Hebel hoch, Rendite runter

14. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der finanzielle Dreikampf ist in vollem Gange. Der Wettlauf von steigendem Kredithebel bei gleichzeitig sinkenden Gewinnen und zunehmender Bewertung sorgt für beste Unterhaltung. Es sind wundervolle Zeiten in denen Schulden die ausbleibgenden Gewinne ersetzten und sinkender Umsatz mit steigender Bewertung belohnt wird…

Gefühlt geben mittlerweile 12 von 10 Anleger mit schlauem Grinsen und wichtiger Mine an, nur noch passiv zu investieren. So darf man sich darüber freuen, dass Coca-Cola trotz rückläufiger Umsätze wie ein Wachstumsunternehmen gepreist wird und Exxon dies mit sinkender Einnahmen, eines kapitalintensiven Geschäftsmodelles und einer Ausschüttungsquoten von 350% und Rekordverschuldung kontert. Alles egal antwortet daraufhin der nach acht Jahren Bullenmarkt zur Ignoranz konvertierte Anleger, das sei alles eingepreist. Beide Titel sind Schwergewichte in vielen indexorientierten Produkten weil sie einen hohen Börsenwert haben und liquide gehandelt werden.

Ein Blick auf Exxon kann dem einen oder anderen vielleicht die Augen öffnen, wozu ein geistloser Herdentrieb führen kann. Wie man sieht muss man dazu nicht einmal die üblichen Lieblingstechs bemühen.

  

Der Umsatz hat sich in den letzten Jahren halbiert, die Gewinne sind noch stärker gefallen. Damit man zu den hochgelobten „Dividendentiteln“ gehört zahlt man eine Dividende, die fast das Doppekte der Einnahmen ausmacht. Nebenbei, damit man auch in der Zukunft etwas hat um daran zu knabbern, hat man die Verschuldung pro Aktie mehr als verdoppelt. Es geht doch nichts über ein gesundes Geschäftsmodell. Das sehen auch die Aktionäre so, die das Papierchen ganz entspannt halten. Ach, ganz vergessen, die Investoren interessieren derartige Dinge nicht, sie investieren ja jetzt passiv. Kaufen Sie doch mal ab morgen passiv Dosenravioli. Wenn Sie die Dose dann daheim aufmachen sollte es Ihnen allerdings egal sein, ob 30 Ravioli oder nur zwei in der Dose sind, von denen nur einer gefüllt ist – das war alles eingepreist!

Interessanterweise werden viele liquide ETFs vor allem als Tradingvehikel genutzt. Es gibt ETFs auf alle Sektoren, so dass Trader sich dieser Produkte gerne bedienen. Die durchschschnittliche mittlere Haltedauer liegt oft bei nur einer Woche. Die folgende Tabelle zeigt die täglichen Handelsvolumina im Verhältnis zum Marktwert.

Während auch bei Schwergewichten wie IBM und Exxon gerne einmal der gesamte Börsenwert an einem Tag gehandelt wird, zeigt sich beim klassischen Vanguard Indexfonds (ein echter Fonds) ein eher dezentes Volumen. Die Volumina der extrem beliebten ETFs auf den S&P500 und den Small Cap Index Russell 2000 spielt nicht nur in einer anderen Liga sondern in einer anderen Galaxis.

Die Nutzung als reines Tradingprodukt und als „ich legs mal weg“-Vehikel hat Nebeneffekte. Je mehr sich Anleger dem Kaufen passiver Produkte verschreiben, desto weniger findet eine Preisfindung statt.

Ohnehin gibt es kein echtes „passives Investieren“. Man hängt bei der Nutzung passiver Vehikel, gegen die generell nichts spricht, zwar nicht mehr von der Zusammenstellung eines Fonds durch einen Manager ab, bindet sich aber an die Zusammenstellung der Produktanbieter. Diese ist mal sinnvoll und mal weniger sinnvoll ist. Wer etwa breit aufgestellt in den US-Energiesektor investieren möchte und sich auf die diversifizierenden Effekte des entsprechenden ETFs verlässt, der erhält ein recht überschaubares Poutpourri an Aktien. Und einen dicken Klumpen. Die beiden größten Titel des US Energy ETF machen schlappe 40% des ETFs aus. Der Rest ist Garnierung.

Bekommt ein Name wie Exxon Probleme, dann schleppt sich dieses Problem durch zig oder gar hunderte von ETFs die diesen liquiden Titel handeln. Auf ETF-basis könnte man bei einigen Titeln von einer Art „Systemrelevanz“ sprechen. Um es mit den Worten Trumps zu sagen: „You watch.“

Und so geht es ohne Fragen weiter in die gleiche Richtung.

Die Enttäuschung der Anleger mit vielen aktiven Managern ist nachvollziehbar. Gleichzeitig sollte man bei aller berechtigter Kritik auch ehrlich in den Spiegel schauen. Hat man verstanden, was passives Anlegen bedeutet? Ist man in der Lage einen neuerlichen 50% igen Einbruch zu durchleben ohne seine Strategie zu verlassen? Kann man sich diesen überhaupt leisten?

Es gibt viele Strategien, die sich wunderbar mit Indexfonds oder auch bestimmten ETFs abbilden lassen. Wichtig ist

Als Anleger sollte man sich diese und einige Fragen ehrlich beantworten. Nicht jede Strategie ist für jeden geeignet. Zumindest einen weit verbreiteten Fehler sollte man nicht begehen. Man sollte nicht davon ausgehen, nie wieder einen Bärenmarkt zu erleben.

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