Her mit der Rendite, koste es was es wolle!

27. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Bankhaus Rott) Die dauerhaften Eingriffe in das, was früher einmal ein Finanz-Markt war, führen zu einer bemerkenswerten Situation. Während einige Zentralbänker träumerisch auf eine wirtschaftliche Wunderheilung durch steigende Assetpreise hoffen, fragt sich die Gegenseite, wessen Vermögen damit wohl gemeint sein könnte…

Viele institutionelle Anleger wie Pensionskassen oder Versicherungen stehen vor dem Rätsel, was man mit den mittlerweile grotesken Kennzahlen am Anleihemarkt noch anfangen soll.

Die von einigen Auguren wie ein ökonomischer Heiland gepriesene künstliche Drückung der Renditeniveaus führt zu einer anhaltenden Geldwanderung zwischen den Assetklassen. Auf Staatsanleihen und halbwegs ordentlichen Pfandbriefen steht schon seit langem nichts mehr drauf, folglich müssen es europäische Unternehmensanleihen sein. Nun – oh weh! – sind auch in diesem Segment die Risikoprämien derart geschrumpft, dass man das Gefühl hat, hier werden keine Ausfallrisiken sondern das ewige Unternehmensleben eingepreist. Das ging schon in der Vergangenheit regelmäßig in die Hose, was viele Investoren nicht daran hindert, sich ihre Anlagen zum wiederholten Male alleine anhand der Renditen auszusuchen. Risiken? Elendes defätistisches Geschwätz!

So kommt nun, ein paar Jahre nach der schon legendären Verirrung vieler Banken im ABS- und CDO-Dschungel, die alte Forschheit wieder ans Licht. Wir erinnern uns an das Jahr 2007. Die Risikoprämien waren so stark zusammengeschrumpft, dass sich viele komplexe Finanzprodukte gar nicht mehr strukturieren ließen. Der damals beschrittene Irrweg: Längere Laufzeiten und schlechtere Qualität. Dieses Motto gewinnt auch jetzt wieder viele Freunde.

Da synthetische Strukturen nicht mehr en vogue sind, lagern viele ihr Geld heute auf konventionellem Wege vor dem großen Ofen ein. Man kauft statt Investment Grade-Titeln Junk-Bonds und statt der lästigen Beschränkung auf mittlere Laufzeiten greift man zu Langläufern. Man kann das Zinsrisiko ja mit Termingeschäften absichern. Stimmt, das funktioniert. Leider vergessen die meisten, dass diese Absicherung nicht die Veränderung der Risikoprämien mit einbezieht. Weiten sich diese bei einer zwanzigjährigen Anleihe um 100 Basispunkte aus, wird’s schnell unterhaltsam. Die Jagd auf die letzten Basispunkte Rendite lässt jedoch viele auch die letzte Vorsicht verlieren. Ohne auf die wirkliche Sensitivität des eigenen Portfolios zu achten, werden die Bücher bei sinkendem Carry Schritt für Schritt in Richtung mehr Risiko umgebaut. Das Allzeittief der Junk-Bond-Renditen ist dabei den meisten offensichtlich entgangen.

Interessant ist, wie hartnäckig sich selbst im an Pleiten nicht armen Segment der Junk-Bonds die einfältigen Renditebetrachtungen halten. Bewegt man sich in der Kapitalstruktur noch weiter nach unten zu den Aktien, ändert sich ebenfalls nichts. Der alleinige Vergleich von Dividenden und Anleiherenditen bleibt ebenso beliebt wie unsinnig. Eine Dividende ist variabel, sie kann ausfallen, sich verdoppeln und bewegt sich irgendwo zwischen Null und Unendlich. Das Asset selbst hat im Gegensatz zur Anleihe eine unbegrenzte „Laufzeit“. Zudem ist der Coupon einer nicht nachrangigen „normalen“ Anleihe fix.

Steuert das Unternehmen in die Pleite, fällt die Aktie auf null und die Anleihegläubiger erhalten in Abhängigkeit von der Substanz des Schuldners einen Restwert. Das alles spricht nicht generell für die eine oder andere Assetklasse. Es zeigt aber, wie albern es ist, eine Aktie und eine Unternehmensanleihe nur anhand der Renditen zu vergleichen… (Seite 2)

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