Hessen wählt hässlich

7. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die armen Straßenlaternen, die armen Bäume! Was für eine bunte Last haben sie in den letzten Tagen in Hessen tragen müssen? Trügen sie jetzt schon Früchte, hätten sie diese schon vor der Blüte abgeworfen. Nun aber war schon im März zur Wahl in Hessen aufgerufen…

Rot, Grün, Schwarz, Gelb, Blau, Braun. Alles so bunt hier gewesen in den letzten Wochen. Das Innovativste aber war der Einsatz von Photoshop. Hey Klasse! Die dicke Frau hatte plötzlich 30 Kilo weniger auf dem Plakat – und gut sitzende Haare. Dazu die obligatorische „Daumen hoch!“ – Pose. Auch die FDP ist wieder da. Diesmal mit Bauarbeiter-Handschuhen über den manikürten Fingern. „Für alle, die mehr grün wollen“, plakatieren die Grünen. Wer grün will, könnte auch in die Biotonne schauen, oder die vergessenen Scheibletten im Kühlschrank bewundern. Die Wahl zwischen Rot und Schwarz ist mindestens so schwierig wie die  beim Roulette in der Spielbank in Wiesbaden.

Der Inhalt an Inhaltslosigkeit ist schwer zu übertreffen. Zumindest verschmutzt er für eine gewisse Zeit die Landschaft durch Unterlassung und manchmal auch die Zukunft, wenn sie eine hat. Auch die Haltbarkeit der Plakate hat sich verbessert, was die Kosten für die Entsorgung als „Sondermüll“ erhöht. Ich finde wenig Wegweisendes. Woher auch, wenn die Chefs im Bürgeramt über Taschenlampen verfügen, aber über keinerlei finanziellen Spielräume.

Das Dumme ist, dass Fernsehprogramm und Wetter an Wahltagen zu unberechenbaren Größen geworden sind. Ersteres könnte man ja ändern. Die meisten fragen sich, was ihre Stimme bewirken könnte und machen bei „Nichts“ ihr virtuelles Kreuz. Glücklicherweise verschwinden in Kürze die Plakate, der Alltag übernimmt und damit die Berliner Politik. Loriot hatte schon Recht: Der passende Platz für einen Politiker ist das Wahlplakat, weil er dort vor allem wieder leicht zu entfernen sei. 

Ich rate Ihnen, setzen Sie beim Radfahrer einen Helm auf! Auch als Fußgänger ist das in Wahlkampfzeiten angebracht. Man möchte zu gern und zu oft gegen Masten und Bäume fahren, weil sich die Leute dort mit Versprechen nicht lumpen lassen. Es kostet ja erst einmal nichts. Aber dann, woher soll nur das Geld für die Aussagen kommen? Ich habe davon so wenig Ahnung wie diejenigen, die vorgeben, davon zu viel zu besitzen. 

Den Kommunen fehlt es an allen Ecken und Enden – und das, obwohl Steuer und Abgaben so hoch sind wie noch nie – und der Finanzminister angeblich im Geld schwimmt. Das aber ist schon verplant. Die Berliner Politik warnt vor einer Spaltung, ohne sehen zu wollen, wie sie diese vorantreibt.

Die armen Leute auf den Plakaten. Wird man sie später auf ihre Sprüche festnageln? Oder ist es wie immer, dass der Mensch nach sechs Monaten auch das vergessen hat? Nix für ungut, die photogeshopten Leute dort wollen die Welt besser machen. Wenn aber die Versprechen der letzten Jahrzehnte eingelöst worden wären, müsste man sich etwas Neues ausdenken. So aber kommen sie immer und immer wieder mit ihren alten Vorhaben ohne Geld, aber neu verpackten Parolen daher. Es funktioniert ja. Die Leute glauben es, zumindest diejenigen, die nicht gegen die Masten und Bäume gelaufen sind. 

Das „WIR gewinnt? Wer ist „WIR“?

Während in der DDR die Wahlbeteiligung immer bei 99,9% lag, ist das heutzutage etwas anders. Man könnte schleunigst ändern, dass jeder nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht zur Wahl hat.

Am Nachmittag hieß es in der Frankfurter Neuen Presse… (LINK)

Bei den Kommunalwahlen in Hessen hat sich bis zum Mittag eine deutlich höhere Wahlbeteiligung abgezeichnet als vor fünf Jahren. In der Landeshauptstadt Wiesbaden lag die Beteiligung nach Angaben des Wahlamtsleiters um 12 Uhr bei 11,7 Prozent – 2011 waren es nur 10,5 Prozent gewesen.

Hurra! 11,7 Prozent! Großartige Erfolge! Sieben von acht Leuten lagen mittags offenbar noch im Bett! Experten hatten damit gerechnet, dass mehr Leute zur Wahl gehe werden. Am Abend waren sie dann überrascht und korrigierten ihre Prognosen solange, bis sie passten. Wie immer nach 18 Uhr fragten dann Experten die Experten nach ihren Einschätzungen, bevor die „Lindenstraße“ in der ARD anlief.

Schauen wir mal nach Frankfurt…

Nach der Auszählung der Hälfte der Stimmen lagen dort CDU und SPD bei 24 Prozent. Die Grünen kommen auf 14 Prozent, die AFD auf 12 und die Linke auf acht Prozent. 

Wahlbeteiligung: 37,3 Prozent und damit fünf Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren. Historisch so niedrig wie noch nie! Wenn das keine Erfolge sind! Rechnen wir das mal anders: Die Nichtwähler gewinnen die Kommunalwahl mit 63 Prozent. Wir präsentieren Ihnen hiermit das offizielle Wahlergebnis. Leichte Schwankungen bis zur Endabrechnung sind noch einzukalkulieren.

Wahlergebnis inkl. der Nichtwähler in Boom-Town Frankfurt

Nichtwähler: 63 %

CDU: 9,1%
SPD: 8,7%
Grüne: 5,6%

FDP: 2,9%
AFD: 3,8 %
Linke: 2,9 %

Die Stimmen von 37% der Wahlberechtigten regieren künftig die Stadt. Das ist sicherlich ein großer Erfolg. Dabei war Frankfurt so zugeklebt, dass es deswegen zu einigen Staus kam – wegen der frohen Botschaften aus einer noch besseren Welt. Wie undankbar! Oder abgenutzt? Löblich aber war die Länge der Botschaften auf den Wahlplakaten, dass man sie bei Tempo 100 aus dem Auto heraus noch verstehen konnte, wenn man Interesse daran hatte.

Vielleicht aber wetteifern die Oberflächlichkeiten auf den bunten Bildern auch nur mit der Oberflächlichkeit der Leute, während sich beides zu überholen scheint. Dennoch funktioniert es. Sonst hätte man es ja anders machen können. Ist es die Ideenlosigkeit? Oder die eingeschränkte Möglichkeit, dass es nur heißen kann, große Klappe, aber finanziell wenig dahinter?

Dann wundert sich der Fachmann, dass die Leute das Wahllokal meiden, um dort im Lokal ihre Stimme in eine Urne zu versenken. Die Wahlzettel waren diesmal besonders groß. Sie sahen aus wie Tapetenrollen XXL. Da ist der Wähler überfordert wie mit so Vielem heutzutage. Immerhin weiß er, wie er Wasser auf dem Ofen anbrennen lassen kann.

„Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten“, schrieb Kurt Tucholsky. Und so freuen wir uns auf die nächsten Aktionen der gesellschaftlichen Unterhaltung ohne Folgen. Nach der Wahl ist vor der Wahl – mit einer kleinen Atempause zwischendurch und der Sicherheit, dass man wieder die alten Sprüche bedienen kann. Mit „vorwärts immer, rückwärts nimmer“ hat der olle Honecker den Spruch anscheinend gepachtet. Ob seine Frau Margot daran die Rechte hält? Wir wissen es nicht. Wenn nicht, stünde dieser Satz heute schon öfters geschrieben.

 

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24 Kommentare auf "Hessen wählt hässlich"

  1. MFK sagt:

    Wow, wenn man es schafft 10% der Wahlberechtigten hinter sich zu versammeln, wird man Bürgermeister einer deutschen Großstadt. Da ist ja Putin besser demokratisch legitimiert.

    • Skyjumper sagt:

      Deswegen ist es ja auch „gefährlicher Quatsch“ (Junge Union auf Plakaten), bzw. „böswillig und undemokratisch“ (Stuttgardter Bürgermeister) wenn man (gemeint ist die AFD) die Bevölkerung darauf hinzuweisen wagt dass in einer Demokratie die Wahlen inklusive Stimmauszählung öffentlich sind, und das jedermann dieses Recht als Wahlbeobachter wahrnehmen darf.

      Doch was schert unsere Politikerkaste schon die Demokratie? Wie sagte Hartmut Honka (CDU) so bezeichnend:
      „Was ist schlimmer? Stimmen fäschen oder ein Sitz für die AFD?“

      In unserer Demokratie moderner Prägung finden politische Diskurse eben nur noch unter denen mit jeweils gleicher Meinung statt. Alles andere würde uns Bürger auch bestimmt überfordern.

  2. Falkenauge sagt:

    Ein traurig-wahrer Artikel.

  3. Stefan sagt:

    Viele Leute denken einfach das es ohnehin kein Sinn macht wen man wählt, ein nennenswerten Unterschied zwischen SPD und CDU gibt es ja nicht mehr.

  4. bluestar sagt:

    „Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten“, schrieb Kurt Tucholsky.“
    Naja, manchmal ging es doch in die Hose und dann gab es einen Militärputsch oder Attentate und alles war wieder im Lot der Machtfrage.
    Natürlich können Wahlen nach westlichen Werten etwas verändern.
    Zum Beispiel die Haarfarbe, den Körperumfang, Dialekt oder das Geschlecht der Spitzenkandidaten. Die Ansprüche der Leute sind einfach zu hoch, deshalb folgen zwangsläufig Enttäuschung und Verweigerung. Im Feudalismus war die Sache klarer und überschaubarer, ohne Illusionen und sinnlosen Versprechungen geregelt, was allerdings für die Mächtigen wesentlich gefährlicher war. Wer kennt heute schon das wirkliche Machtzentrum ?

  5. Argonautiker sagt:

    Man gewinnt immer mehr den Eindruck, daß die Politiker denken, daß man die Welt ebenso Photoshoppen könne, wie die Plakate, wenn man es nur immer wieder schaffte, die Lügen gekonnt genug über die Wirklichkeit zu legen. Das hochgelobte Photoshopsche Multilayering wird entsprechend durch eine Vielschichtigkeit der Lügen erzielt.

    Doch das generalisierte, aber inhaltslose „wir schaffen das“, bröckelt nun doch ein wenig, und gibt, wie abblätternder Firnis, auf einem übermalten Gemälde, das ursprüngliche grausame Bild der Wirklichkeit frei, und man möchte am liebsten alles wieder rückgängig machen, was im Schatten der Photogeshoppten Ersatzwirklichkeit, die Sanktionen und Waffenlieferungen hervorgerufen haben.

    Es gibt nur ein riesiges Problem. Die Würfel sind gefallen. Die westliche Politik hat die Länder so destabilisiert, daß 60Mio Menschen auf der Flucht sind. Das kann man nicht mal eben wieder so umkehren. Das ist das Resultat der vergangnen Politik, und kein äußeres ach so böses Schicksal.

    Ich frage mich, warum da überhaupt noch einer Wählen geht? Würden Sie einem Architekten, dessen Häuser nach und nach mangels gravierender Planungsfehler anfangen zusammenzustützen, immer und immer wieder einen Auftrag nach dem Anderen geben?

    Wenn man mal den Blick auf des kleine Island wirft, die einmal den Mut hatten, die komplette Regierung abzusetzen, Bankster verhaften ließen, und eine reine Laienregierung aufstellte, mit der sie übrigens weitaus besser fuhren, dann ist ein kollektives nicht Wählen alles andere, als so eine Unmöglichkeit, wie sie immer dargestellt wird. Keine CDU. Keine SPD. Keine Grünen, Gelben, AfD, und was auch immer.

    Wenn man immer nur das bessere Übel gewählt hat, muß man sich nicht wundern, wenn die Welt immer Übler geworden ist.

    • FDominicus sagt:

      Ich kann Ihren Argumenten folgen. Nur ein Problem: In Deutschland machen Parteien die Gesetze. Ohne Partei kein Gesetz. Man kann sich natürlich schon mal überleben um was für eine Regierungsform es sich handelt.

      • Argonautiker sagt:

        Natürlich haben Sie Recht, wir leben in einem Karton auf der schillernd demokratisch steht, in der sich aber inhaltlich ein Diktat befindet.

        Etikettenschwindel nennt man das, und das ist rechtswidrig. Damit währen wir wieder beim Punkt, daß unsere Politik gegenüber unseren Gerichten Weisungsbefugt sind, was den Gerichten in der Umsetzung des Rechts gegenüber der Politik die Hände bindet.

        Faktisch gibt es also keine Gewaltenteilung in diesem Land. Gewaltenteilung ist jedoch DIE Grundlage in einer Demokratie. Eine politische Weisungsbefugnis gegenüber den Gerichten gibt es deshalb auch in kaum einem anderen europäischen Land mehr.

