Halleluja und DAX in der Höh!

10. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer Jubel, Trubel, Heiterkeit! Feiern Sie mit! Wegen der vielen Champagnerseen an der Börse kam ich nur schwimmenderweise an meinen Arbeitsplatz. Als der DAX dann die 8000er Marke schaffte, entbrannte landesweite Erregung…

Kein Wunder in einer Woche, in der Armut in Reichtum umbenannt und die Arbeitslosigkeit abgeschafft wurde. Der DAX stünde längst bei 8.700 Punkten, wenn man rechtzeitig die Krücken wie E.ON und RWE aus dem Index geworfen hätte. So aber haben wir die Feierlichkeiten schon im letzten Jahr verpasst und holen diese jetzt doppelt nach. Plus 3,6 Prozent in dieser Woche. Deutschland fühlt sich jetzt reicher. Leider gibt es 700.000 Aktionäre weniger als im letzten Jahr.

In einer spontanen Straßenumfrage kannte die Hälfte der Leute den DAX nicht, was auf andere Luxusprobleme schließen lässt. „Das, was Kurven macht“, sagte eine Frau. Nun ja. Auch in den USA gab es neue Höchststände. Viele wurden nicht nur dort vor Freude ins Krankenhaus gebracht und die Experten durchfeuchteten ihre Stühle.

Die Welt wird in billigem Geld gebadet und die Aktienpreise retten sich auf die Bäume. Kein Ende in Sicht in Zeiten, in denen Notenbanker als gottgleich gelten und als Retter bezeichnet werden. Über der EZB wurden Lichterscheinungen gesichtet.

Börse ist ganz einfach: Man benötigt eine Krise und den Willen, diese zu bekämpfen. Die nächste Krise führt später zu noch höheren Kursen. So funktioniert Marktwirtschaft, etwas ohne Markt und ohne Wirtschaft. Irgend etwas Verrücktes und deshalb ein zunehmendes Spektakel.

Aber wie stellt man diesen Jubel her? Man nimmt ein großes Loch und wickelt um dieses Blech – am besten goldig geredetes Blech von den vielen Experten und Politikern. Mit dieser Trompete trötet man, bis jedem das Blut aus den Ohren tropft.

EZB-Chef Mario Draghi sagte, die Aktienmärkte drückten gestiegenes Vertrauen aus. Meine Schenkel sind jetzt noch blau vor Lachen. Er prophezeit schon wieder einen Aufschwung wegen des billigen Geldes – also aus dem Zeug, das die südliche Eurozone ins Verderben stürzte, ohen dass sie damals davon etwas ahnte.

Ich schaue ja gerne live zu. Nach einer Stunde dieser Show liefen mir aber blutige Tränen aus den Augen. Selbstverstümmelung aufgrund höherer Gewalt? Vermutlich lag das aber an einer übergroßen Portion Bio-Eier, die mich anwiehrten. Mit Schimmel-Zusatz, versteht sich.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


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2 Kommentare auf "Halleluja und DAX in der Höh!"

  1. wolfswurt sagt:

    Warum so zynisch?

    Gewinne im Spiel der Spiele sind doch wunderbar.
    Ob durch Gold, Anleihen, Immobilien oder Aktien alles muß durch das Notenbankenkreditgeldsystem in die Höhe getrieben werden, sonst fällt es ganz einfach in sich zusammen.

    Entscheidend ist hierbei eine ganz einfache Regel: erkenne welche Anlagen in Zukunft schneller aufgeblasen werden als die Preise steigen.
    Gold war es 2001 und ab heute vielleicht die Aktien.

    Dabei sein ist alles.

    PS:
    In welchen Zustand die Realwirtschaft gerät spielt erstmal keinerlei Rolle, ebensowenig das Verhältnis Arm/Reich.
    Solange die Teilnehmer des Spiels noch zu fressen und zu saufen haben läuft es, läuft es und läuft es.

  2. walt sagt:

    Wer waren diejenigen, die auf der Titanic bis zum Schluss am meisten Spaß hatten? Es spielte dort im Tanzsaal eine Kapelle bis zum Schluss. Alles wurde perfekt für diejenigen, die bis zum Schluss dort tanzten. Völlig im Bewusstsein, ihren Platz in einem Rettungsboot längst sicher zu haben. Spaß bis zum Ende. Im Rettungsboot zum rettenden Ufer. Danach über die eigenen Erlebnisse ein Buch schreiben. Idealerweise Millionseller. Ist doch perfekt, nicht wahr? Also: Tanzen wir. Auf Dax-Niveau 8.000. Wer bei DAX 4.500 die Nerven verlor, machte bislang heftig Miese. Wie lange die Party noch geht? Wie lange es dauert bis zur Flutung des Tanzsaals? Ganz ehrlich: keine Ahnung. Die Tanzkapelle jedoch spielt noch. Das können Sie doch sehen und hören! Eben 😉

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