Haspa hasst Sparen

12. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Krass! Deutschlands größte Sparkasse verlangt künftig von Firmen künftig Strafzinsen auf Guthaben über 500.000 Euro. Wann bekomme auch ich endlich auf einen Kredit Zinsen gutgeschrieben?

Für Privatleute soll diese „Gebühr“ „so lange wie möglich vermieden werden“, heißt es. Dabei schloss 2014 Sparkassenpräsident und früherer CSU-Politiker Georg Fahrenschon Strafzinsen bei Sparkassen noch aus. Das Gegenteil passiert nun. Typisch.

Dieser Akt der Verzweiflung wird „Verwahrgebühr“ genannt, obwohl da gar nichts verwahrt wird, und ist damit Marketing vom Feinsten.

Inzwischen verlangen 15 Banken von Firmenkunden Strafzinsen und sieben auch von Privatkunden. Die Liste dürfte bald länger werden. Guthaben sind künftig so eine Art Sondermüll, bei deren Entsorgung dann Gebühren anfallen.

Lasst uns in die Hände klatschen, denn so viel Verrücktheit verdient Applaus. Es wäre ja verständlich, wenn die Bank das Geld im Tresor bunkern würde. Doch Elektro-Geld verursacht keine Verwahrkosten. Man tut nur so, als würde es das. Hintergrund ist, die EZB nimmt von Banken Strafzinsen von 0,4 Prozent für überschüssiges Geld der Banken – und gibt sich unschuldig.

Ohne Strafzinsen würde sich das Geschäftsmodell der Banken nicht rechnen, klagen sie und sie sind den der EZB schutzlos ausgeliefert. Man könnte auch behaupten, die sogenannte Eurorettung bedroht das Geschäftsmodell der Banken. In freien Märkten müssten sie dann schließen. Aber freie Märkte gibt es ja nicht mehr, nur noch Interventionen. In freien Märkten gäbe es übrigens auch keine Minus-Zinsen.

Wer künftig spart, also der Bank Geld gibt, muss wissen, dass man es dann nicht mehr besitzt. Man hat gegenüber der Bank eine Forderung, die sie begleicht, wenn man Geld abhebt. Man könnte ja auf Bargeld ausweichen, allein schon aus Gründen der Gerechtigkeit.

Verständlich, warum es dem Bargeld an den Kragen gehen soll. Ohne Bargeld, das ist manch feuchter Traum der Geldpolitiker, wären die Leute ihnen alternativlos ausgeliefert. Man könnte nicht nur richtig zulangen, sondern jeden auch noch lückenlos überwachen. Darüber aufgeregt wird sich wohl erst, wenn es zu spät und das Verrückte die neue Normalität geworden ist. Die Dämme brechen gerade.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nahrichten (Langfassung)

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