Halbwahrheiten sind auch Lügen

5. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Ein Diebstahl passiert zeitlich früher als seine Aufdeckung. Dann kommt die Polizei. Ähnlich verhält es sich bei Rettungsschirmen. Die Grundlagen für Diebstahl sind mit der Verabschiedung des jetzt ewigen ESM gelegt worden…

Niemand ermittelt, was erstaunt, denn europäische Gesetze verbieten finanziellen Beistand der anderen Länder. Was ist früheres Recht heute noch wert? Die ESM-Betreiber genießen nicht nur Immunität, vor allem wird der Steuerzahler umfangreicher in die Pflicht genommen, wenn es zu Ausfällen kommt. Diese sind jetzt schon ausgemachte Sache.

Schutzschirme als Verteilungsstationen gewährleisten, dass aus Garantien auch Zahlungen werden und damit Geld fließt. 2008 hieß es in einer Art von Klobürstenakrobatik auch schon mal, dass Bankenrettungen kostenlos wären. Die Commerzbank zahlte nicht mal Zinsen für staatliches Rettungsgeld. Über Verluste der HRE wurde meist geschwiegen und die Rechnungen beglichen. Vielmehr erregte man sich über aufgetretene Buchungsfehler als über die Fehlbeträge. Der Steuerzahler beglich alles. Auch Europa sollte nichts kosten und jedem etwas bringen. Der Griff in die Kassen ist längst passiert.

Selbst heute ist man der Meinung, dass die Unterstützung Griechenlands nichts kosten wird. Wenn aber Gläubiger auf 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten sollen, sind nicht nur Banken und die EZB betroffen, dann ist auch deutsches Steuergeld wie in der Toilettenspülung weg. Die nächsten Schlagzeilen mit dem Blick auf Portugal werden schon geschrieben. Das sollten der Euro und Europa uns wirklich wert sein. Doch wer fragt „uns“ eigentlich noch?


©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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7 Kommentare auf "Halbwahrheiten sind auch Lügen"

  1. crunchy sagt:

    Das ist wirklich fatal: Wir haben die Wahl ausschliesslich unter Parteien, die gegen Recht und Gesetz unser angespartes Vermögen (in der Bedeutung von Vorsorge) freiwillig, ohne Krieg r e s t l o s abtreten w o l l e n. Weil das bisher schon so erfolgreich war: In der etablierten, europäischen Transferunion, machen uns die jetzt kalt, die noch einen Wechsel aus dem Versagen der eigenen Währung ($, sorry, wo ist das Pfund-Zeichen? und dem Yen) ziehen wollen. Die Piraten, beraten. Sollten sie auch besser sehr ausgiebig. Unglaublich, aber wahr: Eine zugelassene Partei hat was dagegen. In Frankreich ist sie fast präsidiabel. Soweit wurden wir schon getrieben, dass wir in dem einigen (Russ)Land eine wählbare Alternative sähen. Wie übrigens auch unser Bundesverfassungsgericht…! Parlamentarier aller Länder: Schämet Euch!

    • Frank Meyer sagt:

      ich finde das gerade hier… http://www.welt.de/politik/deutschland/article13850704/Verfassungsrichter-fuer-Volksabstimmung-ueber-Euro.html
      Welt am Sonntag: Könnte ein Brüsseler Sparkommissar das letzte Wort über den Bundeshaushalt bekommen?

      Ferdinand Kirchhof: Schon politisch wäre das eine finstere Vision. Verfassungsrechtlich bildet die Budgethoheit eine Kernkompetenz des Parlaments. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, dass ein Brüsseler Sparkommissar über nationale Haushalte entscheidet – auch nicht über den griechischen. Das würde in der Union Verwerfungen hervorrufen. Ihre Beschlüsse werden im Rat von den Ministern der Mitgliedstaaten gefasst. Wenn für Griechenland jedoch ein Sparkommissar spricht, könnte ein Stück national bestimmter Demokratie in der Union wegbrechen.

  2. mister flax sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer,

    zunächst mal vielen Dank für Ihre interessante Seite. Ich verfolge diese (u.a.) schon seit längerer Zeit… Manchmal fühle ich mich wie in dem Film Matrix. Will man die Wahrheit kennen oder nicht? Ich denke, dass ich zumindest einen gewissen Einblick habe und bilde mir daraus meine eigene Meinung. Oftmals frage ich mich dann aber wieder, warum ich mir das ganze überhaupt antue. Ich habe das Gefühl, dass meine Umwelt „entspannter“ durch das Leben schreitet und sich nicht „unnötig“ viele Gedanken über das Thema Geldanlage macht. Ehrlich gesagt konnte ich für mich noch immer keine wirkliche Geldanlagestrategie entwickeln. Sicherlich verfügt man über 10% Goldreserven, aber dann hört es auch schon auf. Für Aktien findet man nie den richtigen Einstiegspunkt und ehrlich gesagt habe ich bei diesem Thema (zumindest mittelfristig) kein gutes Gefühl. Was sind die Alternativen? Sollte man sich eine Immobilie (mit 70% EK) zulegen? Hier gibt es genug pro und contras. Was ich damit ausdrücken möchte ist, dass es zumindest für mich unheilmlich schwer ist, eine Geldanlagestrategie zu entwickeln und diese umzusetzen. Vielleicht machen sich ja noch mehr Leser auf dieser Seite ähnliche Gedanken, über einen regen Austausch würde ich mich persönlich freuen.

