Hall of Shame: Wegen Überfüllung geschlossen

19. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

In der Hall of Shame ist es immer eng. Man muss schon etwas Besonderes leisten, um dort aufgenommen zu werden. Ein Anbau wegen Überfüllung ist unsererseits bereits in Planung. Bis dahin müssen Sie sich anstellen, um Einlass zu bekommen. Stellen Sie sich einfach vor, es handelt sich um ein ausverkauftes Helene Fischer Konzert…

Ein Händler auf dem Parkett machte mich darauf aufmerksam, dass seine Abholscheine für Hemden aus der Textilreinigung inzwischen die gleiche Farbe trägt wie die neuen 10-Euro-Scheine. Offenbar kommen beide aus dem gleichen Drucker. Die Farbe ähnelt der aus dem Baumarkt. Doch der Schein trügt. So schnell, wie alte Zehner durch Neue ausgetauscht werden, bliebe für Baumärkte kein einziger Liter Farbe übrig.

orange

Nach einem Monat Erfahrung mit dem neuen Geld, frage ich mich, ob dieses bunte Zeug noch aus Baumwolle hergestellt wird oder schon aus Presspappe. Die alten Scheine waren zwar weniger bunt, dafür aber geschmeidiger. Das erinnert mich an einen alten Satz auf den alten Geldscheinen:

Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft.

Auf deutschen Scheinen wurde ab 1963 das „Zuchthaus“ durch „Freiheitsstrafe“ ersetzt. Wer Banknoten heute nachmacht, der bekommt dafür meist eine dicke EZB-Rente. Wie sich die Zeiten doch ändern.

Not-durft in der EU

Die eigentliche Nachricht der Woche ist, dass der EU-Haushalt für 2015 immer noch nicht steht. Eine Katastrophe bahnt sich an. Im nächsten Jahr dürfen die Kommissare pro Monat nur noch 1/12 des Haushaltes von 2014 ausgegeben. Dabei liegen auch noch 4,7 Milliarden Euro an offenen Rechnungen herum. Es gab Zeiten, da war der Haushalt umgerechnet nur vier Milliarden Euro groß. Mancher sagt, damals ginge es uns ausgerechnet deswegen noch besser. Wer weiß?

Ein weiteres Problem ist, dass die EU keine Kredite aufnehmen darf. Doch es gibt Hoffnung: Eine Haushaltskrise. Wir wissen, dass Krisen nötig sind, um Veränderungen herbeizuführen. Eine Krise im Haushalt könnte doch als Ergebnis bringen, dass Brüssel endlich Kredite aufnehmen kann. Vielleicht beim ESM? Dann könnte man wie überall auch dort Geld ausgeben, was man nicht hat, um Dinge zu bezahlen, die man nicht braucht, um den Leuten in Europa zu imponieren, die nichts davon haben. Oder so ähnlich.

Euroland in Juncker-Hand

Der arme Jean Claude Junker. Nun hat man ihn schon wieder erwischt. Als alter Luxemburger Finanzminister hatte er natürlich keine Ahnung davon, welche Vergünstigungen den Unternehmen eingeräumt wurden, um deren Steuerlast auf legale Art und Weise auf unter ein Prozent zu drücken. Nachdem Juncker nun Chef „vons Janze“ geworden ist, kommen ganz zufällig Dokumente ans Tageslicht, die sein Licht in einem anderen Licht darstellen. Es müssen Terroristen gewesen sein, die jetzt Dokumente an die Öffentlichkeit brachten, die Juncker eine gewisse Mitschuld daran nachweisen. Ein Karlspreis-Träger jedoch sollte darüber erhaben sein. Wie sagte Juncker in der „Eurokrise“? „Wenn es ernst wird, muss man lügen“. Stellt sich nur die Frage, warum er immer so oft lügen muss. Ist es so ernst?

„Freakenomics“

Was tut sich sonst in der Welt? Es heißt, Japan verdient erstmals Geld beim Schuldenmachen. Bitte lassen Sie sich diesen Satz nochmal auf der Zunge zergehen. „Abenomics“ sei Dank.

Das Zeitalter der negativen Zinsen schreitet voran. Was verrückt klingt, ist heute teils schon die neue Normalität. Kollege Rott sagte, er halte es künftig für ein ganz profitables Geschäftsmodell, Häuser auf Pump zu kaufen und von den Zinsen zu leben. Bedenken Sie: Normales wird in dieser Welt dann als verrückt gelten. Wenn alle mitmachen, dann sollten Sie schnell verrückt werden. Rezession wird dann ein Boom. Schulden sind dann Guthaben. Überwachung sind Freiheit und Sicherheit und die Erde endlich wieder eine Scheibe… (Seite 2)


Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar