Halt! Hiergeblieben! Du kommst da nicht raus!

16. Juli 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Ja, da brate mir doch jemand einen Storch! Sorry, liebe Tierschützer! Jetzt haben sich die Griechen so tapfer gewehrt. Am Ende mussten sie sogar 86 Milliarden Euro annehmen. Nur Dummköpfe behaupten nun, das griechische Parlament hat gegen das eigene Volk und dessen Referendum gestimmt…

Endlich ist der Weg frei, hört man aus den Hauptstädten, frei für Geld, von dem die Griechen an sich nichts haben werden. Frei ist auch der Weg, dass der Bundestag bei einem hastigen Treffen gegen die Mehrheit der Deutschen stimmen wird, die sich in allen Umfragen gegen weitere Kredite ausgesprochen haben.

Wozu gibt es denn schließlich die im Dunkeln agierenden Rettungs-Schirme. Wenn man Geld ausgelegt, muss man sich nicht wundern, wenn sich daran jemand bedient. In dem Fall zahlen sich die Geldgeber selbst aus. Am 20. Juli erwartet die EZB schließlich 3,5 Milliarden Euro aus Griechenland. Das Geld macht also nur einen kleinen Umweg über Griechenland.

Nicht doch, das Geld ist gar nicht weg. Es haben dann nur andere. Sie bekommen sogar noch mehr davon. Nie war der Sozialismus schöner als heute. 

Es wird ja gesagt, irgendwo in Griechenland wäre die Demokratie erfunden worden. Dieses Übel an der Wurzel zu packen, kann nur in Griechenland erfolgen. Gratulation! Das hat Stil! Ein paar heuchlerische Worte später haben sich schon die ersten Erfolge eingestellt.

Zu heiß? Zu verlockend?

Der arme neue Finanzminister, seinen Namen habe ich schon wieder vergessen – nachlesbar später im Geschichtsbuch – gab zu Protokoll, die Entscheidung würde auf seinem gesamten Leben lasten und noch mehr Bla Bla Bla. Fast sieht es danach aus, als wäre er als Nachfolger von Varoufakis mit Gewalt auf diesen Posten gezwungen worden – wie eine Topfpflanze auf die Fensterbank. Er hätte keine Wahl gehabt, entfuhr es ihm. Aber dann hat er doch gewählt…

Womöglich war er wie viele in dieser Angelegenheit völlig übernächtigt oder wegen der Hitze nicht ganz klar im Oberstübchen. Aber vor ihm stand ein Fressnapf und die berechtigte Hoffnung, dass dort noch weitere 86 Milliarden Euro auftauchen. Wer kann da schon nein sagen? Wer plötzlich auf einem solchen Posten sitzt, hat entweder Ahnung, gute Beziehungen oder beides – nicht? Auf jeden Fall hat er ausgesorgt bis in alle Ewigkeit.

„Aber ich weiß, dass wir etwas getan haben, mit der Einsicht, dass wir keine Wahl hatten.“ 

Die bessere Wahl wäre gewesen, die griechische Regierung hätte sich abgeschafft und die Geschäfte dem fernen Brüssel überlassen. Überhaupt sind künftig nationale Regierungen unnötig, wenn dort alles entschieden wird?. Europäisches Recht bricht ja heute schon nationales Recht. Da sind wir (wir?) doch auf einem guten Weg. Eventuelle Irrtümer sind im Sozialismus ohnehin ausgeschlossen.

Die Zeit dränge und groß war die Sorge der im Feuer stehenden Regierungschefs Europas und deren hippes Euro-Projekt hätten Schaden nehmen könnte. Spätestens, wenn sie dem in Haftung genommen Steuerzahler hätten erklären müssen, das das im vermeintlichen Namen des Volkes weg gewesen wäre. Dass es das jetzt nicht ist, sondern erst nach deren Amtszeit, rechtfertigt jetzt weitere alternativlose 86 Milliarden Euro.

Schon kommt der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest um die Ecke gesprungen und fordert eine Erhöhung des Soli-Beitrags zur Finanzierung des Griechenland-Programms. 

„Ehrlichkeit gegenüber den Wählern und Steuerzahlern und das Gebot der Generationengerechtigkeit erfordern es, zur Finanzierung des Griechenland-Programms die Steuern in Deutschland zu erhöhen oder Ausgabenkürzungen zu verabschieden.“

schreibt er in der FAZ. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass wir den 16. Juli schreiben und nicht den 1. April. Sie sollen also etwas retten, worüber sie nie haben abstimmen konnten, ob sie diese ständig zu rettende „Knüppelwährung“ überhaupt wollten. Das ist sozialistische Politik.



Tsipras als Opfer?

Vielleicht gehört es zum guten Ton, dass sich Herr Tsipras jetzt als Opfer präsentiert. Pfui Spinne! Er sagte, dass er nicht an die Reformen glaube. Vielleicht hat er sogar Recht. Bald gibt es 86 Milliarden Euro inklusive einiger unumsetzbarer Reformbedingungen, was davon wie in den letzten Jahren dann völlig überraschend nicht umgesetzt wird, entnehmen Sie bitte ihrer örtlichen Tageszeitung. Ist das der Plan? Zwar ist auch dann das Geld weg, aber die Griechen bekommen als Ausgleich dann noch strengere Auflagen und noch mehr Geld, womit sie wiederum die Geldgeber auszahlen. Oder will Brüssel künftig Troika-Blauhelme schicken?

Zu den Reformen gehört ja so etwas wie der berühmt-berüchtigte Treuhandfonds. Kennen wir das nicht aus DDR-Zeiten? Die Filetstücke wurden damals ja verschenkt. War ja bloß Volksvermögen. Ähnlich wird es in Griechenland sein. 

Aber die Börse freut sich. Wer heilt hat Recht. Nicht wahr? Unsinn, die Börse wirkt nur wie ein Thermometer bzw. als Wasserstandsanzeiger für den Kollateralschaden der ganzen „Rettungs-Beschlüsse“ bzw. die Erfolge des Sozialismus. Diesen halten bekanntlich weder Ochs noch Esel auf. Bis auf die Ossis.

Nein, dieses Überdosis Glück in Form von weiteren Milliarden werden sich später als schleichendes Gift für den sozialen Frieden entpuppen, wo nur noch die Polizei helfen kann, wie man am Mittwoch vor dem griechischen Parlament sehen konnte.

Viel Spaß mit den 86 Milliarden Euro!

Der Deutsche wird denken, bzw. wird ihm erzählt, dass es die Griechen jetzt so richtig krachen lassen bis das Geld alle ist und sie dann in drei Jahren oder früher weitere 100 Milliarden Euro fordern. Ja, lieber Michel, woher sollst Du es auch besser wissen…

Richtig krachen lassen können es jetzt die Geldgeber – denn diese verteilen frisches und aus dem Nichts geschafftes Geld – an sich. Es leben die Visionen derer, die sich Ihre Vision eines glücklichen Europas halten der Ochs noch Esel auf. Wer Visionen hat wie die „da oben“ gehören eigentlich einem Arzt vorgestellt. Sie werden schon dafür sorgen, dass man sie nicht so schnell vom Futtertrog und von den Schalthebeln der Macht weg bekommt – koste es was es wolle – und koste es die Demokratie. 



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