Hellas Angels

19. Juli 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Ich bin außer mir. Vielleicht liegt es ja nur am Wetter. Seit Tagen träume ich nachts im weiß-blauen Bettzeug von Gyros und tanze mittags Sirtaki in den immer größer werdenden Schlaglöchern vor unserem Haus…

Als Abwechslung zur griechischen Kost saß ich neulich beim Italiener. Als der Wirt die Rechnung brachte, bat ich ihn um Geld zum Bezahlen. Er schmiss mich raus. Komisch. Griechenrettung geht aber anders, rief ich, denn da kommt der Wirt mit Geld! Und zwar mit ganz viel davon.

Hey, ich habe Urlaub. Seit Tagen plagen mich die „Breaking News“ auf dem Handy. Dabei ist doch gar nichts Wichtiges passiert, außer die übliche Steuerverschwendung und Propaganda für Steuerverschwendung. Zudem plagt mich ein Ohrwurm: „Scheitert der Euro – scheitert Europa“ in einer Rap-Version von DJ Merkel featuring Alexis Tsipras. Ich habe es auch mit Globuli und Gebeten versucht. Umsonst.

Die letzte kalte Dusche gab es ja neulich, auch wenn nur verbal, als irgend ein Mister Wichtig die Erhöhung des Soli-Beitrages forderte. Gerne! Darauf begann ich, meine Voodoo-Puppe zu stechen in der Hoffnung auf ein Ende dessen, was sich „Eurorettung“ oder „Griechenland-Rettung“ nennt. Es stimmt schon, dass in Kürze Griechenland 7,1 Milliarden Euro bekommt und davon keinen Cent sieht.

Der Euro ist ein komisches Ding. Eine Währung, die man ständig retten muss, ist keine Währung, sondern eine Art von Glückskeks ohne Glück – aber ein nettes Spielzeug der Politik, um in Europa das zusammen zu bringen, was eigentlich (noch) nicht zusammen gehört. Der Politik sind nachgewiesenermaßen wirtschaftliche Gesetze schnuppe, solange sie Steuergelder für die Finanzindustrie verplempert und sich ihre Sessel selbst rettet, auf denen sie klebt.

Wenn es schon wenig Verlässliches gibt, eines ist sicher: Sollte das Geld nicht reichen, werden neue Schulden gemacht und unter erstaunlichen Vorwänden die Steuern erhöht. Irgendjemand braucht immer Geld. Haben Sie eigentlich im Juli 2018 schon etwas vor? Dann spätestens ist Griechenland wieder pleite. Vielleicht schon früher. Vielleicht auch wir alle. Wer weiß?

Frank Meyer, Kolumne ausden Lübecker Nachrichten


 

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3 Kommentare auf "Hellas Angels"

  1. böses Schaf sagt:

    herrlich makaber, doch leider auch wahr
    wir werden uns alle noch wundern

  2. Entlebucher sagt:

    Guten Abend Herr Meyer,

    genießen Sie Ihren Urlaub und ignorieren Sie die Breaking News auf dem Handy.
    Wir sitzen doch eh nur in der ersten Reihe im Theaterstück „Die Insolvenzverschleppung“.

    Nutzen wir das hier und jetzt mit unseren Familien. Wir werden noch zurück schauen und diese als „Goldene Zeiten“ in Erinnerung behalten.

    Es ist leider unglaublich, dass so wenige verstehen, dass irgendwann der „Wirt“ vorbei schaut
    und um Begleichung des Deckels drängt.

    Nur wird dies in Form von Rentenkürzungen, Steuererhöhungen, „Goldverbot“ (wer soll dies überprüfen, die Goldpolizei?, dieAmtsträger kommen doch nicht mal mehr bei einem Bagatellunfall…), Zwangshypotheken, Anpassung Betriebsrenten und LV etc. geschehen.

    Bei dem jetzigen Schuldenstand des Dichter- und Denker-Staates und den zukünfigten Verpflichtungen kann man das weitere Voranschreiten am Besten im sedierten Zustand verfolgen.

  3. toter_esel sagt:

    Wenn ich ARD oder ZDF gucke, sitze ich nicht mehr in der ersten Reihe, sondern reihere in die ersten Sitze, sobald ich „Rettung“ nur höre! Manchmal hätte ich wirklich Lust, die Lastschriften der GEZ ab 2010 wegen „Widerspruchs“ zurück zu geben und darüber hinaus Schmerzensgeld zu verlangen. Ganz prima kotzen kann ich bei dem Satz, dass „das frische Geld zu einem Kursfeuerwerk an der Börse“ geführt hat.

    Wer den Knall gehört hat, zählt heute schon zu den Erleuchteten.

    Nachher gucke ich mir Mutti Merkel an. Aber ohne Ton.

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