Herrliche neue Finanzwelt!

12. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wenn eine Bank Zinsen manipuliert, zahlt sie Milliardenstrafen. Wenn das eine Zentralbank tut, nennt man deren Akteure Götter. Mancher wälzt sich vor ihnen vor Demut im Staub…

Seit die EZB Anleihen im großen Stil aufkauft, also 60 Milliarden Euro im Monat, stieg der DAX um 19 Prozent. Doch das ist erst der Anfang, heißt es. Schließlich läuft das Programm bis September 2016, wenn nicht länger oder ewig. Eine Zentralbank darf das, in ihrem Schein der Unabhängigkeit.

Es gibt erste Zahlen über die Folgen dieser Geldschwemme: Laut DZ-Bank haben die Minizinsen jeden Bundesbürger um 1.400 Euro erleichtert. Theoretisch! Wer nichts hat, den beutelt es woanders, nicht aber durch ausbleibende Zinszahlungen. Zudem gibt es keinen „statistischen Bundesbürger“. Aber das Prinzip wird klar.

Ein Milliardär wird das anders sehen, denn jeder Prozentpunkt auf eine Milliarde kostet ihn 10 Millionen. Da die Zinsen zwischen 1998 und 2009 durchschnittlich bei 4,2 Prozent lagen und heute bei Null, entgehen ihm jährlich 40 Millionen Euro. Armer Kerl! Dafür steigen die Preise am Aktien – und Immobilienmarkt umso schneller. Die Reichen werden also reicher und die Ärmeren ärmer. Danke, liebe EZB!  Das Sparen auf herkömmliche Art und Weise ist vielleicht artig, aber nicht weise.

Auch wenn Herr Schäuble öfters auf die EZB schimpft, so ist er und seine europäischen Kollegen der Hauptprofiteur dieser Zinsmanipulation. Schließlich spart der deutsche Staat in diesem Jahr 20 Milliarden Euro an Zinsen, so das Institut für Weltwirtschaft. Die Summe könnte sich auf 160 Milliarden bis 2020 erhöhen. Wenn nichts dazwischen kommt…

Gleichzeitig werden teure Schulden durch fast kostenlose Schulden ersetzt. Deshalb macht das die EZB, und nicht nur sie. Doch bitte glauben Sie jetzt nicht, dass Sie davon etwas sehen oder abbekommen. Das bekommen andere. Schließlich ist Europa ganz entgegen der Planungen und Erwartungen ein teures politisches Projekt und auch die Ukraine bekam neulich Kredit aus Deutschland für ihre marode Einlagensicherung. Noch jemand mit Wünschen? Nur zu! Herrliche neue Welt!

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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4 Kommentare auf "Herrliche neue Finanzwelt!"

  1. Avantgarde sagt:

    Der Artikel suggeriert, daß in Österreich die 100.000 Einlagensicherung abgeschafft werden sollen – und das ist schlicht falsch!

    Bisher schon waren von den 100.000 zunächst die Banken selbst mit 50.000 in der Pflicht.
    Die anderen 50.000 kommen vom Staat – um diese 50.000 geht es.
    Und für diese 50.000 sollen die Banken verpflichtet werden einen eigenen Sicherungsfond aufzubauen.
    Damit erhöht sich das Risiko anfangs wenn das umgesetzt ist zwar tatsächlich – aber eben bei weitem nicht so dramatisch wie es oben beschrieben wurde.

    • Frank Meyer sagt:

      Stimmt, viel zu kurz gesprungen von mir. Fehler meisterseits.
      Sorry. Und danke für den Hinweis.

    • Michael sagt:

      Was genau hat jetzt die Einlagensicherung der Ukraine mit Österreich zu tun? Der Hauptunterschied der neuen Einlagensicherung schein darin zu besten – dass im Vorfeld kann mit Mitteln aus dem Fond eingegriffen werden, wenn diese Aussage denn wahr ist und von der Praxistauglichkeit ganz zu schweigen. Aber das werden wir sehen wenn es soweit ist.

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