Heute im Angebot: Fehler von gestern!

6. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Glaubt man Oma, so haben viele Sachen früher länger gehalten. Ob dies auch beim Gedächtnis der Fall ist? Ein Blick auf die rege Emissionstätigkeit bei Papieren mit schlechter Qualität deutet darauf hin. Vielleicht ist es aber bereits ein neues Wirtschaftsparadigma: Ein gewisser Grad an Unfähigkeit ist die beste Überlebensstrategie…

Nicht nur im Bereich der covered bonds, auch bei den Junk Bonds, Papieren aus niedrigen Ratingkategorien, blühte in den letzten Monaten der Emissionsmarkt förmlich auf. Wie bei dahinscheidenden Pflanzen hinterließ diese Erscheinung im Auge des Betrachters den Eindruck einer Hungerblüte. Die Bereitschaft breiter Anlegerschichten zum Kauf der Emissionen war gewaltig, die Rendite konnte ihre lockende Wirkung erneut entfalten. Island – weit weg! Staatspleite – bah! Margenkompression – nie gehört!

Das Volumen qualitativ schlechter Papiere war im laufenden Jahr bereits so groß, dass bei einer konstanten Emissionsrate sogar ein neues Allzeithoch erreicht werden könnte. Angesichts der trüben Wirtschaftszahlen und wohl ausgelutschter Gewinnmargen ist die Gier auf Rendite unter Risikogesichtspunkten schwer verdaulich. Seit 2007 ist kein einziges strukturelles Problem gelöst worden, dennoch kocht der Emissionsmarkt für Ramschpapiere auf ähnlich hoher  Flamme wie im Vorkrisenjahr 2007.

Aus Sicht der Emittenten ist der rege Verkauf eigener Anleihen sehr gut nachvollziehbar. Viel billiger wird man vermutlich  als schwaches Unternehmen so rasch nicht wieder an Kredite kommen. Das ist die Gelegenheit, den Schwamm noch einmal so richtig nass zu machen. Für zahlreiche Firmen bedeuten diese Gelder zumindest einen Zeitgewinn. Unternehmen, die Verluste schreiben, werden aber durch diese Kredite – oft handelt es sich lediglich um Refinanzierungen alter Schulden – nicht zu besseren Firmen. Wer vor der Emission Mist produziert hat, macht dies auch nachher. Er hat allerdings die Chance, sich zu ändern oder wenigstens später zum Konkursrichter zu gehen.

Im Gegensatz zu den Emittenten ist die Motivation der Käufer fragwürdig. Was reitet einen Investor, auf dem aktuell lächerlichen Niveau und vor dem Hintergrund ungelöster Strukturprobleme in diese Papiere zu investieren? Wäre der Markt ausgebombt und die Renditeaufschläge hoch, so könnte man sicherlich so manch gute Gelegenheit finden. Die aktuellen Spreads geben das aber beileibe nicht her, vielmehr ist das vielzitierte Goldilocks-Szenario eingepreist… (Seite 2)

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4 Kommentare auf "Heute im Angebot: Fehler von gestern!"

  1. Frank2 sagt:

    Ich weiß zwar nicht, ob es hier rein paßt…
    Ich saß vor einigen Monaten vor einem Bankberater. Der Obervermögensverwalter seiner Bank hatte grad Gold verkauft und dies auf cnbc verkündet. Ich sagte also mal ganz lax „Ja, ist der denn irre?“ Eins kam zum anderen und dann sagte mir der wirklich nette Mann, daß er privat in griech. Anleihen investiert hätte. „Die EZB läßt einen default nicht zu“ = sichere Wette.
    Ich fragte mich, ob man als Bankmensch mehr Durchblick haben kann, denn mir fiele das im Traum nicht ein. Aber auch Paulson wurde grad gemeldet, machte mit Lehman(?) Papieren einen Berg von Geld.
    Meine Erkenntnis ist also: Ich bin da zu doof zu! 🙂

  2. quest sagt:

    Das Problem ist doch stets das gleiche: Wohin mit dem überquellenden Geldvermögen?

  3. Takuto sagt:

    Eine geniale Analyse, die wieder eines zeigt: der nächste Crash ist unausweichlich. Allerdings deutet diese Analyse darauf hin, dass wir noch ein, zwei Jahre Zeit bis dahin haben, was ich aber nicht glaube, wenn ich mir die übrige Situation anschaue. Celente tippt ja auch auf die zweite Jahreshälfte 2011.

  4. bigpuster sagt:

    ich bin mir sicher, dass es einen default geben wird. Aber zunächst müssen die Bankenund Versicherungen genug Zeit bekommen haben, ihren Dreck loszuwerden. An die EZB oder an uns. Todsichere Anlage…davon hatte ich in den letzten Jahren viele Empfehlungen…alle Tod

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