Hall of Shame: Die Ewigkeit muss warten

25. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Alan Greenspan sagte früher, er investiere sein Geld in US-Staatsanleihen. Was lag auch näher? Schließlich hatte er die Kurse fest im Griff. Und sie stiegen. Dabei verband den früheren FED-Notenbankchef eine heikle und heimliche Liebe zum Gold…

Der arme Greenspan. Am 6. März wird er 89 Jahre alt. Er muss immer noch darauf schauen, was er angerichtet hat. Wir sind dennoch sicher, dass er es längst schon in die Geschichtsbücher geschafft hat, allerdings nicht nur als „Magier der Märkte“. Dieser Platz ist für EZB-Chef Mario Draghi reserviert. Dabei war Greenspan der Weichensteller für ein Desaster – und schaut den Folgen seiner Politik noch täglich zu.

Wer Zweifel am Dasein der Götter hegt, sollte bedenken, dass diese Greenspan immer noch dazu zwingen, auf sein Werk zu schauen und auf seine Nachfolger, die Insolvenzverwalter der Greenspanschen Politik. In Greenspans Fußabdrücken werden sie sich wahrscheinlich selbst als Götter fühlen. Zudem haben die Götter Greenspan mit genügend Intelligenz und Gerissenheit ausgestattet. Und sie schickten ihm damals Ayn Rand als Mentorin und damit frische Ideen für einen alten Kapitalismus. Ayn Rand hat sich damals an Greenspans Geburtstag mit Lungenkrebs für immer davon gemacht. Zufall?

Wie dem auch sei, Greenspan tat viel, um die Kurse auch seiner Staatsanleihen über lange Zeit zu stützen bzw. die US-Regierung über attraktive Zinssätze in einen Berg der Verschuldung zu treiben. Er setzte den Hefeteig an, der seitdem prächtig aufgegangen ist.

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In den letzten Jahren taucht der frühere FED-Chef öfters als Experte in TV-Shows auf. Dort warnt er indirekt vor sich selbst und seinen Fehlern. Er scheint die Öffentlichkeit zu suchen. Schließlich gibt es viel zu erklären und verklären, auch, um sein altes Image durch ein weiteres zu komplettieren.

Neulich merkte er in einem Interview an, dass die Verschuldung der USA zu einer Abwertung der Währung führen wird und zu einem „Großereignis“, wovon Gold profitieren wird. Wir vermuten, dass Greenspan unseren Blog nicht kennt, aber wenn er so etwas sagt, will das etwas heißen. „Marktereignis“ oder „Großereignis“… was für eine nette Umschreibung für den Tag der Abrechnung!

Man könnte ja denken, er teste mit diesen Äußerungen noch einmal seinen Marktwert. Doch diesem „Markt“ war das ziemlich egal. Seine Kurse tanzen inzwischen nach den Nasen seiner Nachfolger. Wir können nur mutmaßen, warum er wieder warnt vor dem, was früher gut war, jedoch sind Geschichtsbücher gierig nach neuen Geschichten von alten Leuten. Bis ein Geld-Promi die Erde verlässt, hat er noch Möglichkeit, ein paar zusätzliche Fußabdrücke zu hinterlassen, wobei Greenspans Ruf bis auf alle Ewigkeit ruiniert sein dürfte, selbst wenn er weitere 89 Jahre stündlich Interviews gibt.

Der arme Greenspan. Was für ein Leben. Eigentlich liebte er immer schon das Gold. Das war bis zu seinem Amtsantritt als FED-Chef so und nach einer Phase des Anstandes und Abstandes jetzt wieder. Er sagte, der Goldpreis werde von den Ereignissen profitieren. Es wird gemunkelt, dass er sich für seine Bemühungen bei öffentlichen Auftritten mit Krügerrand-Münzen bezahlen ließ. Sicher ist dagegen, dass er einen Anstieg des Goldpreises vorher sagt, aufgrund der „Marktereignisse“.

Zumindest sorgte Greenspan rechtzeitig noch dafür, dass in den letzten Jahren seiner Amtszeit der Goldpreis aus der Baisse zu steigen begann. Er gab die Initialzündung für die nächste Blase am Häusermarkt und machte sich noch rechtzeitig aus dem Staub. Er wusste wohl, dass seine Nachfolger den Rest erledigen werden müssen. Ben Bernanke hält heute Vorträge für ein Honorar, für das er früher zwei Jahre hat arbeiten müssen. Wir wissen es nicht, aber vermutlich kauft er japanische Staatsanleihen und kein Gold, denn das gelbe Zeug ist keine Währung sondern Nostalgie, sagte er einst.

Dem Zynismus der Götter mag ebenfalls geschuldet sein, dass Greenspans Gold in seinen alten Tagen nicht noch seine vollen Kräfte entfalten wollte. Vielleicht schaut er belustigt zu, was Bernanke tat und Yellen vorhat, ohne dass sie selbst weiß, was sie tun soll. Dennoch wird es Alan Greenspan zweifelsohne in den Olymp der Geldgötter schaffen. Wo wird er wohl zu Mittag essen? Bei den Kapitalisten, den Sozialisten oder bei den Wendehälsen. In der Hölle wird ja gemunkelt, dass man dort oben für einen einzigen Kapitalisten gar nicht kocht. Da unten wäre ja auch noch Platz.




 

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4 Kommentare auf "Hall of Shame: Die Ewigkeit muss warten"

  1. 1,21 Gigawatt Leistung? sagt:

    Dann lasst uns doch auf Greenspan hören.
    Lasst uns in die Welt hinaustragen:

    KAUFT GOLD UND SILBER!

    Solange es noch geht…

    Alle Schuldgeldsysteme sind bisher immer irgendwann gecrasht.
    Vielleicht müssen wir einfach dieses Mal ein wenig helfen, beim Crash?

    Matrix, nein danke. Welcome to the real world.

  2. böses Schaf sagt:

    …wen interessiert’s, was der Greenspan oder Bernanke oder die Yellen so vom Stapel lassen?
    Fakt ist, bleibt – bisher hat jede Währung mehr oder weniger die Grätsche gemacht. Ich warte, oder ich sitze das aus. EM gekauft in Niedrigpreiszeiten…. im letzten Jahr alleine einen satten Gewinn von über 100 Eur pro Oz, da sehen meine ‚Spareinlagen‘ jedoch ganz schön mikrig – dem gegenüber – aus. Und ich mache das, was ein jeder normal denkender Mensch machen sollte, raus aus den Banken, rein in’s EM, zumindest 20 % des Eigenkapitals.
    Wer das nicht glaubt, muss dann fühlen…

  3. samy sagt:

    Ähm, noch ein witziges Gedankenspiel …

    http://www.goldreporter.de/goldpreis-anstieg-auf-2-000-dollar-durch-apple-watch/gold/48927/

    Ist das ein fauler Apple?

    Apple wäre es aber zuzutrauen und zumindest in Asien/China/Russland dürften die Käufer auf den werterhaltenden Goldschmuckcharakter stehen.

    Tja, welche Goldminen will Apple den aufkaufen um den Nachschub an Gold zu sichern …?

    🙂 🙂 🙂

    PS: Ich sehe nicht mehr die „letzten Kommentare“ auf meinem Bildschirm.

    VG

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