Hausse für Blinde…

8. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Andreas Hoose

In einem Marktkommentar der Schweizer Privatbank Vontobel war in dieser Woche der folgende Satz zu lesen:

„Unsere Prognose einer allmählichen Erholung gründet sich unter anderem auf den jüngsten Einkaufsmanagerindex (PMI), einem wichtigen Barometer für die derzeitige und zukünftige wirtschaftliche Verfassung. Der Indikator ist im Mai auf 47,7 gestiegen und hat die Markterwartungen übertroffen“. (Vontobel)

Auch sonst hängt im folgenden Beitrag der Himmel voller Geigen: Die Welt ist rosig, alles in Butter, die Party geht weiter. Man möchte den Kollegen zurufen, die eigenen Prognosen noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Erstens zeigt ein Indexstand bei den Einkaufsmanagern von weniger als 50 Punkten Kontraktion an, also Wachstumsschwäche.

Zweitens könnte möglicherweise ein kurzer Blick auf die folgende Abbildung helfen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich nämlich, dass optimistische Einkaufsmanager eine reine Fata Morgana sind. In Wahrheit befinden sich die Einschätzungen der Einkaufsmanager auf dem Rückzug – und zwar rund um den Erdball. Und auch nicht erst seit gestern, sondern seit mehr als drei Jahren. Wer den Abwärtstrend nicht sieht, dem empfehlen wir den Gang zum Optiker. Brille? Fielmann!


 Quelle: Bloomberg

Verschiedentlich ist auch immer wieder zu hören, ambitionierte Bewertungen der Aktienmärkte seien gerechtfertigt, weil die Gewinne der Firmen unaufhaltsam gen Himmel wachsen. Auch dies ist ein hübsches Märchen, das sich bei genauerer Betrachtung in Luft auflöst. Dazu die folgende Abbildung. Wie man hoffentlich auch ohne Brille erkennen kann, zeigt der Trend bei den Gewinnen der im S&P 500 gelisteten Unternehmen stramm abwärts. Und auch hier gilt: Dies geschieht nicht erst seit ein paar Wochen sondern seit dem Jahr 2009.


Quelle: WSJ

Dass sich der Wachstumstrend in China abschwächt, wird neuerdings sogar als „gute Nachricht“ verkauft. Endlich seien im Riesenreich „normale Verhältnisse“ zu erwarten. Seltsam nur, dass noch vor einigen Monaten jede Wachstumsdelle in China als Katastrophe beschrieben wurde, die der Weltwirtschaft einen herben Dämpfer verpassen werde.  Wer sich mit dieser These auch heute noch anfreunden kann, der setze seine Brille auf und werfe einen Blick auf die folgende Abbildung. Gezeigt werden die Entwicklungen von Einfuhren und Ausfuhren in China. Noch Fragen?


Quelle: Bloomberg

Besonders erheiternd war in dieser Woche auch eine Meldung aus dem Handelsblatt. Dort wurde verkündet:

„An den Börsen verbreiten sich beunruhigende (!) Nachrichten. Die Wirtschaft zeigt erste Anzeichen einer Erholung. Für die Anleger Grund genug sich aus den Aktienmärkten zurückzuziehen“. (Handelsblatt)

Die wenigen Beispiele zeigen dass man gut daran tut, genau hinzusehen, wenn man sich heute mit optimistischen Prognosen aus der Deckung wagt. Seltsamerweise scheint das völlig aus der Mode gekommen zu sein. Die Leute halten sich lieber an blumige Versprechungen diverser Daueroptimisten, die aus unerfindlichen Gründen alle ihre Augengläser verlegt haben.

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de

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