Halbfertige Bauten

19. Februar 2014 | Kategorie: Gäste

von Manfred Gburek

Egal, wo man hinter die Kulissen blickt, überall – symbolisch formuliert – stehen halbfertige Bauten. Hier sind gleich fünf Beispiele aus jüngster Zeit…

1. Den amerikanischen Staatsschulden wird mal eben mir nichts dir nichts freier Lauf nach oben gelassen, Ende offen. Politischer Opportunismus lässt die Republikaner zu den noch bis vor Kurzem knallhart bekämpften Demokraten auf Schmusekurs gehen.

2. Janet Yellen, seit Anfang Februar Chefin der US-Notenbank Fed, betont in ihrer Rede vor dem Kongress, dass ihr besonders der Arbeitsmarkt am Herzen liege. Und die US-Geldpolitik, Yellens eigentlicher Job? Business as usual, also weiterer Kauf von Anleihen durch die Fed, wenn auch etwas geringer als unter Vorgänger Ben Bernanke.

3. Das Bundesverfassungsgericht schiebt die Entscheidung über das umstrittene Anleihen-Kaufprogramm durch die Europäische Zentralbank zu einem Teil auf den Europäischen Gerichtshof (EuGH) ab. Das Urteil zu dem anderen Teil wird es zwar am 18. März verkünden, aber bis der EuGH seinen Teil erledigt, dürfte mindestens ein Jahr vergehen.

4. Wie aus einer unter der Schirmherrschaft der Frankfurt School of Finance & Management entstandenen brisanten Studie hervorgeht, befinden sich die meisten europäischen – speziell auch deutschen – Banken und Sparkassen verglichen mit der internationalen Konkurrenz derart im Hintertreffen, dass sie viele Jahre brauchen werden, um aufzuschließen.

5. Die als Libor-Skandal in die Finanzgeschichte eingegangene Zinsmanipulation ist längst noch nicht abgehakt, geschweige denn juristisch aufgearbeitet, da zieht eine Manipulation der Devisen- und Edelmetallkurse ihre Kreise.


Vor so einer Drohkulisse stellt sich die Frage, in welcher Finanzwelt wir eigentlich leben, wenn beim Umgang mit Geld auf allerhöchster Ebene verschoben, getröstet, abgebogen, geschlafen und manipuliert wird. Die Antwort werden wir erhalten, sobald an den Börsen wieder einmal etwas schief laufen und die großen Notenbanken zum Handeln zwingen wird. Die dürften dann wie bisher die Welt mit Geld überfluten, was unweigerlich zur nächsten Blasenbildung führen wird.

Blasen bei Aktien, Immobilien, Edelmetallen, Rohstoffen – oder vielleicht bei Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs mit entsprechender Wirkung auf die Verbraucherpreise? Deren Anstieg wird von den führenden Notenbankern derzeit ja als sogenanntes Inflationsziel geradezu beschworen. Ein markanter Anstieg der Verbraucherpreise ist nach mehr als drei Jahrzehnten sukzessiven Rückgangs der Inflationsraten in der westlichen Welt jedenfalls mal wieder an der Reihe. Er dürfte die anderen Blasenkandidaten mit nach oben ziehen. Wer die Börsen diesbezüglich unter ständiger Beobachtung hat, kann von dieser Entwicklung am Ende enorm profitieren, richtiges Timing vorausgesetzt.

Um nochmals auf die Finanzwelt zurückzukommen, in und mit der wir leben müssen, seit jedes größere Problem mit noch mehr und noch mehr Geld bekämpft wird: Ausgerechnet Alan Greenspan, der frühere Chef der US-Notenbank Fed und Geldkämpfer in diesem Sinn, hat sie in seinen Memoiren treffend beschrieben. Bezüglich einer Fed-Entscheidung Mitte der 90er Jahre lautete sein Fazit: „Wir tappten im Dunkeln.“

Seitdem sind zwei turbulente Jahrzehnte verstrichen, ohne dass sich an der Geldpolitik der USA Entscheidendes geändert hätte. Das wussten vor allem die Investmentbanken für sich zu nutzen, indem sie ihr Geldspiel auf die Spitze trieben. Zu diesen Spitzen gehören die bereits erwähnten Manipulationen, zuletzt besonders die der Devisenkurse. Dazu hat sich kürzlich Raimund Röseler, Exekutivdirektor der deutschen Finanzaufsicht BaFin, mit diesen drastischen Worten im Handelsblatt geäußert: „Es erschreckt mich, mit welcher Gier und welcher Skrupellosigkeit einzelne Personen offensichtlich agiert haben. Die kriminelle Energie haben wir wahrscheinlich schlicht und ergreifend unterschätzt. Ich befürchte, dass uns dieses Thema noch lange beschäftigen wird. Libor war schon groß, aber das Devisenthema hat sicherlich das Potenzial für eine Skandal.“ Fazit: Sobald Details bekannt werden, sollten Sie mit erheblichen Turbulenzen an den Börsen rechnen – und diese für sich nutzen, indem Sie mit geschicktem Timing auf Aktien und Edelmetalle setzen. Denn wie erwähnt, werden die Notenbanken dann die Welt erneut mit Geld überfluten.

© Manfred Gburek – Homepage Manfred Gburek

 

3 Kommentare auf "Halbfertige Bauten"

  1. bluestar sagt:

    „Wir tappen im Dunkeln“
    Dann ist es bestimmt sinnvoll die Geschwindigkeit zu erhöhen und sich vor dem Rest der Welt und der eigenen Bevölkerung als Hüter von Moral, Wissen und anzustrebende Werte zu verkaufen.

  2. Michael sagt:

    Woher hätte Alan Greenspan das Ergebnis kennen sollen? Stellen sie sich mal eine Welt mit weniger Geld vor und teurem noch dazu …

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