Hellmeyer: Forex-Report 26.Januar 2011

26. Januar 2011 | Kategorie: Aufgelesen

Die Schwäche des GBP ist sehr gut fundiert. Gestern enttäuschte das BIP Großbritanniens mit einem unerwarteten Rückgang um -0,5% im Quartalsvergleich (Prognose +0,5%) und lediglich +1,7% im Jahresvergleich. Das ist in der Tat ernüchternd. Gleichwohl ist es nicht wirklich erstaunlich…

Länder, die massive Reformen umsetzen, befreien sich damit von unproduktiven Teilen der Wirtschaft und gesunden durch diese Maßnahmen. Das sehen wir in Griechenland, wir sehen es auch in Großbritannien. Was jetzt schmerzhaft ist, ist gleichzeitig die Grundlage nachhaltigen Wachstums in der Zukunft. Dieses Verständnis fehlte dem Finanzmarkt bisher bei Griechenland, offensichtlich fehlt es auch bei der Diskontierung der Situation in Großbritannien.

Damit aber nicht genug der Belastungsfaktoren für das GBP. Mervyn King, Gouverneur der Bank of England, erwartet, dass die Preisinflation in den kommenden Monaten auf bis zu 5% steigen wird. Das ist eine heftige Hausnummer. Das gilt um so mehr, als dass der Leitzins bei nur 0,5% liegt. Hier baut die BoE eine recht sportliche „Kaufkraft Burnrate“ für Investoren im GBP auf. Laut King wird sich die BoE bei Zinsentscheidungen an langfristigen Zielen orientieren. Was ist ein langfristiges Ziel? Kapitalvernichtung bei Investoren im GBP?

Er betonte, dass exogene Faktoren (Erhöhung indirekter Steuern, Ölpreise, höhere Importpreise) für den Anstieg der Inflation verantwortlich zeichnen. Das stimmt grundsätzlich. Wenn diese exogenen Faktoren aber endogene Folgen haben, das haben sie bei andauernden Preisbewegungen übrigens grundsätzlich, dann gilt es für Zentralbanken, dieser Entwicklung über Zinspolitik entgegen zu wirken! Zinserhöhungen würden nicht durch Inflationszahlen eingeleitet heißt es bei Mervyn King. Das nehmen wir zur Kenntnis und verweisen auf afrikanische Erfahrungen mit derartigen Ansätzen.

US Präsident Obama sagte in der Rede zur Lage der Nation, dass gezielte Einsparungen und die Stärkung der Zukunftsbranchen die Wege sind, um die USA dauerhaft aus der Krise zu führen. Das klingt erst einmal sehr gut. Eine Deckelung der Staatsausgaben soll der Defizitbekämpfung dienen. Das Ausgabenniveau soll für die kommenden fünf Jahre festgeschrieben werden. Auch das hört sich charmant an. Davon ausgenommen sind die Programme der Altersversorgung und der Krankenversicherung. Das ist verständlich bei seiner Politikausrichtung. Gerade diese Maßnahmen sind jedoch Defizittreiber! Das schwächt die Sparagenda beträchtlich.

Damit könnte laut Obama eine Reduktion der Defizite in den nächsten 10 Jahren um 400 Mrd. USD erfolgen. Das klingt gut. Bei Defiziten bei 1.400 – 1.700 Mrd. USD pro Jahr sind 400 Mrd. in 10 Jahren jedoch keine Lösung, sondern sie stellen bestenfalls einen Anfang dar, der nicht einmal dem ersten Reformansatz der Griechen im November/Dezember 2009 nahe kommt! (Auszug aus dem Forex-Report, Bremer Landesbank)

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