        Leider ist das spezielle Europa, um was unsere Kanzlerin da gerade so gnadenlos kämpft, ja noch viel schlimmer. Der Ring der Macht, der alle Anderen unter sich zu einen trachtet. Ein Vorzeigediktat einer bürokratischen Bande in Brüssel, deren Herren wiederum noch ganz wo anders sitzen. Ungewählt, unantastbar, vollkommen immun.

        Man benutzt die schöne Idee eines geeinten Friede-Freude-Eierkuchen Europas, um eine noch wesentlich umfänglichere Diktatur darin zu verstecken. Man tut so, als wären die, die sich nicht dem derzeitigen Willen Europas beugen, per sé gegen ein Europa, was ja nicht stimmt. Ich für meinen Teil möchte lediglich nicht DIESES über Brüssel diktierte Europa, für das Merkel steht.

        Man will Europa diktieren, und es nicht demokratisch aus seinen Teilen zusammenwachsen lassen. Eine vollkommene Planwirtschaft, mit Merkel, als oberplanenden Diktator. Sie tut so, als wäre ihre Art von Europa alternativlos. Und das stimmt nicht, und dagegen wehren sich immer mehr. Gut so. Nur von dort, wo es eine echte Gewaltenteilung gibt, kann es geschehen.

        Merkels Zauberwort, „Alternativlos“, klingt immer so unscheinbar, aber alternativlos bedeutet faktisch keine Wahl zu haben. Keine Wahl zu haben, bedeutet nicht mehr frei zu sein, denn Freiheit definiert sich dadurch, daß man IMMER eine Wahl hat. Ist etwas alternativlos, hat man keine Wahl. Hat man keine Wahl, braucht man auch nicht wählen zu gehen, weil das eben soundso nichts bringt.

        In einer auch dual angelegten Welt, (und so lange wir noch Nord- und Südpol haben, leben wir in einer Solchen), hat man aber immer eine Wahl. Eine Monopolare, alternativlose Welt ist auf der Erde durch ihr „So Sein“, nicht möglich.

        Jemand der jedoch denkt, daß etwas alternativlos ist, ist in einem inneren Wahn. Tunnelblick. Fixiert auf etwas, schließt derjenige gedanklich alles Andere aus. Das ist geistig pathologisch, also Geisteskrank. Folgt man jemandem, der leugnet, daß es eine andere Wahl gibt, versammelt man sich mit ihm an einem der beiden Pole und erzeugt damit ein Übergewicht, dieses Pols. Die Folge ist, je totaler dies geschieht, daß das polare Gleichgewicht sogar soweit gestört wird, und es kippt. Im Geologischen wäre das ein Polsprung, im politischen der Zusammenbruch einer Diktatur.

        Menschen die denken, daß ihr Weg alternativlos ist, machen sich selbst zu Gott, weil dies die einzige Kraft ist, die Monopolar und damit alternativlos ist. Diese Position ist jedoch nicht vakant. Eine alte Mythologie beschreibt eine Gestalt, welche sich die alternativlose Position Gottes anmaßen wollte. Luzifer. Es endete in der Zerstörung durch Spaltung der Einheit.

        Derzeit haben sich mal wieder viele Menschen, die sogenannten Herrscher, eine Übermenschliche Position an sich gerissen, und meinen, vereinbarte Regeln gelten nur für Andere, und sie seien Die, welche alleinig über diese Regeln zu befinden haben. Allein ihnen ist es zuzuschreiben, daß wir alternativlos in die Zerstörung treiben.

        Tag um Tag treffen sie Entscheidungen, die zig Menschen das Leben kostet, aber wehe, wenn andere Menschen Entscheidungen treffen würden, die ihnen das Leben kosten würde. In sich selbst gefangene narzistische Heuchler, die sich ein Konstrukt von selbstgefälligen Regeln basteln, das sie nährt, und sich nicht dem Leben stellen.

        Viren.

    • Skyjumper sagt:

      Ach wie gerne ………. würde ich glauben das Ihre Worte wahr werden könnten. Aber da Sie zumindest die Kasperlefiguren, die sich da immer wieder zur Wahl stellen, nicht davon abhalten können sich selbst zu wählen, kann Ihr Vorschlag nicht funktionieren.
      Selbst wenn kein anderer Wählen ginge als nur die Kandidaten der Politikerkaste würde das bei unserem Wahlrecht bereits reichen. Es gäbe dann zwar nur eine Wahlbeteiligung von 0,x %, aber CDU/CSU/SPD/GRÜNE etc. würden sich auch dann noch die Mandate in den Parlamente ganz legal und „demokratisch“ aufteilen.

      Nein! Wenn Sie etwas ändern wollen (gewaltlos), dann müssen Sie wählen gehen. Selbst wenn Sie Ihr Kreuz im Blindflug im unteren Bereich des Wahlzettels machen erreichen Sie damit mehr als wenn Sie gar nicht wählen. Jeder Nichtwähler unterstützt im geltenden Wahlrecht die etablierte Politikerkaste. Wer mit den herrschenden Zuständen unzufrieden ist darf sich nicht zurücklehnen. Wenn 63 % bisherige Nichtwähler ihr Kreuz bei „bibeltreuer Christen“, „Partei der Nichtwähler“ oder sonst einer der exotischen Randparteien macht, DAS würde einschlagen wie ein Bombe im Politbetrieb. Denn nur dann steht in der Ergebnisübersicht bei der CDU ein Wert von 9,1 %, nur dann wären vielleicht 15 Parteien im Parlament und eine Mehrheitsbildung (vermutlich) nicht mehr möglich. Nur dann wäre der Politbetrieb ernsthaft gezwungen sich mal zu bewegen, umzudenken.

      • Argonautiker sagt:

        “ Jeder Nichtwähler unterstützt im geltenden Wahlrecht die etablierte Politikerkaste.“

        Stimmt natürlich, und das ist ja auch der magische Satz, mit dem man dann doch wieder alle an die Wahlurne bringen, damit sie ihre Stimme in selbiger versenken.

        Nein ich glaube schon, daß nicht wählen etwas bringen würde, weil auch das Bundesverfassungsgericht unser Wahlgesetz für illegal erklärt hat. Man müßte es als Mensch nur einfordern.

        https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2012/07/fs20120725_2bvf000311.html

        Lediglich die Weisungsbefugnis der Politiker gegenüber den Gerichten, läßt sie das Urteil einfach übertreten, weil, wenn Richter das umzusetzen versuchten, sie einfach entlassen werden können.

