Hauptsache man hat ein Auto. Zum Wegfahren.

19. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Das Ende eines Zyklus ist einer dieser ganz besonderen Punkte. Dort hat man vergessen, wo man herkommt, denkt aber zu wissen wo man hingeht. An den Finanzmärkten ist dies jedoch oft genau der Punkt, an dem man wieder dahin zurückkehrt, wo man herkommt. Zum Glück hat man vergessen, wo das war, von daher wird es nie langweilig…

Der sich dem Ende entgegen neigende Boom bei den US-Autoabsätzen zieht wie ein Komet eine große Schleppe hinter sich her. Wie so viele andere Dinge werden natürlich auch Autos oft auf Kredit gekauft. Das ist an sich angesichts der Kosten eines Autos nicht überraschend. Das gesamte Volumen der ausstehenden Autokredite darf man jedoch mit einer gerunzelten Stirn quittieren.

Auf rund 1.100 Milliarden Dollar ist die Zahl mittlerweile angeschwollen, was in etwa dem aggregierten GDP der Bundesstaaten Arkansas, Nebraska, Mississippi, New Mexico, Hawaii, New Hampshire, West Virginia, Delaware, Idaho, Maine, Rhode Island, North Dakota, Alaska, South Dakota, Montana, Wyoming und Vermont entspricht.

Leider handelt es sich bei den meisten Autos nicht nachweisbar langlebige und vor allem preisstabile Wirtschaftsgüter. Nach der Fahrt vom Hof sind die ersten zwölf Raten oder mehr meistens schon verbrannt. Das hat jedoch weder Kreditgeber noch Kreditnehmer vom irren Reigen abgehalten. Die Annahme, man habe es wohl mit wohlhabenden Pensionären und Rentnern zu tun, darf man wohl ebenfalls in Reich der Fabel verweisen.

Zwar ältere Menschen die Bevölkerungsgruppe, die in den letzten Jahren auch im Vergleich zu anderen Gruppen deutlich mehr arbeitet. Dieser Hang zur Beschäftigung ist jedoch selten nur der Langeweile und noch seltener dem Hang zu kleinen Nettigkeiten zuzuschreiben. Vielmehr geht es eher um die Aufrechterhaltung des Notwendigen.

Ein Blick auf den Saldo aus Einzahlungen und Entnahmen betrieblicher Altersversorgung zeigt sich trotz des vielzitierten Vermögenseffektes durch steigende Aktienmärkte ein wachsendes Loch. Es wird netto mehr entnommen als nachfließt. Wie die Kreditaufnahme zeigt, genügen etwaige Entnahmen nicht für die Barzahlung beim Autohändler. Das wäre angesichts der im Mittel nur dünnen Rücklagen der US-Sparer wohl auch etwas viel verlangt.

Wer nicht viel hat, und damit sind dann wieder alle Altersklassen gemeint, der zahlt seinen Kredit nicht immer zurück. Das kennt der Nachrichtenkonsument nicht nur von den Emittenten zahlreicher Ramsch-Anleihen sondern auch vom einen oder anderen Immobilienkäufer.

Die Ausfallraten im guten alten Subprime Segment, also den Krediten, die man besser nicht vergeben oder aufgenommen hätte, die man nun aber hat, sind bereits wieder auf dem Niveau des Jahres 2009. Seit 2011 haben Sie sich in etwa verdreifacht und liegen wieder knapp unter 5%. Nicht nur der Automarkt ist übrigens für das hohe Kreditwachstum verantwortlich.

Auch der Bildungsmarkt, oder besser der Abschluss-Markt, läuft vor allem dank einer massiven Ausweitung der Studienkredite. Gemeinsam mit den Autokrediten darf man ein Kreditvolumen in Höhe von mehr als 13% des US GDP bestaunen. 

Welches Investment, das Auto oder das Studium, sich als werthaltiger herausstellt ist nicht nur auf Grund der Anwalts- und Master-Schwemme eine offene Frage. Immerhin  hat das Auto einen wenn auch kleinen Restwert, was man nicht von jedem Studium behaupten kann. Wie heißt es schön, früher hat man Bildung verkauft, heute Abschlüsse.

Angesichts der wachsenden Zahl an Barkeepern und Kaffee-Ausschenkern mit Bachelor und Master in den Taschen sollte man auch hier mit einer deutlich steigenden Zahl an Kreditausfällen rechnen. In mancher Kreditabteilung freut man sich sicher, wenn der Student endlich das Büro verlässt, damit man mit dem Auto wegfahren kann. Ganz weit weg.

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Ein Kommentar auf "Hauptsache man hat ein Auto. Zum Wegfahren."

  1. Lickneeson sagt:

    Wertes Bankhaus

    Wenn einem morgens soviel Gutes widerfährt, das ist schon einen….wert

    “ Wie heißt es schön, früher hat man Bildung verkauft, heute Abschlüsse.“

    .Danke für den Beitrag, der vor Spott und Zynismus wieder einmal trieft. Die Fakten sind ja eher zum davonfahren. Summen in Schulden, Krediten, Anleihen und Bad Banks, Target-Salden etc haben hier und hinter dem Atlantik ein Ausmass erreicht, wo man nur noch hysterisch kichern kann. Mir bleibt es z. B. schleierhaft wie sich Luca Draghi imer noch in diversen EU- Staatenparlamenten hinstellt und rotzfrech diesen Unsinn von Inflation, Kreditankurbelung und Hilfe für alle EU-Bürger absondert, Die ganze Show ist illegal und wird implodieren, das sind Fakten. Und das Ende der Show wird ja wieder sozialisiert.Traumhaft.

    „.. Zum Glück hat man vergessen, wo das war, von daher wird es nie langweilig…“

    Grossartig!

    MfG

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