Hanks Wundertüte

26. Juli 2010 | Kategorie: Kommentare

Pünktlich vor dem großen Verfall an den Börsen wurde der Schlingerkurs der Banken mit einem königlichen Spektakel gestoppt. Volle Wende kehrt! Die Indizes jaulen auf, diesmal nach oben. Nach dem Blutbad nach unten nun ein Blutbad nach oben. Für die meisten ist diese Woche wie eine Kneippkur. Kalte und heiße Duschen im schnellen Wechsel sollen ja eigentlich abhärten, stärken, doch vielleicht haut es den einen oder anderen auch dabei um.

Die US-Regierung plant offenbar eine Art Auffanggesellschaft für Kreditmüll zu gründen, angelehnt an die Zeit der großen Sparkassen – und Darlehnskassenkrise. Das war 1989. Damals nahm die Oberen 200 Mrd. USD Steuergelder in die Hand und kauften die Institute frei. Nach und nach entledigte man sich dann des Inhalts des „Resolution Trusts“ und löste das Konstrukt wieder auf. Eine Neuauflage in gigantischer Dimension soll nun als Antwort auf die Kreditkrise vielleicht schon am kommenden Wochenende starten. Das berichten unterschiedliche Quellen übereinstimmend. Da für diesen neuen Trust Anleihen emittiert werden müssten, fragt man sich auch, wer diese kaufen soll. Doch hinter den Kulissen ist das bestimmt schon geklärt worden. Zudem wird das Leerverkaufen von Aktien verboten. Kein Wunder, dass den „Shorties“ heute der Hintern brennt.

Ein großartiger Tag für die US-Banken. Ein mieser Tag für die US-Steuerzahler. Die Banken bekommen ihr Problem von der Backe und sie könnten jetzt theoretisch weitermachen wie bisher. Man beginnt mit einer weiß gewaschenen Weste und kleckert diese nach und nach wieder voll, so wie damals nach dem letzten Freikauf. Sollte man zudem eine strengere Aufsicht zu verhindern wissen, bekämmen vielleicht schon bald wieder diejenigen Kredite, die sich sie gar nicht bekommen dürften. Man braucht nur noch einen Weg, das an ander weiterzureichen, so wie heiße Kartoffeln. Hoffentlich haben die deutschen Landesbanken etwas dazugelernt.

Ob der Steuerzahler heute jubelt? Bestimmt! Er muss neben den Verlusten der beiden großartigen Giganten Fannie Mae und Freddie Mac auch die roten Zahlen von AIG ausgleichen. Dazu schultert er bestimmt doch gerne die üblichen Staatsausgaben wie beispielsweise die 600 Mrd. USD für Rüstung, pardon, Verteidigung und und und…

Eine Lösung für die europäische Finanzindustrie steht noch aus. Ist ein solcher Fonds auch hier denkbar? Oder kann man sich der US-Banken bedienen, um den Müll dorthin wieder zu schicken, wo er ursprünglich überwiegend hergekommen ist? Das hätte einen Hauch von Gerechtigkeit.

Der Zeitpunkt für das Gerücht um die Neuauflage dieses Resolution Trusts war sicherlich nur reiner und purer Zufall. Dass die Banken und der Aktienmarkt durch die Decke gehen natürlich auch. Auch die Stärke des Dollars, wenn bald die Staatsschulden um ein paar Billiönchen durch die Decke, muss zufällig sein. Und das AAA-Rating für die USA? Wozu hat man Bekannte bei den Ratingagenturen… Nur böse Zungen behaupten, dass die ganze USA mit dem Aufkauf dieses übelriechenden Zeugs auf einen Schlag auch „subprime“ geworden ist. Der Greenback jedenfalls wollte oder sollte zum Euro um 4 Cents steigen. Auch der Goldpreis gab nach, binnen einer Nacht um 50 USD. Hurra!

Doch Hank Paulson wäre nicht Hank Paulson, wenn er sich darum nicht auch gekümmert hätte. Klug ist der Mann! Als alter Investmentbanker hat er das in den letzten Monaten bewiesen. Doch was übergibt er seinem Nachfolger dann irgendwann in wenigen Wochen? Die Aussicht auf eine Sintflut?

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