        Aber Gemeinsam, also die Menschen, mit den Gerichten, und der Gehorsamsverweigerung des offiziell bewaffneten Teil der Bevölkerung gegenüber der immer gesetzloser werdenden Politik, ginge schon was, auch gewaltlos. Man kann auch Regierungen zur Einhaltung der Gesetze bringen. Denn eins darf man nie vergessen, „DIE“ können nur manipulieren, mehr nicht. Das leider sehr gut.

        Ihr Vorgeschlagener Weg mit dem Kreuz bei Mini Minderheiten geht natürlich auch. Lediglich das ängstliche schlüpfen in Mehrheitsparteien unterstützt „DIE“.

        Leider ist es wahrscheinlich viel wahrscheinlicher, daß die Meisten Wähler wohl immer noch einigermaßen zufrieden mit dem sind, was die Regierungen da tun. Sie denken, daß die Krisen, welche die scheinbar bewältigen, von Außen kommen, anstatt zu sehen, daß diese Krisen von deren Regierungsweise erst hervorgerufen werden.

      • Skyjumper sagt:

        @ Argonautiker

        Vielen Dank für den Link, zu dem ich gleich noch was sage. Zunächst aber ist leider genau diese Aussage von Ihnen der Kasus Knacktus:

        „Leider ist es wahrscheinlich viel wahrscheinlicher, daß die Meisten Wähler wohl immer noch einigermaßen zufrieden mit dem sind, was die Regierungen da tun.“

        Das BVG hat mit genau dem von Ihnen verlinkten Urteil (die Wahlgesetze sind zwischenzeitlich übrigens im vom BVG vorgesehenen Zeitrahmen angepaßt worden, das Urteil wird also nicht mehr übertreten) das geltende Wahlrecht gestärkt, indem es die Bedeutung des Verhältniswahlrechtes hervorgehoben hat. Es geht eben nicht um Mehrheiten im absoluten Sinne, sondern lediglich um das Verhältnis der ABGEGEBENEN Stimmen zueinander. Und solange Voßkuhle da Vorsitzender ist, ist auch unabhängig von dem Urteil keine Unterstützung des Volkes Seitens des BVG zu erwarten.

        • Argonautiker sagt:

          Na dann vielen Dank für das Update. Muß wohl ein leises Update des Wahlrechts gewesen sein. Habe davon nichts mitbekommen. Wo gibt es das nachzulesen?

          Würde Ihnen bezüglich unseres Justizsystems viel lieber widersprechen wollen, aber gerade in Punkto Verfassungsrichter haben Sie meist leider bitterst Recht, sodaß ich über dieses von mir angeführt Urteil schon erstaunt war, daß es überhaupt zustande kam. Das es nun wieder relativiert wurde anstatt wirklich demokratisiert wurde, ist traurig. Der Bundestag hat in der Bestimmung der höchsten Richter eben viel zu viel Einfluß, Das ist so, als wenn ein Kontrollorgan durch die bestimmt wird, die kontrolliert werden sollen. Oder der Marktverkäufer selbst die Eichung der Waagen vornimmt. 🙁 Der Marktverkäufer darf dies natürlich nicht, der Bundestag…

          Das zeigt leider wieder einmal mehr, wie unwahrscheinlich eine friedliche Änderung sein wird, auch wenn sie möglich wäre, wenn die Organe, die die Regierungen begrenzen sollten, diese auch im Sinne der Menschen wahrnehmen würden. Das Geflecht des Bösen ist jedoch äußerst gut organisiert. Das es mit dem Wirt fällt, von dem es sich nährt, ist jedoch ebenso gewiß. Nur eine Frage der Zeit wann sie es überreizen. Das Virale entspricht nicht dem Prinzip des Lebens. Da stehen wirkliche Gesetze gegen egoistische Regeln.

          Sie liegen natürlich vollkommen richtig mit ihrer Annahme, daß es falsch ist, nur das Wahlverhältnis zu bewerten, anstatt das wirkliche Ergebnis. 30% von 50% wären eben nur effektive 15%, und das klänge recht ärmlich. Also wird eine Mogelpackung konstruiert. So, wie es FDominicus auch schon in seinem Verhältnis von 11Mio zu 1,9 Mio für Baden Württemberg darstellte.

          Man stelle sich nur mal vor, Baden Württembergs Regierung müßte mit den Steuergeldern von ausschließlich denen auskommen, die sie gewählt hätten. Oder noch gerechter, Regierungen müßten mit dem Geld auskommen, was sie freiwillig von ihren Bürgern bekommen. Aber die Bürger werden eben gezwungen zu bürgen, und ihnen wird vorgeschrieben, mit wie viel sie zu bürgen haben.

          Die Bürger dürfen allerdings wählen, wer sie dazu zwingt. Die Ironie dabei ist, daß die Parteien, die ihnen am meisten Versprechen, sich daraus die Berechtigung ziehen, ihnen am meisten abzwingen zu dürfen. Wobei die Umverteilung der Gelder dann noch abenteuerlicher ausfällt.

          Wenn da mal eine Apokalypse reicht um uns davon zu befreien. 🙂

          Beste Grüße

          • Skyjumper sagt:

            So leise war das gar nicht. Es ist allerdings schon etwas her, ich meine im Frühjahr vor der letzten BT-Wahl. Goourgeln Sie am besten nach „Wahlrechtsreform Bundestagswahl“. Ev. gibt auch das Stichwort „Überhangmandate“ was her. Denn um die ging es im Kern.
            Die Reform, wie sollte es auch anders sein, stärkt die großen Parteien natürlich auch weiterhin. Ob allerdings ein gänzlich anderes Wahlrecht besser wäre? Da darf man Zweifel haben. In DE gibt es immerhin immer mal wieder neue, kleine Parteien die in Kreistage und Länderparlamente einziehen. In Ländern mit reinem Mehrheitswahlrecht, z.B. England od. Frankreich, können kleinere Parteien (UKIP, FN) zwar durchaus viele Stimmen einsammeln, aber wenn sie den Wahlkreis nicht gewinnen bleiben sie trotzdem gänzlich aussen vor. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es eben auch im Wahlrecht nicht.

          • Argonautiker sagt:

            Ich glaube in einer Alternative zum bestehenden Wahlrecht unterscheidet sich unsere Auffassung dann doch erheblich. Es gibt zwar keine Eierlegende Wollmilchsau, aber die braucht es auch nicht.

            Man braucht dem Souverän des Landes, also uns allen, lediglich wieder die Souveränität geben, über die er dann selbst bestimmt, ob er die behält, oder wen er zu seinem Stellvertreter macht, und mit welchen Aufgaben er ihn betraut, und wieviel er ihm dafür bezahlt und wozu die Gelder sind. Unmöglich? Nun alle anderen Geschäfte funktionieren auch so.