    Mit den besten Grüßen
    mister flax

    • Johannes sagt:

      Salve mister flax,

      stimmt, es interessiert die wenigsten. Ich habe es schon lange aufgegeben, irgendjemanden bekehren zu wollen.

      Die Wahrheit? Auch da kann ich Dir sagen, es gibt keine allgemein gültige Wahrheit in diesen Dingen. Da hat jeder seine eigene, je nachdem, wo er gerade in seinem Leben steht.

      Habe auf „dasbewegtdiewelt.de“ gerade folgendes Zitat gelesen:

      „Der Staatshaushalt muß ausgeglichen sein. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muß gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht bankrott gehen will.
      (Cicero, röm. Politiker, 106 v. Chr. – 43 v.Chr.)“

      Seit über 2000 Jahren das selbe Spiel.

      Wie um alles in der Welt könnte man da so hochmütig sein und glauben, gerade wir würden irgendwas verändern?

      Es wird werden wie immer, Bankrott, Armut, Elend, evt. Krieg und dann alles wieder von vorne.

      Daher habe ich für mich den Entschluss gefasst, das Leben JETZT zu genießen. Das JETZT kann mir keiner mehr nehmen.

      Klar, etwas auf der Seite, einen Sicherhheitspolster, sollte man immer haben. Diesen habe ich in Form von noch nicht ganz schuldenfreiem Eigenheim, etwas Cash, Edelmetalle, ein paar Aktien und eine Drecksmine. 😉

      Etwas breiter gestreut, so hoffe ich da durch zu kommen, der Rest geht fürs Leben im JETZT drauf. 🙂

  3. wolfswurt sagt:

    „Wer fragt uns eigentlich noch?“

    „Uns“ hat die letzten 1000 jahre niemand gefragt und so wird es auch bleiben!

    „Uns“ hat die letzten 1000 Jahre trotzdem überlebt mit Witz, List und Anpassungsfähigkeit.

    Schöpfte nicht der Bauer den Rahm von der Milch und verdünnte diese dann mit Wasser bevor er sie abgeben mußte?

    Oder stellte er nicht ein mageres Schwein auf die Waage und schlachtete dann die fetteste Sau in der Kriegswirtschaft im WKII?

    Dem Ideenreichtum sind wahrlich keine Grenzen gesetzt – auch heute nicht!

  4. purity sagt:

    @Wolfswut
    Dazu gehört, dass man ideenreich sein kann. Wer beispielsweise von einer Rentenzahlung leben muss, der wird sich nicht viele Ideen einfallen lassen können, die ihn vor der Inflation bewahren. Auch die staatliche Überwachung wird immer mehr Ideen verhindern.
    Ich frage mich, ob es noch sinnvoll ist, Geld in eine Rentenversicherung zu bezahlen; was ich wohl in 30 Jahren zu erwarten haben?
    Ich wundere mich aber, dass die „Eliten“ unseres Landes so ruhig und gelassen der kommenden Enteignung zusehen.
    @Mister Flax
    Haben Sie schon einmal über den Nutzen von Gold nachgedacht? Nur rund 5% der Produktion landen in der „echten“ Wirtschaft. Der Rest wird zu Barren, Münzen und Schmuck. Sicher kann Gold noch weiter steigen, da die Währungen gerade verschrottet werden. Aber Gold ist für mich reine Spekulation. Wenn Edelmetalle, dann doch lieber welche, bei denen die Industrienachfrage beachtlich ist. Ich bevorzuge Silber. Bei Immobilien schadet ein selbst genutztes Einfamilienhaus nicht. Für Aktien braucht man Zeit. Ich bevorzuge Werte, die niedrige Bewertungen (KGVs) und ein relativ hohes Eigenkapital haben. Dann kann man auch mal eine Krise durchhalten.

    • wolfswurt sagt:

      Ideen, oder besser schöpferische Kräfte, entstehen natürlich nicht am voll gedeckten Tisch sondern in Zeiten von Entbehrungen.

      Ob Rentner, Arbeitsloser, Arbeiter, Angestellter oder Selbständiger spielt hierbei keine Rolle.
      Jeder hat in seinem Bereich Möglichkeiten der Obrigkeit seine Energie(Zeit/Geld) zu entziehen.

      Deine Frage zu Renteneinzahlungen für in 30 Jahren kannst Du Dir selbst beantworten.
      Frage Dich: Ist die Obrigkeit zu irgend einer Zeit vertrauensvoll gewesen, so das ich meine Zukunft darauf hätte aufbauen können?

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