Her mit den Bonds! (und mit dem Geld)!

11. Januar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Käufe von Staatsanleihen europäischer Emittenten wie Griechenland, Irland oder Portugal durch die EZB werden gerne schon bei der Verkündigung derartiger Maßnahmen als Erfolg dargestellt. Viele Heilsbringer wähnen dieses Mittel gar schon als Zeichen der Solidarität mit Ländern, die halt ökonomisch nicht ganz so gesund sind. Willkommen im Café Harmonie…

Völlig ohne eigenes Zutun sind diese Länder durch böse, unbekannte Mächte und Märkte in den Abgrund gestürzt worden. Eigentlich waren sie bis auf die Schulden, die steigende Arbeitslosigkeit und einen künstlichen Immobilienboom kerngesund.

Aber der Markt, ach, der ist schon hart und ungerecht. Schade, dass in der Regel vergleichsweise wenig darüber gesprochen wird, wie viel Markt in den so genannten Marktwirtschaften überhaupt noch steckt. Der langjährige Betrachter kann jedenfalls den Begriff Marktwirtschaft, oder gar „soziale Marktwirtschaft“ nicht immer nachvollziehen. Lobbyistisch verwobener Filzteppich wäre oftmals treffender, auch wenn der Begriff „intransparent“ in dieser Bezeichnung fehlt. Immerhin beschreibt dieses Adjektiv ein wichtiges Stilmittel nicht nur aktueller politischer und wirtschaftsbezogener Verhaltensweisen und Vorgänge.

Nun freut sich die Familie europäischer Bürokraten am temporären Erhalt des status quo, eigenen Aussagen zufolge sogar „koste es was es wolle“. Wen wundert es, wer sägt schon gerne am Ast, auf dem er bequem hockt, wenn der Erhalt nicht aus der eigenen Tasche bezahlt werden muss. Stattdessen ergeht man sich in teils schwer erträglichen Diskussionsrunden die dann, gleich den Rettungsprinzen aus der Märchenwelt, Maßnahmen beschließen, die angeblich viel bringen und nichts kosten. Dass offenbar auch viele so genannte Repräsentanten so etwas in der Tat für möglich halten, macht sie geradezu zu prädestinierten Kunden großer Investmentbanken. Da lauert bestimmt schon der ein oder andere englisch formulierte Lösungsvorschlag im Posteingang.

Die Käufe von Anleihen durch die EZB verfolgt das primäre Ziel, den Banken diese Papiere abzunehmen. In der Realwelt findet sich für diese Papiere kein ernstzunehmender Markt mehr  – da fehlen offensichtlich die gescholtenen Spekulanten. Wer sonst sollte diesen Schrott schon haben wollen? Geht noch irgendjemand ernsthaft davon aus, dass diese Papiere wirklich vollständig und vollumfänglich getilgt werden?

Warum die Banken und Versicherungen derartige Papiere auch in den vergangenen Jahren noch munter kaufen mussten, ist eine Frage, die selten gestellt wird. Schade. Die Banken, und nicht zu vergessen die Assekuranzen, sind nun einmal – wie die Staaten – einfach so und ebenso unvorhersehbar wie unverschuldet in die Krise gerutscht. Manchmal hat man den Eindruck, Bewohner eines fremden Planeten sind vor einigen Jahren auf der Erde gelandet und haben große, mit Krisen gefüllte Überraschungspakete verstreut.

Es kam alles aus dem großen Nichts, was will man da tun? Vielleicht kommen die nächsten Extraterrestren ja zur Abwechslung einmal mit Überraschungslösungen. Falls sie ein paar Billionen faule Wertpapiere gebrauchen könnten, wäre dies ja schon ein erster Schritt.Das ist leider arg unwahrscheinlich. Ungefähr genauso unwahrscheinlich, wie das angestrebte free lunch durch Anleihenkäufe der europäischen Zentralbank. Wandert der Verlust von einer privaten Bank zur Zentralbank so ist der Verlust ja nicht weg – es müssen nur andere dafür aufkommen. Bankensubventionierung Vol. 2147 könnte man sagen.

Mittlerweile hat die EZB ein paar zig Milliarden an Anleihen verschiedener, finanziell angeschlagener Staaten gekauft. Wie aggressiv man auf der Zentralbankseite für die Papiere geboten hat, ist uns leider nicht bekannt. Wir würden einmal schätzen, die EZB hat die verkaufenden Banken nicht allzu sehr unter Druck gesetzt. Da für diese Papiere kein ernstzunehmender Markt mehr existiert, besteht die nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbank ein durchaus generös geboten hat. Ein weiteres Ziel der Aktion ist es schließlich, den Verfall der Bondkurse zu bremsen, also die Renditen und somit die Refinanzierungskosten der Länder nicht allzu sehr steigen zu lassen. Man könnte es auch den Versuch dauerhafter Zinsmanipulation nennen, um nichts anderes handelt es sich. Leider – wie bei jeder Maßnahme, die strukturell keine Probleme löst, ist der resultierende  Effekt temporärer Natur.  —–>

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4 Kommentare auf "Her mit den Bonds! (und mit dem Geld)!"

  1. joma21 sagt:

    Das ist doch das reinste Bühnenstück, das da aufgeführt wird und das Publikum, der Markt, spielt mit. Jedenfalls lese ich heute schon zum wiederholten Mal, dass Händler die Chance auf eine kräftigere Aufholjagd nicht vor der mit Spannung erwarteten Auktion portugiesischer Staatsanleihen am Mittwoch sehen. Ich bin da gar nicht so gespannt, ich erwarte, dass morgen Vormittag die frohe Botschaft verkündet wird, dass die Auktion problemlos verlaufen ist und das Publikum erleichtert applaudiert. Oder sehe ich das falsch? Gibt es noch Staatsanleihen, die die EZB nicht kaufen würde?

  2. JayJay sagt:

    Es ist wirklich gut, das die meisten Menschen so gut wie nichts verstehen vom Bankenwesen. Dann sehe es für die ganzen Bänker (ob EZB oder Privatbank) nicht gut aus. Die meisten freuen sich über ein paar mickrige Zinsen & sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht, oder wollen es auch nicht sehen, schließlich könnte man ja z.b. eine Folge DSDS verpassen. Aber irgendwann werden sie aufwachen, sicherlich erst wenn es zu spät ist. Gold und Silber Ahoi

  3. […] Rott & Meyer: Her mit den Bonds! (und mit dem Geld)! […]

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