            Über eine Steuerpflicht ist man jedoch entmachtet. Mit der Steuerpflicht bricht jede Regierung jedoch auch mindestens eines ihrer sogenannten Gesetze. Man darf Niemanden gegen seinen Willen etwas wegnehmen. Wären Regierungen darauf angewiesen Geld auf freier Basis zu erlangen, dann ständen sie auch in der Pflicht, das auch so zu verwenden, wie es von dem, der es erwirtschaftet hat, angedacht war.

            Regierungen müssen lernen am gleichen Tisch zu sitzen wie die Regierten. Sie halten ihre eigenen Gebote nicht. Wenn Mogelpackungen verboten sind, dann gilt das auch für Parteien im Wahlrecht. Oder ich darf eben auch auf meine Abgabe schreiben, ich gebe euch 10% meines Umsatzes, tue aber nur 5% rein und erkläre das dann für rechtens.

            Das bestehende System, inklusive Wahlrecht, als lediglich nicht ganz ausgereift darzustellen, nur weil es noch schlimmeres gibt, halte ich für ziemlich weit an der Wirklichkeit vorbei gedacht. Es ist schon an der Basis vollkommen falsch und gehört auch genau da geändert. Das Prinzip niemand steht über dem Gesetz gehört auch umgesetzt. Und genau daran scheitern gerade alle Regierungen, an ihrer eigenen Gesetzesuntreue.

          • Avantgarde sagt:

            Muss da @Skyjumper zustimmen

            z.B. Unterhauswahl 2015 12,6% der Stimmen aber nur ein einziger von 650 Sitzen gewonnen.

            Da fragt man sich dann auch, ob man das noch als demokratisch bezeichnen kann.
            Aber das ist halt die Tücke des Mehrheitswahlrechts.
            Klare Verhältnisse in der Regierung – spiegelt den Volkswillen prozentual aber öfters mal nicht.
            Ebenso gut könnte eine Partei auch mit 26% der Stimmen keinen einzigen Sitz gewinnen – alles im Bereich des Möglichen.

          • Argonautiker sagt:

            @Avantgarde
            Sicherlich stimmt es, daß das englische Wahlrecht noch antiquierter ist. So mir bekannt ist, haben die auch eine Verfassung die vorsieht von der Regierung erlassen und nicht vom Volk legitimiert zu werden. Ja, es gibt noch größere Mogelpackungen der Demokratie.

            Allerdings bleibe ich dabei, nur weil es Wahrrechte gibt, die noch mehr Fallstricke aufweisen, ist das keine Begründung, daß das Unsere nun gut ist. Dann bräuchte man nämlich immer nur ein extrem Antidemokratisches Oppositionslager schaffen, und gewänne durch das etwas weniger schlecht sein als die Anderen, Legitimation.

            Die Politik, und zwar weltweit, scheut das Volk immer mehr, entdemokratisiert die Gemeinschaften immer mehr, und möchte lieber nach eigenem gut Dünken bestimmen, anstatt mit den Menschen zu regieren. Sie verhalten sich wie ein Architekt, der sich zwar bezahlen läßt, aber nicht auf die Bedürfnisse des Auftraggebers eingeht sondern baut was ihm gefällt.

            Ich muß gestehen, es wundert mich ein wenig, daß Sie mit Ihre Argumentation diese Weisen der Regierungen decken. In meinen Augen geht es nicht darum, ob es noch entmündigendere Wahlrechte und politische Systeme, als das unsere gibt, und wir deshalb doch bitteschön ganz zu frieden sein sollten.

            Es geht auch nicht so sehr um die Funktion des Wahlrechtes, sondern um das Motiv der Regierenden selbst. Sie können sich vollkommen ungewählt für das Wohl Anderer einsetzen, und sie können, gewählt sein, und sich trotzdem nicht um die Belange derer kümmern, die sie gewählt haben und sie sogar dafür bezahlen daß sie es eigentlich tun sollten.

            Ein wenig ausbalanciertes Wahlrecht ist also nicht der Grund, sondern eher Zeichen, daß es am entsprechenden Motiv mangelt.

            Das Thema hatten wir schon mal beim Geld. Man muß ein Bargeldloses System nicht zum Nachteil Anderer ausnutzen, aber wenn man andere ausnützen und betrügen will, erleichtert es das im Verhältnis zum Bargeldverkehr ungemein. Man mußte auch die Aufhebung der Deckung des Geldes nicht ausnützen, aber mit einem ungedecktem Geld geht es wesentlich leichter wie mit gedecktem, so man es denn will.

            Der Urgrund daß Regierungen Motive bilden können, die wenig gerecht sind, ist darin zu finden, daß man Steuern zahlen MUSS, denn dies bedeutet wiederum, daß der, der dazu zwingt, sich über das Gesetz stellt. Denn entweder darf man anderen Leuten Eigentum ungefragt wegnehmen, oder man darf es nicht. Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Dürfen die Einen, was die Anderen nicht dürfen, stellen sich die, die dürfen, über das Gesetz, und bringen sich damit in eine wesentlich bessere Position. Damit sind sie auch nicht mehr wirklich Teil des Organismus, sondern stehen über ihm und benutzen ihn, während sie vorgeben ihm zu dienen.

            Das ist der Punkt wo es beginnt schlecht zu werden. Siehe GEZ. Als man die noch nicht zahlen mußte, waren die lang nicht so mangelhaft. Alles was sie zahlen müssen, ohne selbst Einfluß drauf zu haben, ob sie das überhaupt wollen, endet übel. Siehe Versicherungen, aber auch umgekehrt die Sozialhilfe.

            Wenn sie nicht wählen, aber trotzdem, von denen die sie nicht gewählt haben regiert werden, und sie auch noch zahlen müssen, dann endet das irgendwann in einer Katastrophe. Wenn man auf die Angestellten keinen Einfluß hat, und sie bezahlen muß, egal was sie liefern, dann nützt ihnen auch die Möglichkeit nichts, den Einen raus zu schmeißen und jemand Anderen mittels ihrer Wahl einzustellen, weil der Neue nach einer Weile, wenn er Spitzbekommen hat, daß er so und so bezahlt wird, ebenso macht was er will.

            Das könnte man allerdings schon abstellen, indem es eben nicht nur eine funktionierende Beurteilung von Oben nach Unten gibt, sondern auch eine von Unten nach Oben.

