Hauptsache Kosten

1. September 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Eine kleine Volksbank im Taunus kannte bis vor ein paar Tagen so gut wie niemand, außer einigen Einheimischen. Durch ein neues Gebührenmodell erlangte dieses Bänklein nun jedoch überregionale Berühmtheit. Die viele Häme, die das Haus abbekam, sollte der Fairness halber jedoch eher gleichmäßig über weite Teile der Branche verteilt werden…

Nach der Jahrtausendwende gab es einen Trend zum kostenlosen Girokonto. Wer sein Gehaltskonto bei einer Bank hielt und dazu bereit war, bestimmte Dinge nur online abzuwickeln, der konnte sich über diese schöne Errungenschaft freuen. In dieser Zeit dachten viele Institute, sie könnten von der Zinsmarge ordentlich leben, was für einige Jahre auch der Fall zu sein schien.

Gut, zahlreiche finanziell und vor allem im Derivatebereich nicht sonderlich bewanderte Vorstände versenkten wenn nicht gleich das ganze Institut so doch die Reserven mehrerer Jahre oder Dekaden. Aber das ist ja nichts worüber man gerne ein Wort verliert.

Da bei vielen Banken außer den Kosten nicht viel auf dem alten Stand geblieben ist, steht man nun in Zeiten der konstruierten Negativzinsen vor dem nächsten Problem. Der Kunde will keine negativen Zinsen zahlen. Er versteht sie nicht einmal, denn warum sollte man sein Geld irgendwo parken, wenn es Geld kostet? Es ist das alte Missverständnis vieler Menschen, dass sie ihr Geld auf einem Konto ablegen. Das ist bekanntlich falsch, denn der Kunde gibt der Bank einen Kredit und auf dem Konto findet sich lediglich die Höhe der entsprechenden Forderung wieder. So schleichen sich auch hier negative Zinsen ins System, den bei der Bank fallen die Negativzinsen ja tatsächlich an.

Um lästigen Argumentationen aus dem Weg zu gehen, verlangen manche Banken zwar keine negativen Zinsen sondern holen sich das Geld auf anderem Wege wieder zurück. Da gibt es etwa bizarr hohe Gebühren für schlichte Dienstleistungen, angefangen bei der Barabholung bis hin zur Überweisung oder gar das Beratungsgespräch, bei dem leider oft zwischen „guten Morgen“ und „auf Wiedersehen“ fachlich nichts besonderes zu entdecken ist.

Viele dieser Gespräche haben bestenfalls die Qualität der hausmedizinisch angehauchten Artikel im Goldenen Blatt. Viele Bankangestellte sind schlichtweg überfordert den Produkten selbst oder mit den bizarren Verkaufszielen für Produkte, die oft überteuert und qualitativ fragwürdig sind. So wird dann aus der Plauderei über den Sparplan für die Kinder rasch ein vermeintliches Beratungsgespräch, dass der Kunde direkt frustiert und ohne Produkt oder mit einem horrende Kosten verursachenden Fonds im Depot der Kinder und damit zukünftig frustriert verlässt. Das alles ist trostlos und oft weit unter dem Niveau jedes Gebrauchtwagenhändlers, der in der Regel wenigstens sein Produkt kennt.

Ausgerechnet derartige Dinge, die wir uns weigern, Dienstleistung zu nennen, möchte man nun höher bepreisen. Hier die aktuelle Tabelle mit den Kosten des „Aktiv Kontos“ der Raiffeisenbank im Taunus.

Die Kosten gelten übrigens pro Monat. Hier geht es zur Seite der Bank.

Vor allem das Beratungsviertelstündchen gibt zu denken. Ein Berater sollte beraten, ein Verkäufer sollte verkaufen. Wenn der Verkäufer sein Verkaufsgespräch als Beratung veranschlagt ist das ein bisschen so als würde der Möbelhändler von Ihnen 30 Euro pro Viertelstunde verlangen, weil er Ihnen etwas über die Möglichkeiten verschiedener Küchen oder Schlafzimmerschränke erzählt.

Der Gedankengang, dies für ganz normal zu halten, zieht sich in einer erschreckenden Selbstverständlichkeit durch die Finanzbranche. So dürfte dieser Sektor auch der einzige sein, wo sie als Kunde den Großteil der Kosten auch ohne Leistung zahlen. Sie kaufen einen Fonds, zahlen 1,5% pro Jahr und wenn es gut läuft bekommt die Bank über die Performancegebühr noch eine Belohnung. Das ist in etwa so, als wenn Sie Ihr Auto in die Werkstatt bringen, zahlen 300 Mark für das Abstellen auf dem Parkplatz – und wenn der KfZ- Meister es erfolgreich reparieren konnte, kommen noch einmal 500 Mark obendrauf. Wenn es das Geschäftsmodell nicht schon geben würde, man müsste es erfinden.

Im Grunde sind die Bestandsgebühren in weiten Teilen nichts anderes als negative Zinsen, die dem Kunden für das Parken seines Geldes abgenommen werden. Natürlich gibt es auch fixe Kosten, die mit dem Verwalten eines Fonds verbunden sind, allerdings zeigen die Gebühren der ETFs, die teils unter 0,1% pro Jahr liegen, dass diese nur einen winzigen Teil der oftmals verlangten Gebühren ausmachen.

Was kann der Kunde tun? Er kann auf niedrige Gebühren achten und sollte sich vor allem selbst schlau machen. Das hat auch für die echten Berater in der Branche, die nicht nur Verkäufer sind, ebenfalls Vorteile. Ein Kunde mit einer gesunden finanziellen Grundbildung, der versteht, wie die Charakteristika bestimmter Anlageklassen sind und der nicht alle drei Tage seinen Depotstand auszuwerten versucht, sollte wesentlich zielführender zu beraten sein.

Es gibt wenige Dinge, die auch der Stabilität des Systems so weiter helfen würden, wie Menschen, die wissen was sie verkaufen und andere Menschen, die wissen was sie kaufen. Für die Gebühren wäre das natürlich nicht so schön, aber das ist der Lauf der Dinge. Die Zeit der hohen Margen in der Finanzbranche hat  sich ohnehin schon überraschend lange gehalten, vor allem in Deutschland. Die Veränderung ist bereits in vollem Gange.

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Ein Kommentar auf "Hauptsache Kosten"

  1. Otto sagt:

    Was machen diese Banken, wenn sie schluss-endlich bemerken, dass sie in weiten, vielleicht sogar überwiegenden Bereichen überflüssig geworden sind. Überflüssig auch deswegen, weil sie für ihr Angebot einfach zu teuer geworden sind und der Markt längst Alternativen entwickelt hat. Überflüssig auch, weil sie zwar mit Währung handeln, sich aber nicht um die Qualität der Währung, ihr Handelsgut, gekümmert haben.
    Mein Bedarf:
    Kredit > Smava u.a.
    Bargeld > Aldi, Edeka, Tankstelle
    Konto > nur elektronisch, Bitcoin, Blockchain, PayPal
    Beratung, Anlage > Netz, Finanztest, Finanztip u.a.
    Depot > Broker
    Fehlt nur noch das Schul-Unterrichts-Fach Finanzen.
    Es verbleibt vorläufig die Oma mit ihrer Rechnung / Überweisung und das Gewerbe.
    Die Industrie hat längst eigene Banken, VW, BMW, Mercedes…
    Banken haben viele Firmen in Pleite begleitet, bemerken aber trotzdem offensichtlich den eigenen Niedergang und die Gründe dafür nicht. So ist es halt, wenn man aus einer Pfründe kommend auf einmal dem Markt ausgeliefert wird.

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