Haarscharf entlang geschippert…

26. Mai 2011 | Kategorie: RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Ist irgend etwas passiert? Der Autor dieser Zeilen schippert gerade irgendwo zwischen der brandenburgischen Havel und der Müritz in Mecklenburg- Vorpommern auf einem Boot herum. Die Götter scheinen es gut mit ihm gemeint zu haben und gaben der Sonne den Befehl, Brände auf der Haut zu verursachen. Und sonst?

Das Leben als eine Kuh ist durchaus erstrebenswert und wohl eines der Sinnvollsten, das man sich vorstellen kann, lässt man das Ende außen vor. Herrlich! Den ganzen Tag fressen. Vorn rein – hinten raus. In die Sonne blinzeln, einen Schluck Wasser nehmen und zuschauen, wie sich die Menschen drum herum über den Sinn und Unsinn des Lebens Gedanken machen. Kühe haben immer frei.

Im Gegensatz zu Kühen bestimmen Menschen die Zeitabschnitte anhand der Reihenfolge der Urlaube und der Zeit bis dorthin. Urlaub ist eine Frage der Definitionen. So verstehen viele darunter abschalten, „ausloggen und ausspeichern – oder wie das heute auf Neudeutsch heißt. Bücher und Alkohol dabei sind durchaus gesellschaftsfähig und deshalb auch erlaubt. Alles andere wird weniger gerne gesehen. So sitzt der Vollblutmatrose in seiner Ecke und beobachtet seit geraumer Zeit misstrauische Blicke. Die Befürchtung scheint groß zu sein, er könnte schon wieder über etwas nachdenken und, schrecklicher noch, darüber einen neuen Beitrag schreiben. Das Aufblitzen des metallischen Gehäuses seines Laptops verursacht das ein ähnliches Gefühl, wie mit 15 Knoten gegen eine Schleusenwand zu brettern. Seltsam die Menschen im Urlaub. Kühe haben es einfacher. Vorn rein – hinten raus – Sie wissen schon.

Moderne Menschen bezeichnen Urlaub auch als eine Phase der Entschleunigung, weg vom Chef und weg vom Alltag. Die Welt von Bloggern und Börsenreportern dreht sich oft unterdessen weiter – Hobby bleibt Hobby. Man könnte ja durchaus etwas verpassen. Zudem sind Journalisten kein einfach zu verstehendes und leicht handhabbares Völkchen. Diese Fragen… Diese Antworten… Widerlich.

Auf hoher See gilt: Keine Börse, keine Krisen und auch vom Wirtschaftswunder und anderen belanglosen Dingen erfährt man erst als Letzter. Hier im Nordosten ist das so etwas wie Alltag. Hier lebt es sich ruhiger. Aus westdeutscher Sichtweise hat man hier immer Urlaub, heißt es. Nur die Sache mit dem „vorn rein und hinten raus“ gestaltet sich etwas beschwerlicher, vor allem wenn es mit der Beschaffung von Euronen zu tun hat. Kühen in ihrem Dauerurlaub mag das gleichgültig sein.

Der „Osten“ ist für Touristen eine seltsame Gegend und für den Autor dieser Zeilen die Heimat. Doch Fettnäpfchen sind auch hier mindestens so dicht aufgestellt wie anderswo. Nur stehen sie in östlichen Gefilden vielleicht etwas dichter gestellt herum, aus historischen Gründen heraus. Man sollte mehr fragen statt alles nach üblichen Kriterien bewerten. Damit lassen sich Fettnäpfe besser umschiffen. Wer andere Erfahrungen machen möchte, der stellt ein paar Behauptungen auf und fragt die Leute, was sie vom „Aufschwung Ost“ halten und nach ihrer Dankbarkeit. Oder man wundert sich darüber, dass es in dieser Region hier keine Kalbsschnitzel zu kaufen gibt – so erlebt in Fürstenberg… (—> Seite 2)

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20 Kommentare auf "Haarscharf entlang geschippert…"

  1. Johannes sagt:

    Ich liebe solche Beiträge von Dir, geistreich, witzig, zynisch alles enthalten, was rein gehört.

    Vielen vielen Dank dafür!

  2. Hans im Glueck sagt:

    Hallo Frank,

    soso Mecklenburg-Vorpommern, schön soll es da ja sein und vorallem Preiswert.
    Und jede Menge Bauernhöfe zum Hammerpreis kann man da kaufen mit viel Land. Also wenn hier bald alles verseucht ist (nicht nur das Gemüse), warum baut man dann nicht sein Gemüse selbst an und versucht Autark zu Leben?

    Der ganze Konsum bringt uns nicht weiter und glücklich macht es auch nicht, also warum nicht zurück zur Natur?