            Wenn ihr Hirn anfinge, sich nicht mehr um die niederen Vorgänge im Körper zu kümmern, hätten die niederen Vorgänge im Körper die Möglichkeit, das Hirn nicht mehr zu unterstützen, und es dadurch zur Räson zu bringen. Und das ist gut so. Das kann man schon auch im Übertragenen Sinne in die Welt des Miteinander Lebens umsetzen.

            Sie und @skyjumper relativieren gerade das Böse, zum Guten, weil es noch schlechteres gibt. Da mag ich mich gerade nicht gemein mit machen und noch weniger zustimmen.

            Ich hoffe mal daß es eher einem mir widersprechen wollen geschuldet ist, denn Ihrer wirklichen Haltung.

          • Skyjumper sagt:

            @ Argonautiker

            Jetzt interpretieren Sie aber arg viel in meine Aussage hinein. Ich habe über das Wahlrecht gesprochen, und nur darüber. Sie sprechen über das System als ganzes, dass ist schon noch ein ganz anderes Paar Schuhe, von dem das Wahlrecht lediglich einen sehr kleinen Teil ausmacht.

            Und in der Tat ist es so, dass es in den Staaten die wenigstens ansatzweise einen theoretischen Ansatz verfolgen sehr viele unterschiedliche Wahlverfahren gibt. Und unter diesen vielen halte ich das deutsche Wahlrecht für eines der besten. Im übrigen ist es nach meiner festen Überzeugung so, dass das Wahlrecht (wie auch viele andere Dinge) lediglich Werkzeuge sind. Und Werkzeuge sollte man nicht nach dem Geschick ihrer Benutzer beurteilen. Was kann das Wahlrecht dafür dass so viele deutsche Schafe zu faul oder zu dumm oder zu bequem sind von ihren Wahlrecht gebrauch zu machen?

            Das Wahlrecht ist schlecht? Meiner Meinung nach ist das nur eine von vielen wohlfeilen Ausreden der Unzufriedenen um sich nicht eingestehen zu müssen dass sie selbst ihren Hintern nicht hochkriegen um was gegen das System zu unternehmen. Oder noch akkurater gesagt: Sich nicht einzugestehen dass die Mehrheit eben doch mit dem System wie es ist einverstanden ist. Ich rufe Ihnen dazu Ihren eigenen Satz in Erinnerung:
            „Leider ist es wahrscheinlich viel wahrscheinlicher, daß die Meisten Wähler wohl immer noch einigermaßen zufrieden mit dem sind, was die Regierungen da tun.“
            Wenn Sie mit dieser Vermutung richtig liegen, und dafür spricht einiges, dann ist nicht das System falsch, sondern Ihre (und meine) Meinung ist schlicht nicht mehrheitsfähig. Und in einer Demokratie muss man sich dann unterordnen oder gehen, auf jeden Fall aber die Mehrheitsmeinung akzeptieren.

          • Skyjumper sagt:

            Statt:
            „die wenigstens ansatzweise einen theoretischen Ansatz verfolgen …..“

            müßte da natürlich stehen:
            „die wenigstens ansatzweise einen DEMOKRATIISCHEN Ansatz verfolgen …..“

          • Argonautiker sagt:

            @skyjumper

            Das mit den Schlafschafen halte ich für etwas zu Schulddelegierend. So wie Leute in verantwortlichen Positionen heutzutage gerne Verantwortung delegieren anstatt sie zu tragen.

            Leider ist es nun mal so, daß die Wahl alles andere als die Gewißheit mit sich bringt, daß umgesetzt wird, was versprochen wurde. Nur das Wählen allein zu klären, genügt also nicht. Im Gegenteil. Ich hoffe daß ich hier nicht erst Aufzählungen bringen muß wie oft vom Wahlprogramm abgewichen wird.

            Und auch hier gilt wieder, die Regierenden halten sich selbst nicht an die allgemein geltenden Regeln. Niemand in der freien Wirtschaft, kann sich nicht an den vom Klienten georderten Auftrag halten und mit dem Geld dann machen was er will, ohne daß er ihm gegenüber Vertragsbrüchig und damit anfechtbar wird, und geleistete Gelder zurückgeholt werden können. Und zwar zu recht.

            Nach der Wahl hat der Mensch in der Politik durch die Steuerpflicht jedoch keinen Zugriff mehr auf das was geschieht. Er muß zahlen. Also an den Schlafschafen liegt das nicht. Das wählen würde auch dann nichts nützen, wenn alle das „Werkzeug“ Wahlrecht perfekt begreifen und anzuwenden verstehen würden.

            In unsere Gesellschaft hat sich eine Arbeitsteilung entwickelt, und das finde ich auch ganz gut so. Man kann von jedem dem man dafür bezahlt seine Arbeit zu tun, durchaus erwarten, daß er die tut, ohne das man ihn kontrolliert, eben weil man es vielleicht nicht so gut kann und es deshalb an Andere abgibt. Wenn ein Architekt die Häuser immer nur so gut bauen würde, wie man als Bauherr das Häuserbauen versteht, wo kämen wir da hin?

            Das also jetzt auf die Wähler abzubügeln ist vollkommen haltlos.

            Sie haben schon Recht, wir waren eigentlich beim Wahlgesetz, allerdings kann man dies meines Erachtens nicht losgelöst von der Regierung und deren System sehen.

            Und das man eine Demokratie ausschließlich auf Mehrheitsentscheide aufbauen kann, stimmt definitiv nicht. Da sollten Sie sich mal die Ursprünge der Demokratie der Isländer anschauen. Es gibt durchaus Konsensentscheidungen, oder Entscheidungen denen man weder beitritt noch sich zu unterwerfen hat. Dieses, „dann müssen sich Minderheiten in einer Demokratie eben unterordnen“, steht genau wo? Das propagiert das Parteiensystem lediglich bis zum Abwinken, weil sie das eben gut können, Mehrheiten erzeugen. Das ist aber nichts anderes, als das Recht des Stärkeren in einem anderen Gewand und das Recht des Stärkeren steht Entwicklungsgeschichtlich auf recht niederer Stufe.

            Wieso sollte ein Einzelner nicht anteilsmäßig den gleichen Anspruch haben so zu leben wie er es möchte? Wieso sollte der das bezahlen, was viele wollen, wenn er es als Einzelner nicht, sondern etwas anderes will? Oder warum sollte er gehen müssen, wenn er sich nicht unterordnet? Das sind Platitüden die Sie da gerade vorbringen, die man ständig wiederholt und als Grundvoraussetzung ansieht, die aber letztendlich nichts anderes als haltlose Platitüden sind.

