Die Lage bei Gold und Silber

11. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Hannes Zipfel

Die gesamte Korrekturbewegung bei Gold und Silber seit dem Erreichen der Jahreshöchststände am 8. Juli erinnert charttechnisch und fundamental an die Bewegung im Jahr 2008, kurz bevor Lehman Brothers bankrottging…

Damals waren die Edelmetalle zunächst sehr dynamisch angestiegen, da sich die Krise bereits deutlich abzeichnete (anders als heute von vielen Ökonomen behauptet). Dann jedoch brach der Aufwärtstrend plötzlich ab, nachdem hohe Vertreter der US-Fed und der damalige Finanzminister Henry „Hank“ Paulson versicherten, dass es keine Immobilienblase gäbe (höchstens regional etwas Schaum) und es in den USA wohl nie wieder eine Rezession geben würde. Der Stand der US-Ökonomie hätte den „Goldilocks“-Standard erreicht (analog zu dem Märchen von Goldlöckchen).

Eine sehr ähnliche Rhetorik konnte das erstaunte Publikum in der vergangenen Woche von Fed-Direktoren hören, inkl. Goldilocks-Märchen (diesmal erzählt vom US Fed Gouverneur Stanley Fischer).

Dann jedoch schlug 2008 die Realität zu: eine Hypotheken- und Investmentbank nach der anderen geriet in Schieflage wegen uneinbringlicher Forderungen (resultierend aus der Überschuldung der Bankschuldner und fallender Hauspreise). Daraufhin setzten zunächst Gold ab November 2008 und später auch Silber ihre vorherigen Aufwärtstrends noch dynamischer und deutlich länger fort (Gold +170%, Silber +407%).

Aktuell befinden sich die Märkte erneut in einem extrem gefährlichen Zustand der Liquiditätsverknappung: nahezu alle Anlageklassen korrelieren positiv, also fallen Hand in Hand: Anleihen von bester Bonität bis Ramsch, Aktien, Britischen Pfund (Flash Crash), Rohstoffe, Edelmetalle etc. verbilligen sich. Einzig die Volatilität als Stressindikator für die Märkte steigt an. Dies ist für Vermögensverwalter weltweit ein sehr ernster Zustand, da die Portfoliotheorie komplett versagt.

Ursache für dieses Dilemma ist die austrocknende Liquidität. Aus allen Märkten wird Geld abgezogen, weil es eine klare Diskrepanz zwischen der Kommunikation und den Maßnahmen der wichtigen Zentralbanken, allen voran der US-Fed, auf der einen Seite und auf der anderen Seite eine unverändert ausweglose ökonomische Gemengelage (Überschuldung) sowie extrem liquiditätsabhängige Finanzmärkte gibt. Beides verträgt keine Straffung der Geldpolitik, ja nicht einmal das Philosophieren darüber. Sollte das Sentiment und die Notenbankrhetorik nicht kurzfristig drehen, wird aus dem latenten Crash-Risiko ein Akutes.

Für die Edelmetalle wäre dies, siehe Entwicklung ab November 2008, eine sehr konstruktive Entwicklung, da die Edelmetalle ihre „Save Haven“-Funktion voll ausspielen könnten. Zuletzt war diese Entwicklung nach dem Zinserhöhungscrash, ausgelöst durch die US Fed, ab Januar diesen Jahres sehr gut zu beobachten: sobald der Markt reale Risiken wahrnimmt, weil sie sich trotz anderslautender Kommentare politischer Autoritäten nicht mehr leugnen lassen, flieht das Kapital instinktiv ins „Hard Money“, also Gold und Silber.

So oder so bahnt sich ein Showdown zwischen den Realitätsverweigerern und den Realisten innerhalb der Geld- und Fiskalpolitik an. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit setzt sich die normative Kraft des Faktischen durch und mit ihr eine ultraexpansive Geldpolitik nebst massiven schuldenfinanzierten Konjunkturstimuli á la John Maynard Keynes zur Reflationierung der Wirtschaft und zur Prolongierung des übergeordneten Kreditzyklus (inklusive der Prolongierung der Privilegien der Politikerkaste).

Die Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, machte in einer Rede in der vergangenen Woche bereits Andeutungen bezüglich dem Aufkauf von Aktien, neben Anleihen aller Art. Das wäre das Gegenteil einer restriktiveren Geldpolitik und ist als Vorzeichen des Obsiegens des Realismus innerhalb der Fed zu verstehen. Eine massive Reflationierung, unter Beibehaltung der realen Null- respektive Negativzinsen, könnte den aktuell bereits sehr reifen globalen Kreditzyklus noch einige Jahre weiter tragen, bis zum finalen Global Currency Reset (der dann geplant, konzertiert und einigermaßen kontrolliert ablaufen könnte). Aber eben nur unter der Voraussetzung der Implementierung der o.g. Maßnahmen, so wie sie der Internationale Währungsfonds (IWF) ebenfalls erst Mitte vergangener Woche wieder vehement forderte. Abschließend noch der Hinweis auf ein sehenswertes Video zu den kurzfristigen charttechnischen Perspektiven Gold Dr. Dr. Hamed Esnaashari:

***Hannes Zipfel managed u.a. das Wikifolio „Ausis Gold und Silber Minen“

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