Hass-Liebe auf den zweiten Blick

7. Mai 2009 | Kategorie: Kommentare

Naja, ich weiß nicht… Eine Traumhochzeit sieht anders aus. Die Familien Porsche und Piëch scheinen sich nicht so recht grün zu sein, doch wenn die Hütte brennt, ist Blut eben dicker als Wasser. Und so müssen sich die beiden jetzt Traurige überstülpen, was die Familienprobleme auch nicht besser macht, aber zumindest Porsche Existenz sicher. Volkswagen und Porsche schließen den Bund des Lebens. Halleluja!

Ich gebe ja zu, irgendwie hatte ich Wiedeking und Härter als Genies im Hinterstübchen gespeichert. Das hat man mir immer so lange erzählt, bis ich es geglaubt habe. Die kleine Porsche wollte die große Volkswagen übernehmen und auf den letzten Metern geht der Porsche die Puste, Pardon, das Geld aus. Oh weia. Ja, irgendwie leben wir inmitten einer Zeitenwende. Kreditfinanzierte Firmenübernahmen sind heute ein Relikt aus einer „guten“ alten Zeit. Damals konnte man noch ein paar Dumme finden, die jeden Blödsinn finanzierten. Doch heute? Die Zeiten sind schlecht geworden und die Banken knausrig. Übernahmen auf Pump sind sowas wie wie Pfui Bäh beworden. Fragen Sie mal Frau Scheffler.

Porsche hat an Volkswagen 51%, doch man brauchte 75%, um bei Volkswagen in die Kasse greifen zu können. Dazu kommt es wohl nicht. Volkswagen hätte in diesem Fall sogar seine eigene Übernahme finanziert. Ein Witz im kleinen Hirn eines Börsianers. Vielleicht ist es ja gut so wie es gekommen ist. Wer hat verloren? Beide. Ferdinand Piëch konnte Porsche nicht übernehmen und die Porsche-Familie nicht Volkswagen. So landen beide Streithähne in einer gemeinsamen Holding. Viel Spaß dabei!

Bevor aber Volkswagen kursmäßig wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommt, irgendwo unter 230 Euro, und Porsche durch die Schuldenlast erdrückt wird, bestellt man lieber schnell das Aufgebot und gründet eine Holding. Nicht dass da zusammenwächst, was wirklich zusammen gehört, doch wie der Name schon sagt – man h ä l t sich gegenseitig.

Punktsieg für Ferdinand Piëch? Nicht wirklich. Seinem Ziel der vollständigen Einverleibung von Porsche durch VW ist er jetzt auch nicht viel näher gekommen. Was kümmert mich das? Ein Auto unter dem Hintern, das mich von A nach B bringt, das reicht mir aus. Und ob die beiden eine Vernunftehe führen, sich in den Armen liegen und sich gleichzeitig die Messer in den Rücken stechen, ist mir ziemlich schnuppe. Wenn Porsche den Bach runtergehen würde, das wäre wirklich schade. Denn schließlich braucht man doch gewisse „Erkennungsmerkmale“ von Leuten, vor denn man sich in Acht nehmen sollte, wenn sie mit so einer tollen Kutsche angebraust kommen. Das denken nicht nur Männer, sondern auch die Frauen.
Wie es auch kommt. Die Dinge rücken sich zurecht. Und dabei muss gar keiner helfen. Es trifft nicht nur die Kleinen, sondern auch die Großen. Wie wird es Wendelin Wiedeking gerade gehen? Er hat im letzten Jahr um die 50 Millionen Euro verdient. Das müsste doch reichen, um die Liebenden in ihrer trauten Zweisamkeit nicht zu stören. Der Autowelt geht es trotz Abwrackprämie gerade dreckig. Es gäbe auch noch andere Jobs, beispielsweise bei BMW und Mercedes – notfalls sogar bei Opel.

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