Haufenweise Schnäppchenpreise?

15. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Haben Sie am Montag schon etwas vor? Dann feiert man in Deutschland erstmals den „Tag der Aktie“. Ziehen Sie sich hübsch an. Die Börsen sind es auch…

Etliche Direktbanken bieten an, DAX-Aktien ganz ohne Gebühren kaufen zu können – und das zu Höchstkursen. Halleluja! Und das auch, wo man für den weichen Euro inzwischen viel weniger Aktien bekommt. Bevor die Kaufkraft des Euro wie gewollt aber noch weniger wird… Nur Mut!

Diese Gelegenheit ist ein Geschenk, wie der Zutritt zur Luxusboutique ohne Eintritt zahlen zu müssen. Wie ich die Deutschen kenne, stehen sie Schlange wie vor dem Apple-Shop.

Dabei sollte man Aktien eigentlich kaufen, wenn die billig sind und die Stimmung schlecht. Sind Aktien billig? Wir wissen es nicht. Im Vergleich zu den künstlich gehypten Anleihen schon. Der DAX könnte nach alten Modellen Aktien-Anleihen auf 30.000 Punkte steigen oder noch höher. Aber werfen Sie diese alten Modelle in Zeiten des Interventionismus und Geldsozialismus am Horizont schnell wieder weg.

Oh ja, der DAX ist dieses Jahr um 20 Prozent gestiegen und ist dabei auch noch viel billiger geworden, sagen Experten. Für sie sind kursschwache Tage immer Kauftage. Kennen wir das? Zudem werden die Kurse nie wieder fallen. Und wenn, drehen Sie die DAX-Kurse auf dem Kopf und feiern weiter. Schließlich leben wir in einer neuen Welt, wo Notenbanken für den nötigen Schub an den Börsen sorgen, weil sie seit Montag Staatsanleihen aufkaufen. Völlig ausgeschlossen, dass Schnäppchen zurückschnappen. Aber es ist lustig! Mich erinnert das irgendwie an die Jahre 2000 und 2008. Seitdem ist die Welt wirklich anders geworden, irgendwie ver-rückter und steht längst nicht mehr dort, wo sie stehen sollte. Der Zins als Preis für das Geld ist ausgeschaltet. Der Rest ist der Boom des Irrsinns oder der Not.

Doch eigentlich ist das alles egal, denn am 20.3. gibt es endlich wieder eine Sonnenfinsternis. Das Stromnetz könnte um die Mittagszeit kollabieren und wir dann im Dunkeln sitzen. Versorger-Aktien waren verdächtig schwach. Kleiner Scherz! Keine Sorge, an der Börse brennt immer das Licht, bis es einer ausmacht. Den Schalter dazu fände man bei den Notenbanken. Aber wer will schon dort suchen in Zeiten, wo nominaler Reichtum gedruckt wird – ganz ohne Anstrengung – und der Teufel sein Geschäft wieder auf dem größten Haufen verrichtet.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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Ein Kommentar auf "Haufenweise Schnäppchenpreise?"

  1. FDominicus sagt:

    Bis zum September des nächsten Jahres wird die Party wohl laufen können. 1 100 000 000 000 sind schon „etwas“ und wo soll dieses neue Geld hin? Sehen Sie boomende Absatzmärkte?

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