die Rettungspakete geschnürt wurden, wusste ich zumindest gleich, was da läuft. (Nicht, dass dieses Wissen dann irgendwas nützt.)

  6. Incamas SrL sagt:

    Das Nettovermögen der Masse der deutschen Haushalte ist nach Daten der Europäischen Zentralbank niedriger als in jedem anderen Euroland. Das Medianvermögen beträgt hierzulande 51.400 Euro – in Zypern 266.900 Euro. ist eines der Ergebnisse einer mit Spannung erwarteten Umfrage der Euro-Notenbanken zu Armut und Reichtum in ihren Ländern. Das Median-Vermögen – eine Hälfte der Haushalte hat mehr, die andere weniger – beträgt im Euroraum rund 109.000 Euro.

  7. moneyman sagt:

    Vielen Dank für den sehr guten Artikel! Endlich mal jemand der den Zusammenhang der beiden Geldkreisläufe richtig (und verständlich) erklärt. Als Ergänzung ist noch zu sagen, dass die einzige „Schnittmenge“ beider Kreisläufe das Bargeld ist, das sich in den Händen der Nichtbanken (Privaten) befindet. Zentralbankgeld M0: Guthaben der GB und Bargeldguthaben der GB. Geldmenge M1: Bargeld und Sichtguthaben der Nichtbanken. Nur hier findet ein Austausch beider Kreisläufe statt.
    @Incamas: Es gibt kein „Nettoguthaben in einer Volkswirtschaft. Die Summe der Schulden ist immer gleich den Vermögen (Forderungen) . Das muss in einem Kreditgeldsystem immer so sein. Dies kann man übrigens sehr einfach bei der Bundesbank nachlesen. Die Gesamtverschuldung ALLER Sektoren (Statt, Private, Unternehmen) beträgt ca. 10,5 Bio. Euro. Ja, auch Private und Unternehmen haben Schulden. Das Gesamt-„vermögen“ (Immobilien, Unternehmen und Geldguthaben beträgt auch 10,5 Bio. Euro. Komisch das immer nur über die Staatsschulden gesprochen wird!
    Eine Lösung des Problems gibt es natürlich: Die radikale Änderung unseres Geldsystems. Die „Austrians“ haben dazu schon vor 90 Jahren richtige Vorschläge gemacht. Einfach mal Ludwig von Mieses lesen. Aber wir müssen gar nicht so weit zurückgehen. Das Buch von Thomas Meyer: „Die neue Ordnung des Geldes“ legt einen praktikablen Vorschlag vor, der schnell umgesetzt werden könnte. Dadurch wäre das Hauptübel, nämlich die Geldschöpfung „aus dem Nichts“ der GB nicht mehr möglich. Selbst eine Golddeckung wäre nicht zwingend notwendig. Die Tatsache, dass solche Vorschläge noch nicht einmal öffentlich diskutiert werden, sagt eigentlich alles, über die Bereitschaft von Politik und Finanzwelt, die Probleme wirklich und nachhaltig zu lösen aus. Man hat sich entschieden, die Sache bis zum „bitteren Ende“ für 99% der Menschen (wieder einmal) durchzuziehen. Schade!

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