Gute Fakten, schlechte Fakten

17. Januar 2018 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

„Alternative Fakten“ ist es also, das Unwort des Jahres 2017. Wir hätten zwar eher auf „GroKo“ getippt, denn erstens kann das kaum noch jemand hören und zweitens ist es mit dem „Gro“ auch gar nicht so weit her…

Eine Regierung, die sich auf 53,4% der abgegebenen Stimmen stützt, ist nicht mehr als eine stinknormale Koalition („StiNoKo“), auch wenn die drei alten und mutmaßlich neuen Regierungsparteien (CDU/CSU/SPD) noch immer vergangener Größe nachhängen. Statt sich ehrlich zu machen, klopft sich dieses Bündnis der Wahlverlierer weiter trotzig als „große“ Koalition selbst auf die Schulter – auch das sind „alternative Fakten“. Die gibt es in der bundesrepublikanischen Lebenswirklichkeit des Jahres 2017 ohnehin reichlich: Egal ob Eurorettung, Energiewende oder ungesteuerte Massenmigration, auf praktisch all diesen Feldern kann nicht sein, was nicht sein darf, und so wird getrickst und getäuscht, dass sich die sprichwörtlichen Balken biegen.

Sprachpolitik

Apropos Balken: Wenn man schon unwillig ist, den Balken im eigenen Auge zu sehen, den Splitter im Auge von „Bruder Trump“ findet man allemal. Und so ist es nur konsequent, dass auch mit diesem „Unwort“ Politik gemacht wird. Zugrunde lag dem Ganzen eine höchst ungeschickte Äußerung der Trump-Beraterin Kellyanne Conway zur Zahl der anwesenden Menschen bei Trumps Amtseinführung. Die Anti-Trump-Presse war so glücklich über Conways mickrige Ausrede, dass sie deren „alternative Fakten“ zur Top-Story machten. Das Ganze war freilich nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas, wie ein Blick auf die Google Trendauswertungen zeigt (vgl. Abb., rote Linie).

Außerhalb der Unwort-Jury gibt es nach dieser Auswertung kaum noch jemanden, der sich heute noch für die beiden Worte interessiert. Ganz anders sieht es dagegen mit dem Begriff der „Fake News“ aus, ein Begriff, den Trump gegen die durchwegs tendenziöse, teils bösartige Berichterstattung über seine Person ins Spiel gebracht hatte, und die seitdem hohes Interesse auf sich zieht (vgl. Abb., blaue Linie). Angesichts des Vorlaufs, den der „Fake News“-Vorwurf hatte, kann die hyperventilierende Empörung über die „Alternative Facts“-Äußerung durchaus auch als schlichte Retourkutsche bewertet werden. Endlich hatten die in ihrer Glaubwürdigkeit erschütterten Medien einen Hebel gefunden, um Trumps Glaubwürdigkeit zu untergraben. Nebenbei bemerkt: Würde der bundesdeutsche Mainstream mit der eigenen Regierung auch nur annähernd so hart ins Gericht gehen, wie mit der aktuellen US-Regierung, sie wäre längst zerbröselt. Negativer Höhepunkt der Anti-Trump-Kampagne war zuletzt der öffentliche Zweifel an dessen geistiger Gesundheit, was an jene dunklen Zeiten und Regime erinnert, in denen der politische Gegner nicht mit Argumenten, sondern mit der Psychiatrie bekämpft wurde. Trumps Untersuchung ergab jedoch lediglich ein gewisses Übergewicht und in dieser Hinsicht sollte aus dem Glashaus der hiesigen geschäftsführenden Regierung nun wahrlich kaum einer mit Steinen werfen.

Bis aufs Messer

Die Härte, mit der die innenpolitische Auseinandersetzung in den USA geführt wird, deutet auf einen traditionellen amerikanischen Showdown hin. Trump auf der einen Seite, Clinton, McCain, Soros und der überwiegende Teil des US-Establishments auf der anderen. Insofern muss man Trump schon Bewunderung zollen, dass er bis hierhin überlebt hat – sowohl politisch als auch physisch, denn selbst an Mordaufrufen gegen ihn fehlt es nicht. Spektakuläre Schlagabtäusche und Entlassungen sind ein weiteres Indiz für die innere Zerrissenheit der Verwaltung. Insbesondere für etliche Großmedien und politische Spitzenbeamte der Vorgängeradministrationen schien der Kampf ums Weiße Haus mit der Wahl noch lange nicht entschieden zu sein. Allerdings konsolidiert Trump die mühsam errungene Macht mit jedem Tag im Amt weiter: Am 21.12.2017 erließ er eine sogenannte „Executive Order“, mit der das Eigentum von Personen blockiert werden kann, die an schweren Menschenrechtsverletzungen oder Korruption beteiligt sind – eine mächtige Waffe, übrigens auch in den Händen einer Nachfolgeregierung. Weiter befeuert wurde die Auseinandersetzung durch Michael Wolffs Bestseller „Fire and Fury: Inside the Tump White House“, in dem nicht gerade ein schmeichelhaftes Bild des US-Präsidenten gezeichnet wird. Vor wenigen Tagen kam es schließlich zu einem Eklat zwischen Trump-Berater Stephen Miller und CNN-Moderator Jake Tapper. Dieser warf den Trump-Mann kurzerhand aus der Sendung: „I’ve wasted enough of my viewers time!“ („Ich habe genug Zeit meiner Zuschauer verschwendet!“). Der Ton wird also noch rauer als bislang schon und das amerikanische Drama strebt wohl einem neuen Höhepunkt entgegen.

Zu den Märkten

Möglicherweise trägt der erneut eskalierende innenpolitische Streit auch zur Schwäche des US-Dollar bei. Dieser ist in der letzten Woche massiv unter Druck geraten und hat eine wichtige Unterstützung durchschlagen. Entsprechend stark sieht der Euro aktuell gegen den Dollar aus (vgl. Abb.).

Nach dem Durchbruch der blauen Linie – in dieser Betrachtung ein Widerstand für den Euro – kommt nun der langjährige Abwärtstrend des Euro gegenüber dem Dollar (rote Linie) als nächste bedeutsame Entscheidungsmarke ins Visier. Sie verläuft aktuell im Bereich von 1,27 bis 1,28 USD. Wir trauen dem Euro kurzfristig eine solche Bewegung durchaus zu, vor allem, wenn sich das Hauen und Stechen innerhalb der USA weiter verschärft. Mehr dazu in der nächsten Printausgabe des Smart Investor 2/2018. Für exportorientierte deutsche Aktien bleibt die Dollar-Schwäche eine Hypothek. Der US-Aktienmarkt dürfte dagegen weiter von seiner Rolle als Abwertungsbörse profitieren, wie sich auch in den jüngsten Allzeithochs zeigt.

Fazit

Dem US-Dollar war im neuen Jahr bislang nur eine kurze Verschnaufpause vergönnt. Der verschärfte Kampf um das Weiße Haus dürfte zur erneuten USD-Schwäche nicht unerheblich beigetragen haben.
© Ralph Malisch, Ralf Flierl – Homepage vom Smart Investor

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