            Wenn Sie dieses Prinzip der Mehrheiten als Maßstab von Wertigkeit unterstützen, der sich Minderheiten per sé zu unterwerfen haben, landen sie unweigerlich bei einer Weltregierung, die alles dominieren darf, weil sie eben viele sind.

            Ein Blick in die sich entwickelnde belebte Welt dürfte eigentlich ausreichen um zu erkennen, daß das Mehrheitsprinzip nicht das einzige mögliche und wirksame Prinzip in der Welt ist, sondern sie immer noch vor Artenvielfalt strotzt.

            Lediglich der Mensch scheint da mit seinem irrsinigen Mehrheitsgehabe eine Dominanz auf der Welt erobern zu wollen, die der Welt gerade offensichtlich nicht ganz so gut tut, sondern sie aus einem Gleichgewicht zu drohen bringt.

            Diesbezüglich kann ich Ihren Gedanken nicht ganz folgen.

          • Skyjumper sagt:

            @Argonautiker

            Jetzt haben Sie mich beim Lesen zum tiefen Seufzen gebracht. Sie werfen (für mich) zu viele unterschiedliche Aspekte in die Waagschale. Nach meinen Erfahrungen hilft es mir nicht, mir ein komplexes System anzuschauen, pauschal festzustellen „alles Scheisse, muss geändert werden“. Das „muss geändert werden“ überfordert mich dann schlicht. Ich selbst kann mich einer solchen Sache nur annähren wenn ich das komplexe System in seine Einzelteile zerlege und mir zunächt mal diese Einzelaspekte betrachte. Das war in unseren Fall hier das Wahlrecht. Auf Ihren Gesamtansatz kann ich persönlich leider wirklich nur mit Plattitüden antworten.
            Andererseits haben Sie natürlich vollkommen Recht wenn Sie jetzt einwerfen wollen „Aber halt, man muss doch zunächst mal pauschal feststellen dass etwas falsch ist/verkehrt läuft.“ Ja sicher. Aber das ist doch hier schon lange nicht mehr die Frage. Wenn wir nicht alle dieses Gefühl hätten, würden wir hier nicht lesen?!

            Das Wahlrecht ist kein Selbstzweck. Es ist vielmehr ein Mittel zum Zweck. Vergleichbar einem Hammer. Sie wollen damit eine Aufgabe erfüllen um ein Ziel zu erreichen. Das DERZEITIGE Ziel beim Wahlrecht in DE ist es für eine PARLAMENTARISCHE Demokratie ein Auswahlverfahren für die Bestimmung von Volksvertetern zu regeln. DIESE Aufgabe erfüllt unser gemischtes Wahlrecht, das sowohl Aspekte des Verhältniswahlrechts, als auch des Personen (Mehrheits)wahlrechts enthält, nach meinem Dafürhalten deutlich besser als andernorts dafür benutzte Wahlrechte.
            Wenn Sie sich von der parlamentarischen Demokratie wegbewegen wollen, und da gibt es sicherlich einige denkbare Änderungen, dann ist das ja legitim (wobei das nur meine Meinung ist, ob es wirklich gem. GG legitim ist, wäre Enzelfallabhängig). Aber dann landen Sie hinterher bei einer anderen Aufgabe des Wahlrechtes, für die es DANN selbstverständlich auch eines anderen Werkzeugs bedarf.
            Wenn Ihnen jemand einen Zimmermannshammer in die Hand drückt und Sie auffordert einen Nagel in die Holzwand zu hauen, ist das praktisch. Wenn Sie jedoch stattdessen eine neue Steinwand mauern wollen, dann ist nicht der Zimmermannshammer schuld das Sie damit so schlecht mauern können.

            Ein Gesellschaftssystem beinhaltet nun sehr viele Ziele und letztlich müssen Sie für jedes einzelne einen theoretisch einfachen Ablauf einhalten:
            1) Festlegung des EINZELziels
            2) Erarbeiten des Weges dorthin
            3) Erkennen der Anforderungen die der Weg stellt
            4) Erarbeiten der Werkzeuge die geeignet sind die Anforderung zu lösen
            Ein gern zitiertes Sprichwort in diesen Zusammenhang lautet: „Wer nur einen Hammer hat sieht überall nur Nägel“. Gut, dann lassen Sie uns aber erst einmal Schrauben finden bevor wir den Hammer wegwerfen.

            Wenn Sie sich nicht jederzeit dessen bewußt sind was Sie im Einzelnen erreichen wollen, werden Sie scheitern. Übrigens ein gern gewähltes Instrument der Herrschenden. Hau einem Unzufriedenen das Gesamtsystem vor den Latz und lasse ihn daran verzweifeln.

            Und noch kurz zu Ihrem Anwurf des Schulddeligierens. Sie haben Recht, ich neige sehr stark dazu jedem Menschen eine große Eigenverantwortung zuzubilligen UND sie von ihm auch einzufordern (nebst der Akzeptanz der Ergebnisse seines Handelns oder Nichthandelns) . Um bei Ihrem Beispiel des Architekten zu bleiben: Sie können (nach meinem Dafürhalten) nicht den Architekten die Verantwortung dafür übertragen ein Haus zu bauen, sich selbst wegen Unkenntnis aus dem Prozess herausnehmen, und dann hinterher an dem Ergebnis rumnörgeln weil Sie selbst alles ganz anders und viel besser gemacht hätten. Wenn Sie alles besser wissen, dann machen Sie, beteiligen Sie sich!

            Und selbstverständlich war auch das jetzt nur eine Plattitüde. Der gangbare und sinnvolle Weg ist auch da, wie fast überall, ein Mischkonstrukt. Aber 2 Punkte kann/sollte man sich einfach nicht abnehmen lassen: Die Festlegung des gewünschten Ergebnis, und die Auswahl des Architekten. Wenn Sie ein Einfamilienhaus gebaut haben wollen, dann sollten Sie keinen Architekten beauftragen der gerne Hochhäuser bauen möchte. Tun Sie es doch, oder verweigern sich der Beauftragungsfrage gänzlich, dann sollten Sie nicht klagen wenn als Ergebnis ein Hochhaus entstanden ist. Womit wir wieder bei den Wahlen und dem Wahlrecht angekommen sind 🙂 , und ich unseren Diskurs gerne beenden möchte, auch wenn ich von den vielen Punkten aus Ihrem Post wieder nur einige ansatzweise aufnehmen konnte.

            Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende und uns allen ein gutes Wahlergebnis in BW, RP und SA

          • Argonautiker sagt:

            @Skyjumper

            Das haben Sie meines Erachtens sehr anschaulich formuliert, und sie finden in weiten Teilen auch meine Zustimmung dafür. Das Wahlrecht ist sicherlich nicht das Schlechteste, da gehe ich ganz konform, es gibt wesentlich schlimmere. Aber erhebliche Mängel gibt es schon. Viel schlimmer ist jedoch, unsere Politiker sind derzeit einfach äußerst übel. Also nicht das Werkzeug ist das Schlimmste, sondern die Motivhabenden selbst sind übel, weil es eben wirklich so ist, daß es nahezu vollkommen egal geworden ist, was, oder wen man da in der Parteienlandschaft wählt.

            Vor ein paar Jahren setzte dieses üble Verhalten des „auf Linie Bringens“ ein. Das wurde im Bundestag auch mit diesen Worten so kommuniziert. Es wurde auf Linie gebracht. Daraus entstand dann die Große Koalition. Final hat das dazu geführt, daß es keine wirkliche Opposition mehr gibt, die den Gegenpart zur Regierung bildet, also grob gesagt, das Volk vertritt, und die Regierung bremst. Das hätte es früher in dem Maße nie gegeben. Warum? Weil noch ein wenig um die Gunst der Wähler gerungen wurde. Das ist weggefallen. Es ist soundso zur Normalität geworden, daß man macht was man will.

            Was also sicherlich im Wahlrecht fehlt, wäre die Möglichkeit, die Wahl einer kompletten Neugestaltung der Regierung treffen zu können, beziehungsweise ein Kreuzchen zu machen was die komplette Mannschaft abwählt und es zu einer Neubildung zu kommen hat. Ich glaube, dieses Kreuzchen würde derzeit recht viel gekreuzt werden. aber das ist natürlich nur eine persönliche Einschätzung von mir.

            Es gab übrigens immer wieder Bestrebungen dieser Art, die aus guten Gründen von allen Parteien immer wieder verhindert wurden. Aber so eine Wahloption wäre sehr sinnvoll, damit eine eventuell anstehende Umwälzung, eben auch stattfinden kann, ohne in einen Bürgerkrieg oder gar Krieg abzudriften. Das ist nämlich derzeit ein großes Problem.

            Und da fehlt noch etwas im Wahlrecht. Etwas ganz entscheidendes, um nicht zu sagen das Entscheidenste. Um beim Bild des Architekten zu bleiben, haben sie in diesem Land nicht die Möglichkeit zu sagen, die Architekten passen mir alle nicht, also baue ich mir mein Haus eben selbst. Es besteht also Architekten zwang. Sie müssen National sein. Der Staat erhebt Anspruch an den Menschen.

            Ein weiteres Wahlkästchen fehlt meines Erachtens also ebenfalls. Und zwar das zur Vereigenständigung. Das heißt. Ja ich bin in diesem Land geboren, aber nein ich gehöre dadurch nicht dem Staat, und beanspruche Unabhängigkeit von ihm, und zwar mit allen Konsequenzen und zwar ohne das Land verlassen zu müssen, weil ich hier, und nirgends anders geboren bin.

            Wenn der Mensch wieder DAS Recht hat, dann wird ein Wahlrecht auch wieder zu einem Recht. So ist das alles nur eine Farce.

            Man hat dazu die Wirklichkeit verdreht, und zwar im Kopf Aller. In Wirklichkeit ist es so, daß der einzelne Mensch zuerst da ist, und dieser formt eventuell einen Staat. Folglich sind die Rechte des einzelnen Menschen älter und damit höherstehend, und zwar auch höherstehend als die Rechte von Mehrheiten.

            Denn in Wirklichkeit ist es auch so, daß es den Einzelnen Menschen VOR einer Gemeinschaft und damit eventuellen Mehrheit gibt, weil eine Gemeinschaft erst durch die Zusammenkunft Einzelner entsteht, und somit auch von daher die Ansprüche des Einzelnen älter, und damit höher stehend sind.

            Und genau da hat eine Verdrehung der Wirklichkeit stattgefunden. Der Staat sagt, ER sei die Voraussetzung für den Einzelnen, und da er durch Mehrheiten entsteht, müsse sich der Einzelne, oder eine Minderheit, der Mehrheit unterwerfen.

            Das entspricht aber nicht der Wirklichkeit. Das ist einfach nur eine dreiste Lüge, die das bewirkt, daß sich der Staat der eigentlich abhängig vom Einzelnen ist, sich über ihn stellt. Kein lebender Organismus funktioniert so, sondern ein Lebender Organismus funktioniert NUR dann, wenn die kleinste Einzelne Zelle des Organismus Gehör findet und exakt so gefördert und versorgt wird, wie sie es benötigt.

            Es gibt keinen Organisator in irgend einem Organismus, der zur einzelnen Zelle sagt, du meine Kleine, geh sei so gut, und laß mich in Ruh mit deinem Quatsch, ich hab mich um die Mehrheiten zu kümmern.

            Genau das macht Staat jedoch, und das entspricht nun mal nicht der Wirklichkeit, denn ein Staat sollte nichts anderes sein, wie ein Lebender Organismus, weil er das Leben der Einzelnen organisiert. Aber er bestimmt nicht was gut oder schlecht für die Einzelne Zelle ist, und was nicht, das weiß die einzelne Zelle schon sehr gut selbst.

            Und genau dieser im Fundament verborgene Irrtum macht das komplette Wahlrecht, obwohl es, in sich, scheinbar ein gutes Werkzeug zu sein scheint, dann doch zur Farce. Dieser Irrtum macht den Einzelnen zum Diner des Staates und nicht den Staat zum Diner der Einzelnen. Deshalb meint Staat dann auch Steuern gegen den Willen des Einzelnen einziehen zu dürfen, und all die vielen Kleinen und Großen Schandtaten begehen zu können.

          • Argonautiker sagt:

            Ups, es muß natürlich „Diener“ und nicht „Diner“ heißen. Wobei der Staat das Land natürlich schon zu einem Diner gemacht hat, indem er sich beim Dinner vom Mensch ernährt.

  6. FDominicus sagt:

    Ich habe das ganze mal für BW nachgehalten wo bei 11 Mio Einwohnern die „Mehrheit“ ca 1,9 Mio sind…….

    • Argonautiker sagt:

      Und wenn man dann noch bedenkt, wie viel von den 1,9Mio nur das bessere Übel wählen, und nicht wirklich wählen, was sie gerne hätten, weil das gar nicht zur Wahl steht, da das, was man vielleicht wirklich gerne wählen würde, von den Etablierten an der Eingangstür zur Parteienlandschaft gleich totgebissen wird,…

      Nicht daß ich ein AfD Freund wäre, aber was die Etablierten sich da gerade gegen die AfD leisten, zeigt recht deutlich, wie wenig Chance Andersdenkende da haben.

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