Happy Börsday, Wall Street Crash!

8. Dezember 2009 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer
(Kolumne aus den Lübecker Nachrichten vom 25.10.2009)

Der Börsencrash vom 24. Oktober 1929 jährte sich nun zum 80. Mal, als eine Blase aus Gier und Übermut platzte, und binnen weniger Stunden den Aktionären alles genommen hat, auch ihre Täuschungen. Selbst Politiker waren damals blind, als sie wie heute ewiges Wachstum orakelten…

In der anschließenden Großen Depression gingen Firmen pleite und Millionen Arbeiter nach Hause. Konjunkturprogramme wie heute gab es nicht. Nachdem aber die Überkapazitäten und Dummheiten aus dem Markt verschwunden waren, kam die lange Erholung auf breiter Front. Bereinigungen brauchen Zeit und haben ihren Sinn.

Heute ist es anders. Man erinnert man sich kurz an den Crash an der Wall Street, ist froh, dass das Platzen der jüngsten Haus– und Kreditblase nicht den gleichen Effekt hatte wie der Knall damals und macht weiter wie vorher. Scheitern ist heute keine Option mehr. Um das sicher zu stellen, werden Geldmengen biblischen Ausmaßes produziert, als ob tausend Luftpumpen versuchen, einen Fahrradschlauch unter Druck zu halten, obwohl die Wirtschaft doch dringend ausruhen müsste.

Die Lernkurve in Sachen Bescheidenheit ist mit steigenden Börsenkursen inzwischen eingeknickt. Mister Market schaut verwundert aus seiner Ecke und staunt, mit welchen Mitteln man die Welt gerade rettet: Staatliche Garantien und Eingriffe, kostenlose Kredite für Finanzinstitute, Bilanzierungskosmetik und das Bereitstellen von Versteckmöglichkeiten für giftig gewordene Papiere nebst sprachlicher Nebelkerzen. Und so leben sie weiter, die Zombies, die eigentlich haben sterben wollten – zum Glück aller. Bis zum nächsten Knall.

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