Herzallerliebst!

29. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wenn jetzt „Last Christmas“ im Radio als Dauerschleife scheppert, schlagen auch wieder diese unsinnigen Börsenprognosen für 2016 ein. Was damit machen?

Ich drucke diese ganzen Papiere sorgfältig aus und werfe sie in den Papierkorb. Den zünde ich dann vor der Tür an und erhitze damit Glühwein. Diese Prozente sind wenigstens real.

Moderne Prognosen basieren auf Blicke in den Rückspiegel bei voller Fahrt durch unbekanntes Gelände. Bon Voyage, kann man nur sagen. Alles andere ist unberechenbar in einer Zeit, in der Weihnachtsmärkte endlich wieder „Wintermärkte“ heißen und Pfefferspray sowie Schreckschusspistolen zu beliebten Geschenken unterm Gabentisch gehören, liest man. Demnächst werden die Nikoläuse in Solidaritätsmännchen umbenannt und die Weihnachtsengel in „Jahresendfiguren“. Moment, das kenne ich doch irgendwo her…

Statt sich zu fragen, wo man Geld verdient, sollte man schauen, wo man wenig Geld verliert. Was halten Sie davon? Sehr viel Geld verliert man immer wieder beim Schenken von Dingen, die andere meist schon haben. Zum Glück aber geben die Deutschen dieses Jahr fünf Prozent weniger dafür aus, so die Glücksengel der GfK. Gleichzeitig wachsen dabei ihre Hoffnungen ungestraft und unbeirrt in den Himmel, wo das Halleluja wohnt – und später auch der DAX, sagen Experten.

Naja, abgerechnet wird später. Und dann werden wir wohl schon wieder erfahren, nicht nur unter dem Gabentisch, dass der mediale Konsumterror nicht dazu geführt hat, dass man mehr kauft. Im Gegenteil. Lustig finde ich, ja das gebe ich zu, wenn sich in den USA am „Black Friday“ und dann am kommenden Montag, dem Cyber-Monday, die Leute die Köpfe einschlagen auf der Jagd nach Schnäppchen. Das gibt schon mal einen wertvollen Hinweis darauf, welcher Trend später auch hierzulande sich breiutmachen könnte.

Sollten Sie gerade gemütlich vor einem runden Weihnachtsbaum sitzen, also einem Adventskranz, und „Eilige Nacht“ singen, bedenken Sie Folgendes: Keinen Bock auf Geschenke und Konsumterror gilt als verdächtig und unpatriotisch. Für die Party und vielleicht auch für den Schnee sorgt Europas größter Copyshop, kurz EZB. In Frankfurt sagen Insider, dieser Schnee staubt. Er taut nicht. Er verändert aber alles.

Kurzum… Seien Sie dabei! Raus mit der Kohle, auch wenn Sie keine haben. Die EZB druckt 15 Milliarden Euro jede Woche. Und ab dem kommenden Donnerstag kommt der Schneemann stündlich vorbei. Ach, bei Ihnen kommt davon nichts an? Dann sollten Sie eine Bank gründen, wenn Sie sich nicht trauen, eine solche zu überfallen.
© Frank Meyer, Kolumne für die Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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4 Kommentare auf "Herzallerliebst!"

  1. .45 sagt:

    Hi Frank,

    und wieder mal ein Artikel von Dir, wo ich mir fast den Feinripp nass gemacht hätte^^

    Klasse und weiter so..

    LG

  2. M.Schmidt sagt:

    Habe weder Lust eine Bank zu gründen noch eine zu überfallen.
    Alternativ würde ich meine Kontodaten hinterlegen (Ich habe nur noch keinen Link gefunden), damit die EZB auf dieses Konto direkt etwas Weihnachtsgeld überweisen kann.
    Garantie: Das Geld wird sofort wieder ausgegeben, in tolle Geschenke investiert und kurbelt ohne Umwege die Wirtschaft an.

    • Habnix sagt:

      Das ist ja der Witz, da wird jede Menge virtuelles Geld gedruckt das aber die bekommen die schon genug davon haben.Das kommt natürlich noch unten an. Nur werden dann, wenn es ankommt die Preise exorbitant steigen, so das dass viel Geld nicht unten bleibt.

      Wie enteigne ich die Welt damit ich sie wieder unter Kontrolle bekomme.

      Um die Erde und ihre Rohstoffe effektiv zu kontrollieren, kontrolliere mittels Smarter Technik die Menschen, die zu den Rohstoffen wollen.

  3. JayJay sagt:

    “Keinen Bock auf Geschenke und Konsumterror gilt als verdächtig und unpatriotisch.“

    Oh, da muss ich aufpassen, wenn die Konsumpolizei ums Eck kommt. 😉

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