Gut getarnt im Rückwärtsgang

11. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott)

Die australische Notenbank übt sich regelmäßig in Zweckoptimismus, befindet sich jedoch seit geraumer Zeit im Hektik-Modus. Mit schöner Regelmäßigkeit senkt die RBA nun die Zinsen. Die strukturellen Probleme in Australien kann dies nicht lösen.

Der große Minenboom in Australien hat lange die Probleme der restlichen Wirtschaft überdeckt. Vor allem ausländische Medien blenden immer noch den bereits länger anhaltenden Abschwung aus. Dabei sind die Probleme vielfältig und die Antwort besteht, wie andernorts auch, aus ständig weiteren Drehungen an der Zinsschraube. Mittlerweile ist der Zielsatz für die australische Overnight Cash Rate bei 3 Prozent gelandet. Real liegt der Wert knapp über 1 Prozent. In Bälde wird mit einer weiteren Senkung gerechnet, womit der tiefste Stand seit mehr als 50 Jahren erreicht würde.

Unterdessen taucht die Wirtschaft davon unbeeindruckt in gewohnt zyklischer Manier ab. Neben den Problemen am Immobilienmarkt zeigen sich wachsende Probleme im Minensektor. Der Verfall der Kohle- und Eisenerzpreis führt zu drastischen Einbrüchen in den Cash Flows der Rohstoffirmen.

Derzeit sind von den Unternehmen vor Ort bereits Projekte im Volumen von mehr als 120 Milliarden Austral-Dollar eingefroren beziehungsweise gestrichen worden. Viele hatten ihre Projekte offensichtlich ein wenig zu optimistisch geplant und einen ewig währenden Höhenflug der Erzpreise eingeplant. Was bei einer Rückkehr der Preise zum langjährigen Mittel in den Bilanzen der Firmen los wäre, hat man wohl nicht bedach. So recht mag man sich das vermutlich auch nicht vorstellen.

Bei diesen Aussichten sollte man keine große Hoffnung auf einen baldigen Boom der Wirtschaft hegen. Die Entwicklung der gesamten Volkswirtschaft konnte sich dem globalen Abwärtstrend auch in den letzten Jahren nicht entziehen, wenn auch die Erholung nach dem Kollaps 2009 bemerkenswert war. Die Entwicklung jedoch agleicht dem Bild vieler westlicher Wirtschaften. Auf einen massiven Einbruch folgt eine schnelle Erholung, die jedoch nicht an die alten Hochs herankommt. Seit einigen Quartalen geht es nun wieder bergab.

Ein Abbrechen des gigantischen Investitionsbooms hätte drastische Folgen für die australische Wirtschaft. Das Problemkind Immobilienmarkt wird es schon ohne weitere Hürden schwer haben, nicht allzu schnell zu fallen. Fallende Realeinkommen und zu Staub zerbröselte Hoffnungen auf jährliche steigenden Wohlstand hinterlassen schon jetzt tiefe Krater in die Bilanzen der privaten Haushalte. Auch der finanzielle Hebel, den die Haushalte aufgebaut haben, ist beachtlich. So sind mittlerweile die ausstehenden Hypothekenschulden so groß, dass sie ein Drittel des Gesamtwertes des australischen Immobilienmarktes ausmachen. In diesem Wert sind, das sei nebenbei bemerkt, auch sämtliche bereits abbezahlten Häuser enthalten. Anfang der 90er Jahre lag dieser Wert bei lediglich 10%.

Wie rasant die Hauspreise gestiegen sind, zeigt ein Vergleich mit der allgemeinen Teuerung.

Hohe private Verschuldung, ein aus dem Ruder gelaufener Häusermarkt und verdampfende Cash Flows der Rohstoffgiganten sind eine gefährliche Mischung für die australische Wirtschaft. Der Staat merkt dies schon jetzt und hat mittlerweile gemeinsam mit den Bundesstaaten und Regionen wieder eine gesamte Nettoverschuldung in Höhe von 30% des BIP aufgebaut. Vor nur fünf Jahren konnte man noch ein Nettovermögen in Höhe von 15% des BIP ausweisen. Das Niveau ist noch harmlos, die Dynamik ist es nicht. Zinssenkungen werden strukturell ebenso wenig helfen wie andernorts.

Diese Zahlen können einen Europäer nicht schocken. dennoch zeigen sie, dass sich auch Australien dem Abwärtszyklus nicht entziehen kann. So darf man sich auch die Banken down under einmal in aller Ruhe anschauen …
 


Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , ,

2 Kommentare auf "Gut getarnt im Rückwärtsgang"

  1. Lickneeson sagt:

    Tulpen aus Eisenerz?

    Erfreulich und erschreckend zugleich, das das kopflose Verschuldungsspiel wohl ein globales Problem darstellt und nicht nur Schafskäseproduzenten aus Südeuropa betrifft.

    Der Glaube an eine Entwicklungsexplosions China/Emerging Markets hat hier wohl den Zeitrahmen ausser Acht gelassen den ein Land braucht um nicht nur wie wild draufloszubauen, sondern auch gesellschaftlich eine Struktur zu schaffen, von der ein Grossteil der Bevölkerung auch partizipiert, sprich Waren nachfragt und auch die Preise bezahlen kann.China und Indien boomen, die Mehrheit bleibt auf Mittelalterniveau.Wer also glaubt, Erdöl,Kupfer und Eisenerz würden nun dauerhaft in dem Tempo teurer werden irrt.

    Nun werden wohl einige Medizin-u. Jurastudienabbrecher in Down Under, die lieber Grossraum-LKWs in den Minen als Arbeitsplatz gewählt haben, sich wieder an den Unis einschreiben.

    MfG

  2. MH sagt:

    Was Zucker für die Ernährung, ist billiges Geld für die Wirtschaft: Beides kommt süß daher, hinterlässt aber bei zu hoher Dosis ein Trümmerfeld.

    USA, Spanien, Irland, – überall sind die Immobilienmärkte zusammengebrochen mit katastrophalen Folgen für die Volkswirtschaft und die Bevölkerung. Demnächst sind nun also Australien und dann wohl Holland dran. Wer kommt danach? Frankreich, China oder vielleicht wir?

    Dass eine Immobilienblase platzt, kann ja passieren, aber dass es so akkurat reihum geht und niemand die Notwendigkeit einer Änderung sieht, ist schon unbegreiflich.

    Wir brauchen einfach noch mehr Aufklärung, um die Massen zu erreichen. Wenn man eine Umfrage über die Lage beispielsweise in Spanien machen würde, würden wahrscheinlich 9 von 10 nicht wissen, warum es in dem Land eine Immobilienkrise gegeben hat, möglicherweise wissen die meisten gar nicht, dass es überhaupt eine Immobilienkrise gegeben hat. Von Politik und MSM kann man Aufklärung kaum erwarten, aber vielleicht von Kulturwissenschaftlern oder Soziologen. Populärwissenschaftliche Ansätze könnten hilfreich sein oder Bestseller, die die Geschichten der kleinen Leute verbreiten, die Entwicklung und Beweggründe der Menschen offenlegen, warum sie das Land mit Immobilien zugepflastert und sich dabei finanziell verhoben haben. Der eher abstrakte Begriff „Bankenkrise“ muss mit authentischen Geschichten unterlegt werden, die viele nachvollziehen können.

    Auch dann wird man nicht alle erreichen, aber es wäre ein weiterer Schritt.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.