Happy Börsday, Finanzkrise!

12. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Für „Geld“ gibt es viele Begriffe: Zaster, Knete, Kohle oder auch Asche, weil Kohle brennen muss, bevor sie zu Asche wird. Das nennt man Finanzkrise – wie aktuell in Venezuela…

Venezuela steht nun ohne echtes Geld da, obwohl Unmengen davon gedruckt wurde. Gelddrucken macht eben nicht reich. Aber wem fällt das hierzulande auf? Wenn aber deswegen die Börsen steigen, fühlt sich das an wie eine Rettung. Aber nicht in Venezuela. Der Aktienindex dort hat in zehn Jahren 454.000 Prozent zugelegt. Hurra! Das zählt doch! Nein? (Quelle: onvista)

Auf den Straßen gibt es dort wahre Feuerwerke – weniger am Himmel. Es brennt!

Unsere Finanzkrise hingehen feierte am 9. August mit dem Einfrieren des Interbanken-Marktes ihren zehnten Geburtstag. Erinnern Sie sich? Happy Börsday! Dann kam die EZB.

Unsere Finanzkrise ist weiterhin quicklebendig, auch wenn sie unter noch größeren Schuldenbergen vergraben wurde. Seit dem 9. August 2007 gab es viele Purzel-Tage, die den DAX bis März 2009 auf 3.588 Punkte purzeln ließen.

Eine Finanzkrise lohnt sich, obwohl Experten damals den Sparern Festgeld und Bares in den „Brennpunkten“ dringend empfohlen haben. Seitdem aber steigen die Aktien. Danke EZB! Die Aktien und auch die anderen Sachwerte wurden teurer, nicht das Geld auf dem Konto. Und Inflation gibt es offiziell nicht. Nur, wenn man genauer hinschaut.

Seltsam, dass in Venezuela der gleiche Lösungsansatz, das Gelddrucken, arm macht und hierzulande jeden reich? Dabei haben die da drüben Unmengen Öl und wir nur die EZB. Nominal ist jeder Venezolaner Millionär, nur hört dort das Geld auf, Geld zu sein. Venezuela ist weit weg.

Ein möglicher Krieg zwischen den USA und Nordkorea ließ den DAX in dieser Woche abstürzen, während die Warnlampen schon lange leuchten. Zudem ist der August ein gefährlicher Börsenmonat, abgesehen von den übrigen Börsenmonaten. Experten beschwichtigen wie immer.

Wer hierzulande spart, der legt etwas auf die hohe Kante. Dumm nur, wenn es von dort herunterfällt – und das in Zeiten, in denen Aktien offiziell billiger wurden je höher sie stiegen. Neun Prozent hat der DAX seit dem Hoch eingebüßt. Sind das Schnäppchenpreise? Ich weiß nicht. Von Schnäppchen redet man eigentlich erst dann, wenn Aktien niemand mehr haben möchte, wenn es einen regelrecht davor ekelt wie vor acht Jahren und die Zentralbanken dann noch stärker eingreifen. Nur etwas Geduld!

Es wäre zu zynisch, wenn die Aktienmärkte ein Verkaufssignal ausbilden und die Gold – und Silbermärkte ein Kaufsignal. Irgendwie passt das aber.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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