    Oder ich schnapp mir einen Wohnwagen und bin erstmal weg. Oder halt erst in 4 Jahren oder bis Silber bei 70 $ steht.

    Einen erholsamen Urlaub wünscht,

    Hans im Glück.

    P.s eine Kuh wäre ich nur gerne in Indien. Da sind Sie heilig.

  3. Johannes sagt:

    Thihihi Frank, Dir gehts dann eh wie gewohnt.

    Seekrank ist ja meines Wissens nach die Diskrepanz von dem, was das Auge sieht und dem, was andere Sensoren ans Gehirn vermitteln. *fg*

    Also genau so, wie an den Märkten. Solltest Du also gewohnt sein. 😉

    Gruss und noch einen wunderschönen Urlaub.

  4. rolandus sagt:

    Der blogwart innmitten seiner Krebswelt 😉 Mich wunderte schon warum keiner mehr bei ntv den Krawatten schweisstreibende Fragen stellt.

    Wir waren auch mal mit 10 Leuten paddeln auf der Müritz, und es stimmt: Ausser Martin Sonneborn der dort das nicht vorhandene Volk zählt, vielen Mücken und der Familie Merkel fällt mir auch nichts zu der Idylle ein in der irgendetwas dunkles Undefiniebares vor sich hin brodelt.

    Ich wünsche einen erholsamen Paddelurlaub und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und freue mich auf die nächste Metallwoche (…vom Boot aus? ,-)

    Schön Gruß nach Meck Pomm
    rolandus

  5. Hagen aus Dresden sagt:

    So zum Urlaub fällt mir doch glatt das folgende Gedicht ein… weil bei sinkendem Umsatz auf der suche nach dem Aufschwung xxl kann ich mir MeckPomm nich leisten… (selbst Schuld, was arbeite ich einer Branche bei der immer zuerst eingepart wird)

    Ferientag eines Unpolitischen

    Der Postbeamte Emil Pelle
    Hat eine Laubenlandparzelle,
    Wo er nach Feierabend gräbt
    Und auch die Urlaubszeit verlebt.

    Ein Sommerläubchen mit Tapete,
    Ein Stallgebäude, Blumenbeete.
    Hübsch eingefaßt mit frischem Kies,
    Sind Pelles Sommerparadies.

    Zwar ist das Paradies recht enge
    Mit fünfzehn Meter Seitenlänge;
    Doch pflanzt er seinen Blumenpott
    So würdig wie der liebe Gott.

    Im Hintergrund der lausch’gen Laube
    Kampieren Huhn, Kanin und Taube
    Und liefern hochprozent’gen Mist,
    Der für die Beete nutzbar ist.

    Frühmorgens schweift er durchs Gelände
    Und füttert seine Viehbestände.
    Dann polkt er am Gemüsebeet,
    Wo er Diverses ausgesät.

    Dann hält er auf dem Klappgestühle
    Sein Mittagsschläfchen in der Kühle.
    Und nachmittags, so gegen drei,
    Kommt die Kaninchenzüchterei.

    Auf einem Bänkchen unter Eichen,
    Die noch nicht ganz darüber reichen,
    sitzt er, bis daß die Sonne sinkt,
    Wobei er seinen Kaffee trinkt.

    Und friedlich in der Abendröte
    Beplätschert er die Blumenbeete
    Und macht die Hühnerklappe zu.
    Dann kommt die Feierabendruh.

    Er denkt: Was kann mich noch gefährden!
    Hier ist mein Himmel auf der Erden!
    Ach, so ein Abend mit Musik,
    Da braucht man keine Politik!

    Die wirkt nur störend in den Ferien,
    Wozu sind denn die Ministerien?
    Die sind doch dafür angestellt,
    Und noch dazu für unser Geld.

    Ein jeder hat sein Glück zu zimmern.
    Was soll ich mich um andre kümmern?
    Und friedlich wie ein Patriarch
    Beginnt Herr Pelle seinen Schnarch.

    (Erich Weinert)

    Anmerkung: Das Gedicht ist von 1930 – aber anscheinend hat sich in den letzten 70 Jahren wenig geändert …

    • Stuelpner sagt:

      Hallo Hagen,

      „…aber anscheinend hat sich in den letzten 70 Jahren wenig geändert “ Genauso ist es, H.H. „denk ich an D in der Nacht…“ passt ja auch noch (wieder?).

      Vielleicht hängt es ja mit den Kontr.- Zyklen zusammen 😉
      Wir wissen ja nun alle, das der Zeitpunkt des Resets immer nächer kommt, und dann endlich geht alles wieder vorn vorn los… Wirtschaftswunder, „über unsere Verhältnisse leben“, kalter Krieg als Profitmöglichkeit usw. ist doch lustig oder !?

