Gut gemeint mit bösem Ende?

6. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die vielfach angekündigte Jahresendrally findet auch weiter nur gefühlt statt. Also, sie gibt es schon, nur mit einem Minuszeichen davor. Und das, obwohl der Italiener Mario Draghi seit nunmehr fünf Jahren an der EZB-Spitze Gottes Werk ausübt.

Der DAX ist seitdem um 69 Prozent gestiegen und der Euro um 20 Prozent gefallen. Experten meinen, Draghis Arbeit wäre gut. Ist das der Maßstab für eine gute Arbeit? Ich habe da meine Zweifel. Doch zumindest mit seinem „Wir werden alles tun, was nötig ist!“, wird er wohl einen Platz in den Geschichtsbüchern finden. Und später auch damit, wie dieses Projekt eines Tages endet.

Inzwischen warnt sogar die Deutsche Bank vor der EZB-Geldpolitik. Warum eigentlich erst jetzt? Diejenigen, sie das seit Jahren tun, waren bislang Verschwörungstheoretiker oder Schlimmeres. Jetzt also auch die Deutsche Bank! Willkommen im Club!

Fünf „draghische“ Jahre liegen hinter uns. Die nächsten Jahre werden noch turbulenter, nicht nur an den Börsen. Die Zinslosigkeit und die Jagd nach Renditen treibt inzwischen viele seltsame Blüten und sind Vorboten von gefährlichen Finanzblasen, die irgendwann ihre Nadel finden werden. Beide sind schon unterwegs. Die einen bekommen es mit der Gier die anderen mit der Angst zu tun.

Was haben fünf Jahre Draghi gebracht? Eine schnellere Umverteilung des Geldes von unten nach oben. Dabei heißt es, es ginge uns immer besser. 43,6 Millionen Leute haben eine Beschäftigung – mit dem Unterschied – dass sie früher davon auch leben konnten. Nach neuen Zahlen aus dem Statistikamt sind hierzulande inzwischen16,1 Millionen Menschen arm oder von Armut bedroht. Arm ist, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Für einen Single sind das 1033 Euro im Monat für eine Familie mit zwei Kindern 2.170 Euro. Hallo? Das waren früher 2.000 bzw. 4.300 Mark. So wertlos ist unser Geld inzwischen geworden?

Die Nullzinspolitik entreichert zudem die Bürger und entschuldet die Staaten auf die kalte Tour. Dabei erleben wir doch erst den Anfang. Wer wissen will wie das endet nach x- „Rettungsaktionen“, schaut heute schon mal in die Geschichtsbücher. Dass es diesmal alles anders ist, ist übrigens der teuerste Spruch an der Börse. Und nicht nur dort.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

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