    • Frank Meyer sagt:

      Vielen Dank dafür!

  6. holger sagt:

    Mein Schweigen kurz unterbrochen…

    Frank hab viel Spaß. Und nur eines: Jede Kuh (Rindviech) furzt 1 m³ CH4 pro Tag. Jetzt weisste auch, warum man auf die Atomkraft verzichten könnte 😀

    Ich wünsch Dir erholsame Tage.

    winkele holger

    • Johannes sagt:

      Salve holger,

      schade, dass Du schweigst.

      Irgendwas fehlt, wenn Du schweigst. Und wenn wir grad vom Fehlen reden, die Nachbarin vom Frank fehlt mir auch. 🙁

      Gruss

      Johannes

      • holger sagt:

        Moinsen Johannes,

        es gibt „schlimmeres“. 😉 es ist nun mal so, dass ich aus einem Fred schnell eine Frieda oder Anneliese machen kann. So stur und stringent mich auf den Fred zu konzentrieren geht nicht. Und da nun mal der etwas jüngere Yedi Meyer (grünes Licht-Schwert) darauf wert legt, wenig zu mäandern, (was ich ja auch verstehen kann), hülle ich mich lieber in Schweigen. Denn bedenke: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold 😀 so gesehen schichte ich gerade um, das Portfolio wird quasi diversifiziert. Und rein philosophisch gesehen, habe ich beim „Schweigen“ kein Problem die „Unzen“ zu verstecken oder zu verbuddeln. 😀

        Liebe Grüsse zurück

        holger

  7. Stuelpner sagt:

    Orr der Neid kocht wieder in mir hoch, ich will auch mit dem Boot fahren.

    Frank, frag doch die vom Aufbau und Aufschwung betroffenen Eingeborenen mal, wie begeistert sie von dem Wirken ihres Gemerkels sind? Vom Boot aus müßte es ja relativ gefahrlos sein.

    Übrigens habe für jeden Neubootsfahrer einen gebrauchten, führerschein- und zulassungsfreien 3,5 Johnson im Angebot.

  8. VickyColle sagt:

    Hallo Frank,

    man wird grad richtig neidisch wenn man es so liest. 🙂
    Denn eines steht fest: wenn Rückzug innerhalb der alten Heimat,
    dann nur MeckPomm – der schöneste Flecken Deutschlands.

    Und da offensichtlich 2 Weltkriege und 3 Systeme nichs verändern konnten, spricht dies eindeutig für die Region als Stabilitätsanker
    im sonst so unruhigen Deutschland.

    Ahoi 🙂
    Vicky

    PS: Die Märkte sind wie letzte Woche auch, nichts verpasst 🙂

  9. der_Berliner sagt:

    Wünsch dir einen schönen Urlaub Frank!
    Ich kann deine Worte gut nachvollziehen, wenn mir das Großstadtleben in Berlin zu hecktisch wird, bin ich immer wieder froh wenn ich in das beschauliche Mecklenburger zurückkehre.

    Einfach mal Raus aus dem höher-schneller-weiter Zwang und über die schönen Dinge des Lebens nachdenken ist doch was sehr entspannendes.

    Wie sagte doch meine Oma schon „Wenn die Welt untergeht, Mecklenburg geht 100 Jahre später unter“

    Viele Grüße in die Heimat und genieße ein paar schöne Tage.
    Moritz

    • tizian sagt:

      Jetzt muss ich doch echt mal klugscheissern:
      Bismarck soll einmal gesagt haben
      „Wenn morgen die Welt untergehen sollte, mache ich mir gar nichts daraus, dann fahre ich nach Mecklenburg – denn da passiert es hundert Jahre später.“
      Zu meiner Jugendzeit sprachen die Verwandten und Bekannten immer abschätzig
      „komm ich nich heute, komm ich morgen“
      wenn es um das Volk in den Bezirken Neubrandenburg, Schwerin und Rostock ging.
      Ob sich daran inzwischen was geändert hat wage ich zu bezweifeln, obwohl solch Mentalität auch ein Standortvorteil (in touristischer Hinsicht) sein kann, wenn Ortsansässige so etwas wie Ruhe, Kraft und Gelassenheit ausstrahlen.
      T. aus Bln.
      Ich als echter Berliner übrigens, muss mind. 1 Mal im Jahr nach Mecklenburg-Vordonnern, bis rauf zur Ostsee; denn da ist unsere „Badewanne“ und daran hat sich nüscht jeändert seit Kaisers‘ Zeiten.

    • Frank Meyer sagt:

      leider schon wieder vorbei… Aber das das ist ein schöner Flecken Erde da oben.

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